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Kuselit Rezensionen

- Erfurter Kommentar zum Arbeitsrecht

Titel: Erfurter Kommentar zum Arbeitsrecht Cover
Autor:
Verlag: Verlag C.H. Beck
Ort: München
Jahr: 2014
Seiten: 3000
Preis: 239,00
ISBN: 978-3-406-65757-3
Internet: http://www.beck.de/
Rezensent: Dr. Sascha Kische, LL.M., Rechtsanwalt, Münster
Quelle: Kuselit Verlag GmbH

Erfurter Kommentar zum Arbeitsrecht

Buch + DVD 14. Auflage 2014

Buch mit CD/DVD. DVD mit integriertem Zeitschalter, bis Ende 2014 lauffähig

München 2014

ISBN 978-3-406-65757-3



Der “Erfurter Kommentar" ist zweifelsohne das Standardwerk für die Arbeitsrechtspraxis, an der es kein Vorbeikommen gibt. Richter und Rechtsanwälte, Unternehmens- und Verbandsjuristen können sorgenfrei und vertrauensvoll auf die Kommentierungen zahlreicher RichterInnen am Bundesarbeitsgericht und renommierten Universitäts- und Honorarprofessoren zurückgreifen. Neben den Kommentierungen der einschlägigen grundgesetzlichen Vorgaben und europäischen Vertragswerke (AEUV, Charta der Grundrechte) sowie der allgemeingültigen Bestimmungen im Bürgerlichen Gesetzbuch werden über 40 Spezialvorschriften des Arbeitsrechts behandelt. Eine DVD mit der Möglichkeit des digitalen Abrufs sowohl der Kommentarerläuterungen als auch  der zitierten Gerichtsentscheidungen oder Aufsätze  (was wiederum das Vorhandensein eines individuellen und ggf. mit extra Kosten verbundenen Zugriffs auf das Internetportal beck-online voraussetzt) runden die vollkommene Modernität des Rechtskommentares ab.

Zu den Vorzügen des von den Herausgebern selbst bezeichneten “Erfurters" kann eigentlich nichts Neues hinzugefügt werden. Wem ein arbeitsrechtliches Problem angetragen wird, steht vor der Aufgabe, sich im Dickicht von Gesetzesnormen und ggf. auch untergesetzlichen Vorschriften, einer beinahe unüberschaubaren Kasuistik von Einzelfallrechtsprechung und breitem wissenschaftlichen Schrifttum zurechtzufinden. Der gelungene Einstieg kann zwangsläufig nur noch über die einschlägigen Bestimmungen und einen Kommentar gelingen, der dem Leser “Licht ins Dunkel” bringt, ohne ihn sogleich mit Inhaltsfülle und breit angelegtem Diskussionsstand zu Einzelfragen zu überfordern. Der Erfurter Kommentar zum Arbeitsrecht ist nach wie vor die 1. Wahl bei dieser Herangehensweise.

Um für Arbeitsgerichtsprozesse bestens gerüstet zu sein oder diese auch erfolgversprechend vermeiden zu können, legen die einzelnen Autoren ersichtlich Wert auf die Darstellung der aktuellen Bundesarbeitsgerichtsrechtsprechung und obergerichtliche Entscheidungen. Es werden auch zahlreiche Argumentationshilfen durch Verweise auf Literatur oder auch die eigene Rechtsauffassung gegeben. Insbesondere der Berater sieht sich hierbei in der Lage, einerseits den Ausgang einer gerichtlichen Entscheidung annähernd zu prognostizieren, andererseits aber auch auf eine mögliche Änderung der Rechtsprechung hinzuwirken.

Aus der Sicht des Rezensenten liegt aber der große Nutzen des Kommentars zunehmend darin, dass die Arbeitsrechtspraxis auch für den hauptsächlich in anderen Rechtsgebieten tätigen Berater und Juristen fruchtbar gemacht wird. Arbeitsrechtliche Fallkonstellationen berühren immer mehr rechtsübergreifende Problemstellungen – und selbstverständlich umgekehrt. Beispielhaft sei hier etwa die Möglichkeit einer “Verdachtskündigung" genannt, die neben originären arbeitsrechtlichen jedenfalls auch strafrechtliche Bezüge aufweist. Ein möglicherweise “sittenwidriger Lohn" kann strafrechtliche Konsequenzen haben (§ 291 Abs. 1 Nr. 3 StGB), die Verletzung von Mitbestimmungsrechten des Betriebsrats für Unternehmensverantwortliche mitunter ein Bußgeld zur Folge haben (§ 121 BetrVG). Eine (auch präventive) Rechtsberatung muss diese – nur auszugsweise erwähnten – arbeitsrechtsübergreifenden Auswirkungen im Auge behalten; umgekehrt ist gerade bei unmittelbarer Betroffenheit in anderen Rechtsbereichen oftmals gerade die Vermeidung arbeitsrechtlicher Konsequenzen wie der Verlust des Arbeitsplatzes oder der Erhalt des Betriebsfriedens das wichtigere Anliegen des ratsuchenden Mandanten, das es zu beachten gilt. Den nicht tagtäglich auf dem Gebiet des Arbeitsrechts bewanderten Juristen lässt der “Erfurter Kommentar” hier nicht allein, sondern die Autoren zeichnen den Stand der höchst- und obergerichtlichen Rechtsprechung im Kern nach und regen vereinzelt auch die Diskussion mit persönlichen Ansichten an, wenn Entscheidungen nicht vorliegen (so zur Verdachtskündigung Müller-Glöge, Rn 173 ff. zu § 626 BGB; zum sittenwidrigen Lohnwucher Preis, Rn. 3 ff. zu § 612 BGB; zur Verletzung von Mitbestimmungsrechten des Betriebsrates insgesamt Kania, §§ 87 ff. BetrVG).

Kurzum: Der mittlerweile auf nahezu 3000 Seiten angewachsene “Kurzkommentar" gehört zum Rüstzeug nicht nur jeden Arbeitsrechtlers, sondern eines jeden Juristen, der in seinem Tätigkeitsbereich auch nur am Rande mit arbeitsrechtlichen Fragestellungen zu tun hat. Die Gefahr ist groß, sich im Dschungel der in viele Einzelgesetze verstreuten Vorschriften zu verirren. Es ist das Verdienst von Herausgebern und Autoren, hier für jedermann den Überblick zu bewahren und auf anschauliche Weise das gesuchte Rechtsproblem umfassend darzustellen.


Dr. Sascha Kische, LL.M., Rechtsanwalt, Münster