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Kuselit Rezensionen

Frank K. Peter - Das 1x1 des Opferanwalts

Titel: Das 1x1 des Opferanwalts
Autor: Frank K. Peter
Verlag: Dt. Anwalt Verlag
Ort: Bonn
Jahr: 2012
Seiten: 330
Preis: 39,00
ISBN: 978-3-8240-1190-2
Internet:
Rezensent: RAin Sabrina Kiefl
Quelle: Kuselit Verlag GmbH
 
Frank K. Peter
 
Das 1x1 des Opferanwalts
 
2. Aufl. Bonn 2012
 
ISBN 978-3-8240-1190-2 

 
 
 
Dieses Buch richtet sich an interessierte Anwälte, die einen Einstieg in die Opfervertretung gewinnen möchten. Auffallend ist zugleich, dass der Umfang zur 1. Auflage deutlich zugenommen hat. Dies liegt nicht zuletzt an den vier zusätzlichen Kapiteln und der Einarbeitung des StORMG, sondern auch an den zusätzlichen Informationen in den "alt bekannten" Kapiteln.
 
Eine gute Arbeitsgrundlage bieten die zahlreiche Musterschreiben und Hinweise für die Praxis.
 
Der Autor geht auf alle Facetten der opfertypischen Verfahrensarten ein, wie zum Beispiel die Nebenklage und das Adhäsionsverfahren. Abgerundet wird das Werk durch ein umfangreiches Literaturverzeichnis.
 
Begonnen wird mit einer kurzen Einleitung über die Opferrolle im Verfahren und den Umgang mit den Mandanten, insbesondere mit traumatisierten Opfern. Dies ist gerade im Erstgespräch sehr wichtig, da hier eine Unerfahrenheit Fehler und Schäden anrichten kann, bzw. einige Rechtsanwälte auch an ihre Grenzen stoßen können. Deshalb ist es gut, dass zwar knapp jedoch präzise auf die posttraumatische Belastungsstörung und die akute Stressreaktion eingegangen wird.
 
Im 2. Kapitel wird die Zeugeneigenschaft des Betroffenen besprochen.
 
Neben der Zeugenpflicht geht der Autor auch auf die Zeugenrechte ein.
 
Hingewiesen wird auch auf den neuen § 247 a II StPO, welcher am 1.11.2013 in Kraft treten wird.
 
In diesem Kapitel wird zudem auf den Schutz des Zeugen ein großes Augenmerk gelegt. Hier ist insbesondere auf die Ausführungen zum § 58 a I 2 StPO hinzuweisen, welcher durch das StORMG neu gefasst wurde. Gerade in der Praxis ist dies von erheblicher Bedeutung, wenn es um die Vertretung von Minderjährigen geht.
 
Die Verletztenrechte werden im 3. Kapitel aufgegriffen. Zwar wird dieses Kapitel kurz gehalten, beinhaltet trotzdem alle wissenswerten und für die Praxis gängigen Punkten. In der 2. Auflage neu hinzu kam der Täter-Opfer-Ausgleich, welchem das 4. Kapitel gewidmet wird. Zunächst gibt es allgemeine Hinweise zum TOA, um dann die Voraussetzungen zu erläutern. Es ist zwar begrüßenswert, dass dieses Kapitel eingefügt wurde, jedoch dient es lediglich dem ersten Überblick. Ein tiefgreifende Bearbeitung dieses Themas wird nicht vorgenommen.
 
Enorme Wichtigkeit für den Opferanwalt hat das folgende Kapitel (5.).
 
Hier werden nämlich die Einflussmöglichkeiten im Ermittlungsverfahren aufgezeigt. Dies beginnt mit der Erstattung der Strafanzeige und endet mit dem Hinweis, dass das Opfer frühzeitig therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen sollte. Hierbei ist auf den Abschnitt des Glaubwürdigkeitsgutachtens hinzuweisen, welcher zum besseren Verständnis dieser Gutachten führt. Der Aufbau und der Inhalt dieses Gutachtens werden besprochen. Da in der Praxis diesen Gutachten oft große Bedeutung zu kommt, ist die Aufarbeitung in diesem Kapitel für die betroffenen Anwälte sehr gelungen.
 
Recht ausführlich geht der Autor in seinem 6. Kapitel auf das Klageerzwingungsverfahren ein und im 7. Kapitel auf das Privatklageverfahren.
 
In der Praxis das größte Aufgabenfeld wird im ausführlichen 8. Kapitel besprochen, die Nebenklage.
 
Sehr gut sind die, im Vergleich zur Vorauflage, neu eingefügten Muster, welche die minderjährigen Opfer betreffen. In diesem Kapitel befinden sich zahlreiche Muster, welche im Alltagsgeschäft sehr nützlich sind. Mit deren Hilfe kann selbst ein auf diesem Gebiet unerfahrener Rechtsanwalt eine Nebenklagevertretung bearbeiten.
 
Wichtig ist zudem der Hinweis, dass durch das StORMG der § 397 a III 3 StPO gestrichen wurden und somit die Entscheidung über den Antrag auf Bewilligung von PKH mit der Beschwerde anfechtbar geworden ist.
 
Auf dieses Kapitel folgen die Ausführungen über das Adhäsionsverfahren. Neben den allgemeinen Voraussetzungen und Vorgehensweisen widmet sich der Autor der Rechtslage nach dem Inkrafttreten des StORMG.
 
Die Verjährungsfristen mit Hemmungstatbeständen werden ausführlich besprochen und der Praxistipp beinhaltet noch zusätzliche Informationen für die Arbeit als Anwalt. Über das OEG- Verfahren wird im 10. Kapitel ein kurzer und knapper Einblick gewährt. Hier finden sich jedoch Informationen über den Klageweg. Jedoch dient dieses Kapitel lediglich einer allgemeinen Information.
 
Begrüßenswert ist das 11. Kapitel in dem das Gewaltschutzverfahren behandelt wird. Zunächst wird ein Überblick über die Möglichkeiten des Gewaltschutzverfahrens gegeben. Durch das bereitstellen der Musterschriftsätze über Anträge nach dem GewSchG ist es auch einem familienrechtlichen fremden Anwalt möglich das Verfahren vor dem Familiengericht in Gang zu setzen und zu betreuen.
 
Der Gang des Verfahrens wird ausführlich besprochen. Das letzte Kapitel befasst sich mit der Vergütung des Opferanwaltes. Viele Beispiele geben Hinweise auf die korrekte Abrechnung, so dass keinen Gebühren verloren gehen. Als Fazit bleibt festzuhalten, dass in der 2. Auflage die fehlenden Aspekte der 1. Auflage aufgrgriffen wurden und somit aus einem kleinen Nachschlagewerk eine gelungene Arbeitshilfe für den Anwalt im Opferrecht geworden ist. Durch zahlreiche Fundstellen kann in ein gewünschtes Kapitel noch vertiefter eingestiegen werden. Die vielen zahlreichen Praxistipps, Checklisten und Muster vereinfachen den Kanzleiablauf enorm.
 
Dieses Buch eignet sich somit nicht nur für die Anwälte, die einen ersten Einblick in die Materie des Opferanwaltes wünschen, sondern auch für die, die bereits vertieft in dem Bereich tätig sind.
 
Sabrina Kiefl
Rechtsanwältin und Präventionsmanagerin Stalking und Intimpartnergewalt,  Frankfurt am Main