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Kuselit Rezensionen

Hanns Prütting / Markus Gehrlein (Hrsg.) - ZPO Kommentar

Titel: ZPO Kommentar Cover
Autor: Hanns Prütting / Markus Gehrlein (Hrsg.)
Verlag: Luchterhand
Ort: Köln
Jahr: 2015
Seiten: 3140
Preis: 139,00
ISBN: 978-3-472-08652-9
Internet:
Rezensent: Dr Jakob Hoffmann-Grambow
Quelle: Kuselit Verlag GmbH

 

Bundle“ BGB/ZPO: Prütting/Wegen/Weinreich, BGB Kommentar, 10. Aufl., Köln 2015, und Prütting/Gehrlein, ZPO Kommentar, 7. Aufl., Köln 2015


I. Einleitung

Seit langem schon scheint das Angebot an BGB-Kommentaren aller Größen- und Preisklassen ausreichend. Für den schnellen Zugriff greift der Praktiker zum Palandt, manch einer (wie der Rezensent) auch gern zum Jauernig; wer es zweibändig möchte, wählt den Erman; und für die Arbeit im Detail empfehlen sich natürlich der Münchener Kommentar und der Staudinger. Mancher fragte sich daher schon im Jahre 2006, als der „Prütting/Wegen/Weinreich“ erstmals erschien, verwundert, ob denn überhaupt eine ausreichende Nachfrage nach einem weiteren Kommentar bestehe. In der Landschaft der ZPO-Kommentare gilt Ähnliches: Auch hier liegt die Nachfrage nach einem zusätzlichen Werk nicht eben auf der Hand.

Der hier rezensierte BGB-Kommentar erschien als direktes Konkurrenzwerk zum etablierten Palandt – aber „ohne die lästigen Abkürzungen“, wie der Kommentar sinngemäß beworben wurde. Seither erschien der „Prütting/Wegen/Weinreich“ – so die Namen des Herausgebertrios – wie das Konkurrenzwerk in jährlicher Neuauflage. Das Parallelwerk zur ZPO – der „Prütting/Gehrlein“, ebenfalls nach den renommierten Herausgebern benannt – erscheint seit dem Jahre 2010 ebenfalls jährlich neu und steht in direkter Konkurrenz zu den einbändigen Kommentaren von Musielak, Baumbach/Lauterbach/Albers/Hartmann sowie Zöller. Durch die jährliche Erscheinungsweise soll die Aktualität gewährleistet werden – ein Versprechen, das jedenfalls der ZPO-Kommentar nicht vollauf einlöst (worauf zurückzukommen ist).

Insgesamt stellt sich für den Leser mit Blick auf die zahlreichen Konkurrenzwerke die Frage nach dem „Mehrwert“, die den Ausschlag für den Kauf eines der hier rezensierten Werke (oder gleich des „Bundles“) geben dürfte – und sie stellt sich umso eindringlicher stellt, als jedenfalls der BGB-Kommentar mit EUR 130,00 sogar teurer ist als der berühmte Palandt.

 

II. Inhalt

Die Darstellung ist ihrer äußeren Gestalt nach typisch für Werke dieses Zuschnitts. In der Tat kommen beide Werke weitgehend ohne die Palandt-typischen Abkürzungen aus. Wer die Kurzschrift im Palandt gewohnt ist, vermag darin indes einen besonderen Mehrwert nicht zu erkennen.

Zumal beide Bände als „Bundle“ angeboten werden, erhofft sich der Leser – an den Schnittstellen zwischen materiellem und Prozessrecht – eine inhaltliche Abstimmung und Verzahnung beider Bände. Diese findet indes (leider) nicht statt. Abgesehen von dem vergleichbaren Layout, stehen beide Bände weitgehend beziehungslos nebeneinander. Einen inhaltlichen Vorteil bietet das (gegenüber den Einzelanschaffungen insgesamt aber etwas preisgünstigere) „Bundle“ also nicht.

Angesichts der bei beiden Kommentaren doch beachtlichen Vielzahl von Autoren (an beiden Werken haben jeweils mehr als 50 Autoren mitgewirkt) – teils Wissenschaftler, teils Praktiker – variiert das Qualitätsniveau der Kommentierungen (wohl zwangsläufig) deutlich. Während sich manche Autoren weitgehend darauf beschränken, das Meinungsbild wiederzugeben, steht bei anderen – was gerade bei der Vielzahl der existierenden BGB- und ZPO-Kommentare meines Erachtens den eigentlichen Mehrwert einer Kommentierung ausmacht – die problembewusste, methodengerechte und damit meinungsstarke Auseinandersetzung mit dem Gesetzeswortlaut im Vordergrund.

Positiv hervorzuheben ist etwa die vorzügliche Kommentierung des erst Mitte 2014 (erneut) reformierten Verbrauchervertragsrechts (§§ 312 ff. BGB) aus der Feder von Michael Stürner. Die sehr sorgfältige Darstellung weist dem Leser zuverlässig den Weg durch das (wie es scheint) seit Jahren im Fluss befindliche Normenwerk.

Ausgesprochen negativ muss hingegen ins Gewicht fallen, dass in dem ZPO-Kommentar der kommentierte Gesetzestext nicht auf dem aktuellen Stand ist. So fehlt in § 917 Abs. 2 ZPO der bereits mit Wirkung zum 25. April 2013 (!) hinzugefügte Satz 2, wonach es eines Arrestgrundes nicht bedarf, „wenn der Arrest nur zur Sicherung der Zwangsvollstreckung in ein Schiff stattfindet“. Dementsprechend finden die mit der Neuregelung verbundenen Rechtsprobleme (dazu etwa Musielak/Voit/Huber, ZPO, 13. Aufl., § 917 Rn. 7a f.) keinerlei Erwähnung. Ob die Neuauflage diesen Kardinalfehler bereinigt? Das Vertrauen in den Kommentar bleibt einstweilen erschüttert.

 

III. Würdigung und Fazit

Das „Bundle“ und auch die Einzelwerke bieten insgesamt aus Sicht des Rezensenten nicht einen Mehrwert, der eine Anschaffung lohnen würde. Es muss dabei besonders negativ vermerkt werden, wenn die Kommentierung – in casu: des ZPO-Bandes – zumindest punktuell von einem (längst) veralteten Gesetzestext ausgeht.

Ungeachtet dessen sind die Kommentierungen zwar in ihrer sorgfältigen und (praxis-) problembewussten Durchdringung des Rechtsstoffs zum Teil von hoher Qualität; doch gilt dies nicht durchgängig. Ein (noch) kritischeres Lektorat wäre insofern wohl angebracht, wobei die Konkurrenzwerke – allen voran der Palandt – die Messlatte hoch gelegt haben.

 

RA Dr. Jakob Hoffmann-Grambow, Hamburg