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Kuselit Rezensionen

Martin Henssler / Lutz Strohn (Hrsg.) - Gesellschaftsrecht

Titel: Gesellschaftsrecht Cover
Autor: Martin Henssler / Lutz Strohn (Hrsg.)
Verlag: Verlag C.H. Beck
Ort: München
Jahr: 2014
Seiten: 2758
Preis: 269,00
ISBN: 978-3-406-64763-5
Internet: http://www.beck.de/
Rezensent: RA Dr. Jakob Hoffmann-Grambow, Hamburg
Quelle: Kuselit Verlag GmbH

Martin Henssler / Lutz Strohn (Hrsg.)

Gesellschaftsrecht

GesellschaftsR,  BGB, HGB, PartGG, GmbHG, AktG, GenG, UmwG, InsO, AnfG, IntGesR

2. Auflage München 2014
ISBN 978-3-406-64763-5  
 
 
I. Einleitung

Nachdem die erste Auflage des Henssler/Strohn aus dem Jahre 2011 auf positive Resonanz gestoßen war, ist nunmehr die 2. Auflage des in der "Palandt-Reihe" der Beck’schen Kurz-Kommentare erschienenen Werkes erhältlich. Während die ohnehin vorhandene Fülle an Kommentaren zu den gesellschaftsrechtlichen Einzelgesetzen weiter steten Zuwachs erfährt, ist der Henssler/ Strohn als "Gesamtkommentar des Gesellschaftsrechts" eine jedenfalls interessante (wenn auch nicht ganz neue - der "Kompaktkommentar Gesellschaftsrecht" von Schwerdtfeger erschien im Jahre 2007) Bereicherung dieses breiten Spektrums. Mit einem ähnlichen Ansatz ist der "Erfurter Kommentar zum Arbeitsrecht" bekanntlich zum "Palandt" des Arbeitsrechts, mithin zum arbeitsrechtlichen Standardwerk avanciert. Auch der Henssler/ Strohn - das sei hier vorweggenommen - hat zweifellos das Zeug dazu. Das zeigt schon das hochkarätige Team von zusammen 43 (!) Autoren aus Wissenschaft und Praxis, das sich um die angesehenen Herausgeber - Hochschullehrer Martin Henssler und BGH-Richter Lutz Strohn - versammelt hat. Doch sehen wir genauer hin.


II. Aufbau und Inhalt

Der Henssler/Strohn umfasst Kommentierungen zu den gesellschaftsrechtlichen Regelungen in neun Einzelgesetzen (AktG, AnfG, BGB, GenG, GmbHG, HGB, InsO, PartGG und UmwG) sowie eine Kommentierung zum Internationalen Gesellschaftsrecht.

Der Kommentar beginnt für manche mit einer Überraschung, sind die §§ 80 ff. BGB - das Recht der rechtsfähigen Stiftung bürgerlichen Rechts - aus Sicht des Gesellschaftsrechts doch eher "Dunkelnormen". Da die Stiftung indes zunehmend als Alternative zu den "klassischen" Gesellschaftsformen zumindest eine Überlegung wert ist, ist die knappe Kommentierung der Vorschriften (20 Seiten) aus der Feder des angesehenen Stiftungsrechtlers Andreas Schlüter zu begrüßen. Indes sind viele Passagen mit dem Stiftungsrecht-Lehrbuch von Schlüter/ Stolte (2. Auflage 2013) - leider - fast wortgleich. Den nur gelegentlich mit dem Stiftungsrecht Befassten muss das nicht stören; ihm bietet die Kommentierung eine gute und verlässliche Einführung in die Materie.

Die übrigen 2738 Seiten des umfangreichen Werks befassen sich mit dem einem Gesellschaftsrechtler besser vertrauten Terrain. Die Kommentierungen liefern - durchweg von hoher Qualität - überzeugende Darstellungen der Rechtsformen des deutschen Gesellschaftsrecht sowie derjenigen Teile der Insolvenzordnung und des Anfechtungsgesetzes, die in der gesellschaftsrechtlichen Praxis von besonderer Bedeutung sind. Darüber hinaus werden die englische Limited sowie die europäischen Rechtsformen SE und SPE von Wolfgang Servatius in dem Abschnitt zum Internationalen Gesellschaftsrecht grundrissartig dargestellt.

Die Kommentierungen finden aus Sicht des Rezensenten das richtige, an den Bedürfnissen der Praxis orientierte Maß zwischen der im Rahmen einer Gesamtkommentierung gebotenen Verknappung auf das Wesentliche einerseits und der aus sich heraus verständlichen und verlässlichen Darstellung auch von Einzelproblemen andererseits. Beispielhaft hierfür steht die etwa drei Seiten umfassende, alle wesentlichen Fragen abdeckende Darstellung des Beschlussmängelrechts der GmbH (Reinhard Hillmann, § 47 Anh. GmbHG). Das Wesentliche über den aktienrechtlichen Squeeze-Out (§§ 327a ff. AktG) hat Hans-Ulrich Wilsing auf acht - sehr lesenswerten - Seiten zusammengestellt.

Hingewiesen sei auch auf die Kommentierung von Hartmut Oetker zum GmbH-Geschäftsführer (§§ 6, 35-40, 43-44 GmbHG). Als angesehener Gesellschafts- und Arbeitsrechtler beleuchtet er die Rechtsstellung des Geschäftsführers unter gesellschafts- und arbeitsrechtlichem Blickwinkel gleichermaßen fundiert. Zentrale Fragen aus dem Grenzbereich von Arbeits- und Gesellschaftsrecht, wie z. B. die Anwendung arbeitsnehmerschützender Vorschriften auf den Geschäftsführer nach der Danosa- Entscheidung des EuGH (NZA 2011, 143; § 35 Rn. 82 f.), werden nicht (wie bisweilen andernorts) auf Fußnoten reduziert, sondern überzeugend und (auch dem Gesellschaftsrechtler) verständlich beantwortet.

Insgesamt lassen sich zahlreiche Probleme der gesellschaftsrechtlichen Praxis bereits mit einem Blick in den Henssler/Strohn lösen. Für tiefer gehende Recherchen werden in den Kommentierungen zumeist ausreichende Nachweise gegeben.


III. Fazit

Wer sich viel mit gesellschaftsrechtlichen Fragestellungen beschäftigt, dem sei der Henssler/Strohn als jederzeit greifbarer "Tischkommentar" zu empfehlen. Wer sich nur am Rande mit dem Gesellschaftsrecht befasst, findet im Henssler/Strohn einen geeigneten Baustein für die gesellschaftsrechtliche Mindestausstattung seiner Bibliothek.

RA Dr. Jakob Hoffmann-Grambow, Hamburg