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Kuselit Rezensionen

Dietmar Gosch (Hrsg.) - Körperschaftsteuergesetz

Titel: Körperschaftsteuergesetz Cover
Autor: Dietmar Gosch (Hrsg.)
Verlag: Verlag C.H. Beck
Ort: München
Jahr: 2015
Seiten: 1836
Preis: 149,00
ISBN: 978-3-406-63135-1
Internet: http://www.beck.de/
Rezensent: Prof. Dr. RA Manzur Esskandari FAStR FAArbR FAStrR
Quelle: Kuselit Verlag GmbH

Dietmar Gosch (Hrsg.)

Körperschaftsteuergesetz

3. Auf. München 2015. ISBN: 978-3-406-63135-1   

 

Das Unterfangen, das Körperschaftsteuergesetz neu zu kommentieren und dies mit nur sechs Autoren in Angriff zu nehmen, setzt einigen Wagemut voraus - aber auch eine gewisse Unbefangenheit, war doch dieses Vorhaben in seiner Geburtsstunde noch von der Hoffnung getragen, nach Einführung des sogenannten Halbeinkünfteverfahrens sei jedenfalls für eine Weile gesetzgeberische Ruhe eingekehrt. (…) Es ist vor allem die vielfach beklagte Kurzatmigkeit der Steuergesetzgebung, die die Schreibfreude zuweilen trübt und den Tag verdammen lässt, an dem man sich frohgemut entschloss, in einem neuen „runden“ Team engagierte Berufskollegen aus verschiedenen steuerjuristischen Berufen in der „Blauen Reihe“ des Beck-Verlages etwas „Neues“ ins Werk zu setzen.“

Mit diesem Auszug aus dem Vorwort zur ersten Auflage des „Gosch“ aus dem Jahre 2005 kann man - und dies sei bereits vorab festgestellt - nur froh und dankbar sein, dass Herausgeber und Autoren zwar vielleicht manchen Tag „verdammt“ haben, aber nunmehr und damit trotz allem dem Kommentar in der mittlerweile dritten Auflage 2015 vorlegen.

Im Vorwort zur zweiten Auflage 2009 hatten Herausgeber und Autoren bereits festgestellt, dass der Abstand zur Vorauflage zu groß gewesen sei und deshalb die dritte Auflage zeitnäher erscheinen sollte. Diese Absichtsbekundung wurde leider nicht wahr gemacht. Bedingt dürfte dies durch eine doch recht umfangreiche Umstrukturierung im Autorenteam gewesen sein. Neben dem Herausgeber selbst zeichnen nun insgesamt zehn weitere Autoren für die Kommentierung verantwortlich.

Geändert hat sich von der ersten bis zur dritten Auflage auch das Format. Um dem anwachsenden Umfang der Kommentierung Rechnung zu tragen, wurde das Format verändert. Der Kommentar ist nun höher und breiter als es noch die erste Auflage war. Dies alles lässt den Kommentar aber noch leichter zur Hand nehmen. Auch in den Zeiten der allseits gegenwärtigen neuen Medien sei die Feststellung diese haptische Empfindung erlaubt.

Durch die Bank weg haben sich sämtliche Bearbeiter in ihren Kommentierungen an der Gesetzessystematik orientiert und die Vorschriften ihrem Aufbau folgend abgearbeitet. Dem eigenen Anspruch wird dabei definitiv genügt, dass die Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs und der Finanzgerichte lückenlos nachgewiesen wird. Hinsichtlich des einschlägigen Schrifttums wird eine praktisch vernünftige Auswahl getroffen. Dies, obschon dabei die Darstellung durchgängig wissenschaftlichen Ansprüchen genügt. Gerade dieser Aspekt ist noch in der dritten Auflage deutlich verstärkt worden durch das Hinzutreten von Autoren aus der universitären Steuerlehre. Insgesamt bleibt der „Gosch“ damit nicht nur tatsächlich gut lesbar. Er ist vielmehr im besten Sinne ein Erläuterungswerk für die Praxis und ein Nachschlagewerk für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Körperschaftsteuerrecht.

Der Kommentar wendet sich an Rechtsanwälte, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Notare. Zwei Vertreter dieses Adressatenkreises sind im Autorenteam auch tätig. Neben dem Herausgeber selbst finden sich noch vier weitere Richter aus der Finanzgerichtsbarkeit. Abgerundet wird dieses Team durch drei Rechtslehrer und einen Vertreter der Finanzverwaltung.

Es ließen sich sicherlich von allen Autoren ausgezeichnete Kommentierungen herausgreifen. Niemandem nahetreten wird man aber sicherlich dann, wenn man sagt, dass das, was Gosch selbst auf 261 Seiten zur verdeckten Gewinnausschüttung bei § 8 Abs. 3 KStG geleistet hat, schon für sich genommen Grund genug für die Anschaffung des gesamten Kommentars wäre. Dieser für die Praxis so eminent wichtige Bereich wird nicht nur in der üblichen Kommentarform behandelt. Vielmehr gibt Gosch mit dem ABC der Anwendungsfälle verdeckte Gewinnausschüttungen der Praxis ein ganz hervorragendes Arbeitsmittel an die Hand. Zum Stichwort „Tantiemen“ (Rn. 1235 ff.) beispielsweise stellt Gosch ab Rn. 1260 die sogenannte 75-zu-25-Relation vor, also die Prüfung im Rahmen des Fremdvergleichs der Relation zwischen festen und variablen Vergütungsbestandteilen. Nachdem hier zunächst kurz die Rechtsprechung des BFH und die Übernahme dieser Grundsätze durch die Finanzverwaltung dargestellt werden, setzt sich Gosch ausführlich mit der Kritik des Schrifttums an dieser typisierenden Verhältnisbestimmung von 75 zu 25 auseinander. Ihm gelingt es dabei nicht nur die Hintergründe verständlich zu machen, die den BFH ursprünglich zu dieser Betrachtungsweise veranlasst haben, er zeigt vielmehr auch die Grenzen dieser Rechtsprechung auf und vermittelt damit gerade den Lesern aus der Beraterschaft Anknüpfungspunkte, um im Einzelfall gegen die starre Handhabung dieser Berechnungsmodalität durch die Finanzverwaltung argumentieren zu können.

Kann man eine Rezension zum Gosch auf den Punkt bringen? Ja, das kann man! Mit dem Gosch bekommt der Leser tatsächlich das, was Verlag, Herausgeber und Autoren versprechen. Die angesprochen Adressaten aus der Beraterschaft - aber nicht nur diese - bekommen eine vollständige Kommentierung des Körperschaftsteuergesetzes und zwar klar, praxisnah und wissenschaftlich fundiert. Mehr kann man sich bei einem Kommentar zur Körperschaftsteuer nicht wünschen.


Prof. Dr. Manzur Esskandari

Rechtsanwalt/Fachanwalt für Steuerrecht/Fachanwalt für Arbeitsrecht/Fachanwalt für Strafrecht

www.esskandari.de