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Kuselit Rezensionen

Jens Wüstemann / Sonja Wüstemann - Bilanzierung - case by case

Titel: Bilanzierung - case by case Cover
Autor: Jens Wüstemann / Sonja Wüstemann
Verlag: Deutscher Fachverlag
Ort: Frankfurt am Main
Jahr: 2015
Seiten: 340
Preis: 29,90
ISBN: 978-3-8005-5046-3
Internet:
Rezensent: Prof. Dr. RA Manzur Esskandari FAStR FAArbR FAStrR
Quelle: Kuselit Verlag GmbH

Jens Wüstemann / Sonja Wüstemann

Bilanzierung - case by case

Lösungen nach HGB und IFRS

9., überarbeitete und aktualisierte Auflage 2015

(BB Studium - BWL)

(340 Seiten mit 9 Prüfungsschemata und 4 Tabellen), Frankfurt am Main 2015. 

ISBN 978-3-8005-5046-3  

Die Verfasser wenden sich an Studierende der Wirtschaftswissenschaften in Bachelor- und Masterstudiengängen sowie an Praktiker zur Vorbereitung auf Berufsexamina im Bereich Rechnungswesen und Wirtschaftsprüfung. Konsequenterweise bieten sie deshalb mit ihrem Lehr- und Arbeitsbuch schon mehr als einen bloßen Einstieg in die handelsrechtlichen Grundsätze ordnungsgemäßer Bilanzierung. Denn zum einen werden neben den Grundlagen der Rechnungslegung dann noch in 13 weiteren Fällen Einzelprobleme der Bilanzierung ausführlich abgehandelt. Dabei differenzieren die Verfasser in ihren einzelnen Falllösungen nach den Grundsätzen des HGB einerseits und denen der IFRS. Aktuell bilanzieren sicherlich nach den Grundsätzen der IFRS nur ein sehr geringer Prozentsatz aller deutschen Unternehmen, es mögen vielleicht 10 % sein. Und sicherlich werden diese Bilanzierungsstandards auch eher von Konzernen verwendet, die weltweit tätig sind und von denen in anderen Ländern Abschlüsse nach diesen Standards erwartet werden. Jedoch gehören die IFRS zum Prüfungskanon derjenigen, an die sich das Werk wendet. Der Bilanzierungspraktiker, der namentlich für den deutschen Mittelstand tätig ist, profitiert demgegenüber dann mehr von den Falllösungen, die sich mit den Bilanzierungsvorschriften des HGB beschäftigen.

Bekanntermaßen gilt über den Maßgeblichkeitsgrundsatz des § 5 Abs. 1 Satz 1 EStG, dass die gesetzliche Grundlage für die Steuerbilanz eine von der ordnungsgemäß aufgestellten Handelsbilanz abgeleitete, durch Korrekturen des EStG über § 5 Abs. 6 EStG veränderte, Bilanz ist. Diese Abänderungen für steuerliche Zwecke werden schon vom Anspruch her durch „Bilanzierung case by case“ nicht behandelt. Aber auch der Steuerrechtspraktiker, der seinen Ausgangspunkt gleichfalls im Handelsrecht nimmt und nehmen muss, profitiert von den handelsrechtlichen Lösungen der behandelten Einzelprobleme.

Nach den Grundsätzen der Rechnungslegung nach HGB und IFRS werden die einschlägigen Aktivierungs-, Passivierungs- und Bewertungsnormen dieser Regelwerke an Fallbeispielen ausgeführt. Nach der Darstellung handelsrechtlicher Grundsätze folgt immer die nach den IFRS. Jede Falllösung schließt mit einem Gesamtergebnis und dem Hinweis auf weiterführende Literatur nach beiden Bilanzierungswerken. Beides, der Fußnotenapparat wie auch die weiterführende Literatur ist vollständig und aktuell ausgewertet. Ein echtes Qualitätsmerkmal also.

Auch wenn zwar - über den Maßgeblichkeitsgrundsatz des Einkommensteuergesetzes - die Bilanzierung nach handelsrechtlichen Vorschriften immer den ersten Schritt auch für den Steuerrechtspraktiker darstellt, ist es nicht so, dass die handelsrechtliche Bilanzierung ohne den Rückgriff auf die Steuerrechtsprechung, Auffassung der Finanzverwaltung und steuerrechtliche Literatur auskommt. Wenn deshalb beispielsweise in Fall 13 die planmäßige Abschreibung nach Handelsrecht am Beispiel der Abschreibung von Gebäudekomplexen dargestellt und der zugehörige Fall gelöst wird, dann werden hier sicherlich zunächst einmal vollkommen zutreffend die Grundsätze planmäßiger Abschreibungen dargestellt. Wenn es in dem Beispielsfall aber insbesondere auch um den Einbau einer Rolltreppe in ein Gebäude geht, in welchem ein Textilkaufhaus betrieben wird, dann liegt es nicht nur nahe, sondern es wird auf Seite 98 auch angesprochen, dass eine Ausnahme von der Annahme eines einheitlichen Vermögensgegenstandes nach ständiger BFH-Rechtsprechung dann gelten kann, wenn einzelne Vermögensgegenstände in einem eigenen, selbständigen Nutzungs- und Funktionszusammenhang stehen und entsprechend in Erscheinung treten. Demzufolge gelten in ein Gebäude eingebaute Betriebsvorrichtungen, die nicht der generellen Nutzung des Gebäudes, sondern dem konkreten Unternehmenszweck dienen, als selbständige Vermögensgegenstände. Hier wird dann auf die Rechtsprechung des BFH verwiesen. Wünschenswert und der größeren Klarheit und dem besseren Verständnis dienend wäre es allerdings sicherlich, wenn an dieser Stelle der aus dem Steuerrecht stammende und in § 68 BewG verankerte Begriff der Betriebsvorrichtung nicht nur mit seiner gesetzlichen Fundstelle genannt, sondern auch unter Verweis auf die bestehende sehr ausführliche Erlasslage nach Finanzverwaltung verwiesen werden würde. Zuletzt hat der Bundesfinanzminister mit seinem Erlass vom 05.06.2013 (BStBl. I 2013, 734) ausführlich zur Abgrenzung des Grundvermögens von den Betriebsvorrichtungen ausgeführt. Hier ließe sich also auch für denjenigen, der Erhellendes zu diesem Thema zum Zwecke der Lösung seines handelsrechtlichen Bilanzierungsfalles suchte, Honig saugen. Dass es insoweit auch anders geht, zeigt die Lösung des fünften Falles. Hier geht es um die Frage der wirtschaftlichen Vermögenszugehörigkeit im Bilanzrecht anhand eines Leasingfalles. Und auch hier ist es wieder so, dass mit den Leasingerlassen der Finanzverwaltung das Steuerrecht bereits umfassende Erkenntnisquellen bietet. Darauf baut regelmäßig auch die Bilanzierung nach Handelsrecht auf, weil jedenfalls das HGB keine expliziten Regelungen zur Behandlung von Leasingverhältnissen enthält. Für die Bilanzierung nach IFRS ist dies nicht nötig, da Leasingverhältnisse dem Anwendungsbereich von IAS 17 unterfallen.

Zusammenfassend können sich damit nicht nur die ausdrücklich als Zielgruppe des Werkes in den Fokus genommenen Studierenden der Wirtschaftswissenschaften tatsächlich „case by case“ durch die Bilanzierung nach HGB und IFRS arbeiten. Auch dem Steuerrechtspraktiker bieten die Lösungen der in Fälle gekleideten bilanziellen Einzelprobleme eine geeignete Darstellung, um die handelsrechtliche Grundlage für die - abzuleitende - steuerliche Behandlung seines Falles zu finden.

 

Prof. Dr. Manzur Esskandari

Rechtsanwalt/Fachanwalt für Steuerrecht/Fachanwalt für Arbeitsrecht/Fachanwalt für Strafrecht

www.esskandari.de