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Kuselit Rezensionen

Hans-Joachim Gerst (Hrsg.) - Zeugen in der Hauptverhandlung

Titel: Zeugen in der Hauptverhandlung Cover
Autor: Hans-Joachim Gerst (Hrsg.)
Verlag: ZAP
Ort: Bonn
Jahr: 2016
Seiten: 576
Preis: 89,00
ISBN: 978-3-89655-735-3
Internet:
Rezensent: RA Dr. Sascha Kische
Quelle: Kuselit Verlag GmbH



Hans-Joachim Gerst (Hrsg.)

Zeugen in der Hauptverhandlung.

Vernehmungsrecht - Vernehmungslehre - Vernehmungstaktik

Bonn 2016.

ISBN 978-3-89655-735-3


Wer in strafverfahrensrechtlicher Hinsicht als Verteidiger, aber auch als Nebenklägervertreter oder Zeugenbeistand mit „Zeugen in der Hauptverhandlung“ zu tun hat, der hat ein solches Kompendium lang ersehnt. Naturgemäß liegt der Nutzen des hier besprochenen Werkes im Auge des Betrachters. Gedacht ist es als „konkrete Arbeitshilfe wie profunde wissenschaftliche Orientierung von Praktikern für Strafverteidigerinnen und Strafverteidiger“ (Vorwort), den Einzelfall vor Gericht löst das Werk selbstverständlich allein nicht. Gerst und seinen renommierten KollegInnen ist es gelungen, gleichermaßen dem Berufsanfänger wie auch dem erfahrenen Praktiker neben zwingendem Handwerkszeug in Form von Wissen mitunter neue Ideen und vornehmlich psychowissenschaftliche Hintergrundinformationen zu präsentieren, die dem Leser nach Lektüre einen neuen Blickwinkel auf die eigene Arbeit ermöglichen (sollten).

Allgemein zum Inhalt des Werkes: Das sicherlich als Handbuch zu verstehende Nachschlagewerk gliedert sich in einen Praxis- und Kommentarteil. Dem Praxisteil sind umfängliche Ausführungen zur „Psychologie und Taktik der Zeugenvernehmung“ (Gerst), „Speziell wiederkehrende Konstellationen der Zeugenvernehmung" etwa von Berufszeugen wie Polizeibeamten (Meinicke), von Zeugen als Nebenklägern (Ufer), von Kindern und Jugendlichen (Hirsch) oder der "Befragung geheimer Ermittler" (Sommer), sowie zum „anwaltlichen Beistand des Zeugen“ (Gercke) gewidmet. Der Kommentarteil – unter der bestehenden Meinungslandschaft etablierter Werke autorenseits erhofft mit einem „relevanten eigenen Platz auch durch für die Praxis frische[n] Denkvorschläge“ (Vorwort) – beinhaltet eine rechtsprechungsbasierte, aber gezielt verteidigerorientierte Sichtweise zu praxisrelevanten, den Zeugen betreffenden Normen der StPO, gänzlich vom Herausgeber Gerst verantwortet.

Besonders hervorzuheben ist auch die – bereits im Untertitel des Werkes herausgehobene – Betonung der Dreiteilung „Vernehmungsrecht – Vernehmungslehre – Vernehmungstaktik“. Für eine erfolgreiche Zeugenvernehmung im Interesse des eigenen Mandanten gibt es nach Gerst zutreffend „[...] Bausteine, Regeln und Prinzipien, deren Beachtung und Verwendung die Wahrscheinlichkeit für eine optimale Zeugenvernehmung immens erhöhen" (Rn. 12). Das in dem Werk vorgestellte Drei-Säulen-Prinzip der Vernehmungsvorbereitung und Vernehmungssetting (Säule 1), der Vernehmungsziele und Vernehmungsgestaltung im weiteren Sinne (Säule 2) und die Vernehmungsgestaltung im engeren Sinne (Säule 3) gibt – insoweit keine (auch vom Herausgeber nicht gewollt) abschließenden, aber in jedem Falle – wertvolle Hilfestellungen für eine optimale Bewerkstelligung der ureigenen anwaltlichen Aufgabe, die Rechte und Interessen des eigenen Mandanten zu wahren und zur vollen Geltung zu bringen.

Dem Herausgeber und seinem Team bleibt zu wünschen, dass das hier besprochene Werk seine berechtigte Anerkennung finden wird, obgleich das Handbuch und seine Inhalte sicherlich erst als „Startschuss“ für eine zukünftige, vornehmlich aus Kreisen der Verteidigung zu erwartende Auseinandersetzung mit der aus Strafprozessen nicht wegzudenkenden Zeugenvernehmung insbesondere unter psychologischen und taktischen Erwägungen zu begreifen ist. Insoweit nimmt das Werk in der Tat eine stimmengewichtige Vorreiterrolle ein.

Dr. Sascha Kische, LL.M., Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, Osnabrück