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Kuselit Rezensionen

Thomas Wachter (Hrsg.) - Praxis des Handels- und Gesellschaftsrechts

Titel: Praxis des Handels- und Gesellschaftsrechts Cover
Autor: Thomas Wachter (Hrsg.)
Verlag: ZAP Verlag
Ort: Bonn
Jahr: 2015
Seiten: 3892
Preis: 218,00
ISBN: 978-3-89655-736-0
Internet:
Rezensent: Prof. Dr. RA Manzur Esskandari FAStR FAArbR FAStrR
Quelle: Kuselit Verlag GmbH

 

Dr. Thomas Wachter (Hrsg.), Praxis des Handels- und Gesellschaftsrechts, ZAP Verlag, 3. Auflage 2014, 3.858 Seiten, in Leinen, Euro 218,00, ISBN: 978-3-89655-736-0.

Ein anderes gefährliches Werkzeug im Sinne § 224 Abs. 1 Nr. 2 StGB (gefährliche Körperverletzung) ist jeder feste Gegenstand, der als Mittel zur Herbeiführung einer Körperverletzung eingesetzt und nach seiner Beschaffenheit und nach der Art und seiner Benutzung geeignet ist, erhebliche Körperverletzung herbeizuführen. Es kommt also nicht nur auf die Qualität des Werkzeugs, sondern auch auf die Art und rechtsgutsbezogene Zielrichtung seines Einsatzes an.

So verhält es sich mit dem von Wachter herausgegebenen und verantworteten Werk „Praxis des Handels- und Gesellschaftsrechts“ (in den Vorauflagen erschienen unter dem Titel „Handbuch des Fachanwalts für Handels- und Gesellschaftsrecht“). Denn bei falscher Anwendung kann einen dieses Buch erschlagen - aufgrund des Umfangs mit rund 3.800 Seiten Dünndruckpapier tatsächlich im körperlichen Sinne; vor allem aber aufgrund seiner inhaltlichen Substanz. Bei richtiger Anwendung aber haben wir hier ein ganz bemerkenswertes Handbuch und zwar in mehrerlei Hinsicht. Zum einen deckt das Spektrum der behandelten Themen wirklich das ab, was es verspricht. Es liefert nämlich der Praxis des Handels- und Gesellschaftsrechts Hilfestellung in jeder erdenklichen Hinsicht. Kein einschlägiges Thema, das nicht behandelt worden wäre. Zum anderen ist die dogmatische „Tiefenschärfe“ durchweg auf höchstem Niveau. Hier haben also nicht nur die Autoren Großes geleistet, sondern vor allem der Herausgeber, der augenscheinlich Wert auf eine einheitliche Qualität gelegt hat.

Der Versuch, die Themenvielfalt im Einzelnen aufzuzeigen, muss angesichts dieses Umfangs fehlschlagen. Der Teil 1, mit rund 480 Seiten, ist dem Handelsrecht gewidmet. Hier reicht das Spektrum vom traditionellen Kaufmannsbegriff bis hin zu den Besonderheiten im internationalen Handelskauf. Im Teil 3 finden sich noch rund 20 Seiten zu den berufsrechtlichen Aspekten des Fachanwaltstitels, insbesondere des Fachanwalts für Handels- und Gesellschaftsrecht. Dieser Teil ist der Herkunft des Buches geschuldet, das ursprünglich als Handbuch für den Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht konzipiert worden war. Und damit ist bereits erkennbar, wo der Schwerpunkt des Buches liegt, nämlich im 2. Teil, der mit „Gesellschaftsrecht“ überschrieben ist und hier jeden erdenkbaren Aspekt, der in der gesellschaftsrechtlichen Praxis eine Rolle spielt oder auch nur spielen kann, behandelt.

An dieser Stelle zeigen sich zwei als besonderes Qualitätsmerkmale hervorzuhebende Eigenschaften des Werkes schon in der Auswahl der Themen des 2. Teils. Zum einen sind dies die Querbezüge, insbesondere zum Steuerrecht. Dies lässt sich beispielhaft zeigen an dem als eigenem 7. Kapitel ausgewählten Thema „Betriebsaufspaltungen“. Ob im Bereich der Unternehmensnachfolge oder in anderen Zusammenhängen, eine gesellschaftsrechtliche Gestaltung, die die steuerlichen Zusammenhänge gerade in Verbindung mit bestehenden oder zu vermeidenden Betriebsaufspaltungen nicht berücksichtigt, ist im Grunde genommen von eher geringem Wert. Dies erkennend wird komprimiert im 7. Kapitel alles Erforderliche zu diesem Thema ausgeführt. Ebenfalls beispielhaft das 11. Kapitel „Minderjährige im Gesellschaftsrecht“. Auch hier zeigen sich der kundige Blick und die langjährige praktische Erfahrung bei der Auswahl dieses Themas. Denn die Problematik von Minderjährigen im Gesellschaftsrecht ist eine solche, die sich durch alle Gesellschaftsformen zieht, denn die zivilrechtlichen Grundlagen sind natürlich identisch. Hier ist es mehr als sinnvoll, dieses Thema komprimiert in einem Kapitel abzuhandeln.

Namentlich bei den Kapiteln, die von notariellen Autoren behandelt werden, finden sich eine Vielzahl von Formulierungsbeispielen und Mustern. Die Übernahme dieser Formulierungsbeispiele und Muster in die eigene Praxis des Anwenders erleichtert das Werk durch die Beigabe einer - leicht zu installierenden und zu verwendenden - DVD.

Angesichts des Umfangs des Buches kann eine Rezension nicht inhaltlich zu jedem Kapitel etwas sagen. Und Kapitel herauszugreifen, die in qualitativer Hinsicht hervorzuheben wären, ist nicht möglich, weil sich sämtliche Kapitel durchweg auf höchstem Niveau bewegen. Das 10. Kapitel zu „Unternehmensbeteiligung im Familienrecht“ soll aber dennoch besonders erwähnt werden. Und dies aus einem einfachen Grund. Denn hier wird in der Tat verstanden, nicht nur alle Grundlagen zum Zugewinnausgleich, zur Unterhaltsberechnung, zum Versorgungsausgleich und zu ehevertraglichen Gestaltungen sehr gut verständlich zu vermitteln, sondern vor allem werden alle Besonderheiten, die sich dabei für den Unternehmer ergeben, behandelt. Dies geht über die Darstellung der Bewertung von Unternehmen im Rahmen des Zugewinnausgleichs bis hin zur Darstellung der Gewinnermittlung für Unterhaltszwecke. Und es wird abgerundet durch die Möglichkeiten bei ehevertraglichen Gestaltungen für den Unternehmer. Wenn also der bisherige Titel suggerierte, dass wir hier ein Buch nur für angehende oder bereits den Titel erlangt habende Fachanwälte für Handels- und Gesellschaftsrecht haben und auch der aktuelle Titel den Eindruck vermittelt, dass sich mit dem Buch zumindest jeder Handels- und Gesellschaftsrechtler versorgen sollte, dann zeigt das Kapitel mit den familienrechtlichen Bezügen mehr als eindeutig, dass von diesem Werk auch jeder profitiert, der auch nur Bezüge zum Handels- und Gesellschaftsrecht bei der Bearbeitung seiner - hier familienrechtlicher - Fälle hat.

Seit der 2. Auflage sind vier Jahre vergangen. Das wäre das einzige Problem an dieser Stelle. Im Grunde genommen könnte man sagen, dass der Praktiker im Handels- und Gesellschaftsrecht mit dem Wachter vollständig und rundum sorglos versorgt ist. Aufgrund der großen Praxistauglichkeit einerseits und dem hohen wissenschaftlichen Standard andererseits dürfe in vielen Fällen die Heranziehung eines Kommentars überflüssig werden. Voraussetzung hierfür ist natürlich, dass der Erscheinungsrhythmus des Buches ein kurzer ist. Hierfür sind vier Jahre zu lang. Zwei Jahre wären vertretbar. Allerdings wäre dies ein - für Verlag, Herausgeber und Autoren - mehr als sportlicher Ansatz. Für die Praxis wäre es ein Gewinn, wenn Verlag, Herausgeber und Autoren diese Herausforderung annehmen würden.

Prof. Dr. Manzur Esskandari

Rechtsanwalt/Fachanwalt für Steuerrecht/Fachanwalt für Arbeitsrecht/Fachanwalt für Strafrecht

www.esskandari.de