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Kuselit Rezensionen

Eric Hilgendorf / Helmuth Schulze-Fielitz (Hrsg.) - Selbstreflexion der Rechtswissenschaft

Titel: Selbstreflexion der Rechtswissenschaft Cover
Autor: Eric Hilgendorf / Helmuth Schulze-Fielitz (Hrsg.)
Verlag: Mohr
Ort: Tübingen
Jahr: 2015
Seiten: 278
Preis: 64,00
ISBN: 978-3-16-153763-9
Internet:
Rezensent: Diplom-Jurist Klaus Hebrank, Rechtsanwalt, M. A.
Quelle: Kuselit Verlag GmbH


Hilgendorf, Eric/Schulze-Fielitz, Helmuth (Hrsg.)

Selbstreflexion der Rechtswissenschaft

Mohr Siebeck 2015,

278 Seiten, ISBN 978-3-16-153763-9

 

Der Band 10 aus der Reihe Recht - Wissenschaft - Theorie ist ein Tagungsband  der gleichnamigen Tagung an der Universität Würzburg aus dem Jahre 2013. Das Werk besteht aus sechs Abschnitten. Nach dem einleitenden Aufsatz zur Tagung und zum  Tagungsband beschäftigt sich das Werk mit der Schulenbildung in der Rechtswissenschaft. Der zweite Abschnitt fragt danach, ob Intra- und Interdisziplinarität eine Chance oder ein Störfaktor sind. Im dritten Abschnitt wird die Frage nach der Internationalisierung der Rechtswissenschaft gestellt. Daran schließt sich die Frage nach der Reputation in der Rechtswissenschaft an. Der fünfte Abschnitt beschäftigt sich mit den Aspekten der Organisation von Wissenschaft und deren Folgen. Abschließend werden die sozialen Folgen für die Rechtswissenschaft durch die Hochschulpolitik betrachtet.

Im ersten Abschnitt werden unterschiedliche Schulen und deren historische Entwicklung beschrieben, aber auch unterschiedliche Herangehensweisen und Denkstrukturen. Die Betrachtung der historischen Entwicklung der Rechtswissenschaft birgt die Gefahr in alten Strukturen verhaftet zu bleiben. Eine Reflexion sollte neben historischen Aspekten zukunftsorientiert sein und die vergangene Entwicklung kritisch hinterfragen.

Von erheblicher Bedeutung für die Rechtswissenschaft ist die Frage, wie sie zu anderen Wissenschaften steht. Es geht um die Frage der Interdisziplinarität. Welche Wissenschaft beeinflusst welche andere? Bereits die unterschiedlichen rechtswissenschaftlichen Disziplinen haben unterschiedliche Ansätze, gibt es eine übergeordnete Dogmatik? Daneben sollte diskutiert werden, wie das Selbstverständnis der Rechtswissenschaft ausgestaltet ist oder sein sollte.

Fragen einer länderübergreifenden Wissenschaft werden diskutiert, was in einer sich globalisierenden Welt von Bedeutung sein könnte. Fraglich ist, ob verschiedene Rechtssysteme mit differierenden zugrundeliegenden Kulturen und Sprachen zusammenzuführen sein können.

Die grundgesetzlich garantierte Wissenschaftsfreiheit kann sowohl positive als auch negative Auswirkungen für eine Wissenschaft haben. Forschungsrichtungen dürfen nicht vorgegeben werden und müssen aus der jeweiligen Wissenschaft heraus gebildet werden. Die Rolle der Reputation der Wissenschaft sollte nicht überbewertet werden. Die Reputation selber ist schwer feststellbar.

Für jede Forschung ist die Finanzierung wichtig. Die Geisteswissenschaften erhalten im Verhältnis zu Naturwissenschaften, Technik und Medizin weniger Fördermittel. Diese Mittel sind sinnvoll einzusetzen und die Forschung entsprechend (universitätsübergreifend) einzusetzen. Dabei sollte die Wichtigkeit der Forschung herausgestellt werden.

Die Rechtswissenschaft könnte unter der Konkurrenz zu Fachhochschulen leiden, die ebenfalls juristische Studiengänge (allerdings nicht mit der Qualifikation zum ersten juristischen Staatsexamen) anbieten. Bei diesen wird oft eine Verknüpfung mit wirtschaftswissenschaftlichen Inhalten vorgenommen, so dass dort die Interdisziplinarität gefördert wird und nicht an der Universität. Dieses Dilemma sollte als Ansporn und nicht als Hinderungsgrund gesehen werden.

Durch die Einführung der Bachelor-/Master-Studiengänge, die nicht für die klassischen juristischen Berufe qualifizieren, ist eine verschiedenartige Ausbildung entstanden. Diese sollte eine Einheitlichkeit der Rechtswissenschaft nicht beeinträchtigen. Ein Dialog muss stattfinden. Schwieriger ist es neue Lehr- und Prüfungsformen zu implementieren.

Ein Autorenverzeichnis und ein umfangreiches Sachverzeichnis runden das Bild des Werkes ab.

Durch das Werk wird versucht die althergebrachten Strukturen des Rechts zu hinterfragen. Wichtig ist der Beginn der Reflektion, um einen Fortschritt zu erzielen. Eine vollständige Lösung kann dieses Werk nicht leisten, aber die Ansätze etwas zu ändern sind willkommen und sollten weitergeführt werden.

Diplom-Jurist Klaus Hebrank, Rechtsanwalt, M. A.