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Kuselit Rezensionen

Grocholewski, Zenon / Bechina, Friedrich / Müller, Ludger / Krutzler, Martin (Hrsg.) - Katholisch-Theologische Fakultäten zwischen

Titel: Katholisch-Theologische Fakultäten zwischen Cover
Autor: Grocholewski, Zenon / Bechina, Friedrich / Müller, Ludger / Krutzler, Martin (Hrsg.)
Verlag: Be&Be
Ort: Heiligenkreuz
Jahr: 2013
Seiten: 372
Preis: 27,90
ISBN: 978-3-902694-65-2
Internet:
Rezensent: Klaus Dieter Deumeland
Quelle: Kuselit Verlag GmbH

 

Grocholewski, Zenon / Bechina, Friedrich / Müller, Ludger / Krutzler, Martin (Hrsg.)

Katholisch-Theologische Fakultäten zwischen "Autonomie" der Universität und kirchlicher Bindung

Heiligenkreuz im Wienerwald: Be&Be-Verlag 2013

372 Seiten ISBN 978-3-902694-65-2 27,90 €

 

Im Jahr 2011 fand in der seit dem Jahr 1133 bestehenden Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz in Österreich und der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. eine Tagung über die Beziehungen Katholisch-Theologischer Fakultäten mit kirchlicher Bindung zur Autonomie staatlicher Universitäten statt. Das angezeigte Werk gibt Referate der Teilnehmer wieder. Hierbei werden interessante Gesichtspunkte angesprochen, wobei aber die Beziehung nicht in einen "Seiltanz" ausarten darf; denn es handelt sich nicht um einen Circus. Darüber freudig zu lachen, ist aber gut.

Die Autonomie der Universität soll die Wissenschaften fördern. Sie sichert die Mitwirkungsmöglichkeiten von Lehrenden und Lernenden und der Hochschulverwaltung und muß die wissenschaftliche Tätigkeit vor Machtansprüchen des Staates und politischer Parteien schützen.

Die Autonomie der Universität ist aber nicht grenzenlos (Kasparovsky S. 132), weil insbesondere die Menschenwürde Vorrang hat (vgl. Deumeland, Hochschulrahmengesetz, 1979, Erl. zu § 43 Abs. 3),welche durch den Tod nicht beseitigt wird und im Bereich der Anatomie beachtet werden sollte. In der Realität wird die Wissenschaftsfreiheit, die auch im Kirchenrecht normiert ist (Kowatsch S. 347), manchmal behindert; so gibt es beispielsweise an keiner Fakultät eine Professur, die von einem Mitglied der Priesterbruderschaft St. Pius X vertreten wird. Es besteht die Tendenz, kritiklos staatlichen Wünschen zu folgen statt wissenschaftlich fundierte alternative Wege aufzuzeigen. Cardinal Schönborn macht darauf aufmerksam, dass sogar katholische Universitäten - besonders in den USA - oft die Apostolische Konstitution "ex corde ecclesia" vom 15. August 1990 nicht wirklich annehmen ( S. 237). Gefährdet wird aktuell die Autonomie der Universität durch die gegenwärtige Ökonomisierung des Hochschulrechts (vgl. T. Kittiyanupong, Das Weisungs- und Disziplinarrecht im Hochschulwesen in Deutschland und Thailand, 2013, S. 67), was im angezeigten Werk leider kein Autor erwähnt.

Auf die Gefahr für die Wissenschaften, durch Gruppenzwang in der Form "political correctness" die Mitteilung unpopulärer Ansichten zu verhindern, haben Bechina und Bergan hingewiesen (S. 70); sie machen auch auf die fehlerhafte Behandlung von Studenten als Kunden aufmerksam (S. 62/63). Interessant ist der Hinweis von Brandhuber, dass die "Mathematik auf Axiomen basiert, die quasi Glaubenswahrheiten darstellen aus denen nach festgelegten Schlußfolgerungsprinzipien alle möglichen Aussagen logisch abgeleitet werden können" (S. 95). "Jede Wissenschaft und Forschung ist als Wahrheitssuche zu begreifen" teilt Gabriel mit (S. 102). Nach ihrer Meinung führt ein dichtes Netz von Leistungsnachweisen zu einer Verminderung soliden Wissens (S. 104) und der Bologna-Prozeß etablierte eine Verschulung (S. 105). In dieser Form werden nutzbare, auf ein Fachgebiet focussierte Personen gefördert, aber keine Wissenschaftler gebildet. Das beschädigt auch die Wissenschaftsfreiheit. Es behindert ferner die Lernfreiheit als Unterfall der Wissenschaftsfreiheit (Deumeland, HSchG NW, 3. Aufl. 1973, Einführung XIV).

Unqualifiziert sind die Ausführungen von Schipka zu Normen (S. 115). Denn er verschweigt vollständig das Gewohnheitsrecht, obwohl dieses sowohl im Kirchenrecht (siehe Neudecker, legitima consuetudo, 2013, S. 587) als auch im Hochschulrecht (siehe Deumeland, Zeitschrift für Beamtenrecht 2015, 71; Maunz, NJW 1971, 1251) eine Rolle spielt. Wenn er behauptet, ein völlig unverständlicher Gesetzestext lasse daran denken, diesem Text die normative Kraft abzusprechen (S.121 FN 32), aber das Urteil des VerfG Wien (ZAS 1990,207; Deumeland, Kuselit - Rezension 2015 von F. Oppitz. Grundlagen des österreichischen Verfassungsrechts), wonach bei extremen Schwierigkeiten des Verständnisses die Norm keine Geltung besitzt, dazu verschweigt, dann dokumentiert er seine fehlende Qualifikation. 

Krutzler verdient Zustimmung zu seiner Feststellung, es sei Auftrag jedes Theologen, dort Widerspruch zu erheben, wo die Wahrheit verraten wird (S. 223). Dies ist ein Aspekt, welcher insbesondere bei der Verleumdung des Bischofs von Limburg hätte beachtet werden müssen.

In seiner Rede am 9. September 2007 in Heiligenkreuz hat Papst Benedikt XVI. dargelegt, dass wissenschaftliche Intellektualität und gelebte Frömmigkeit zwei notwendige Elemente des theologischen Studiums sind (S.276). Zutreffend führt Bischof Küng (St. Pölten) aus, dass die Katholisch-Theologischen Fakultäten nicht nur Gelehrte mit umfassenden Wissen benötigen, sondern Personen, die mit ihrem Leben bezeugen, was sie lehren und welche den Studenten Halt bieten (S.291). Die Theologie an staatlichen Hochschulen hat wegen der Frage nach Wahrheit wie ein Stachel im Fleisch einer Gesellschaft und Hochschule zu wirken, meint Kowatsch (S. 344/345). Doch häufig ist das Gegenteil der Fall, wenn etwa ein Theologe aus Münster Werbung für eine sozialfaschistische Partei macht oder ein anderer Papst Benedikt XVI. sogar vorschreiben will, wie dieser sich zu kleiden habe.

Nicht ein "Seiltanz" darf die Katholisch-Theologischen Fakultäten in ihrer Beziehung zur autonomen Universität prägen (and. Grocholewski S. 9), sondern "ora et labora", damit sich erneut realisiert, wovon T. S. Eliot in einem Gedicht berichtet : "The dove descending breaks the air with flame of incandescent terror of which the tongues declaire the one discharge from sin and error."

 

Klaus Dieter Deumeland, Berlin