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Kuselit Rezensionen

Hans C. Grigoleit (Hrsg.) - Aktiengesetz

Titel: Aktiengesetz
Autor: Hans C. Grigoleit (Hrsg.)
Verlag: Verlag C.H. Beck
Ort: München
Jahr: 2013
Seiten: 2325
Preis: 189,00
ISBN: 978-3-406-62074-4
Internet: http://www.beck.de/
Rezensent: Dr. Jakob Hoffmann, Hamburg
Quelle: Kuselit Verlag GmbH
 
Hans C. Grigoleit (Hrsg.)
 
Aktiengesetz
 
Kommentar
 
München 2013
 
ISBN 978-3-406-62074-4 
 
 
 
 
I. Einleitung
 
Man möchte meinen, der Markt der Aktiengesetz-Kommentare sei angesichts zahlreicher Neuerscheinungen der vergangenen Jahren - exemplarisch seien neben größeren Werken wie dem Schmidt/Lutter, dem Spindler/Stilz und dem Hölters auch die kleineren, kompakteren Werke von Bürgers/Körber und Wachter genannt - längst gesättigt, da erblickt ein neuer aktienrechtlicher Kommentar aus dem Verlag C.H. Beck das Licht der Welt. Der 2325 Druckseiten starke Band reiht sich ein in die "Kompaktklasse" und tritt hier in unmittelbare Konkurrenz zu dem im selben Verlag zuletzt in 10. Auflage erschienenen Standardwerk von Hüffer (2066 Druckseiten) - das allerdings stolze 50 Euro günstiger ist als die Neuerscheinung! Der neue Band erscheint in der renommierten Reihe der Gelben Erläuterungsbücher. Auch hierin liegt übrigens eine Parallele zum "Hüffer", der anfangs (bis einschließlich der 3. Auflage) ebenfalls in dieser Reihe erschienen war. Herausgegeben wird der neue Band von dem Münchener Hochschullehrer Hans Christoph Grigoleit; das Autorenteam besteht aus insgesamt zwölf Wissenschaftlern und Praktikern.
 
 
II. Aufbau
 
Kommentiert sind sämtliche Vorschriften des Aktiengesetzes. Vorschriften außerhalb des Aktiengesetzes werden, soweit erforderlich, nur unter Wiedergabe des Gesetzestextes in diejenigen Kommentierungen eingebettet, in denen sie inhaltlich behandelt werden (so etwa die §§ 393-395, 398 f. FamFG im Rahmen des § 262 AktG). Auf die in anderen Kommentaren üblichen Exkurse in Form von Anhängen oder Vorbemerkungen wird - von einem 15-seitigen allgemeinen Einleitungsteil vor § 1 aus der Feder des Herausgebers abgesehen - verzichtet. Darüber hinaus ist der Deutsche Corporate Governance Kodex (in seiner - mittlerweile veralteten - Fassung vom 15. Mai 2012) abgedruckt (S. 2241-2251).
 
Die Kommentierungen der einzelnen Vorschriften, denen ein Inhaltsverzeichnis vorangestellt ist, sind durch eingerückte Absätze und Fettdruck übersichtlich gestaltet. Der Lesbarkeit dient auch, dass die Nachweise nicht in den Fließtext gesetzt, sondern in Fußnoten dargestellt sind. Dies stellt aus Sicht des Rezensenten einen Vorzug etwa gegenüber dem "Hüffer" dar, wo umfangreiche in den Fließtext eingebettete Rechtsprechungs- und Literaturnachweise das Lesevergnügen bisweilen doch beeinträchtigen.
Wohl aus Platzgründen wurde auf die in anderen Kommentaren durchaus gängigen Literaturverzeichnisse am Anfang der Kommentierungen verzichtet.
 
 
III. Inhalt
 
Die Arbeit mit dem neuen Kommentar gestaltet sich angenehm. Das im Vorwort ausgegebene Ziel, "die relevante Rechtsprechung und Literatur präzise und möglichst vollständig darzustellen", wird im Lichte der zugleich angestrebten Kompaktheit der Kommentierungen dahin konkretisiert, dass "beim Nachweis des ausufernden Materials eine beherzte Auswahl getroffen werden" müsse, die zudem "wohlerwogen und konsequent an wissenschaftlichen Maßstäben" zu orientieren sei. Dies ist freilich oftmals ein Balanceakt, der den Autoren, wie die folgenden Beispiele zeigen, weithin überzeugend gelingt. Durchweg positiv fallen in dieser Hinsicht etwa die Ausführungen von Herrler (§§ 118-149 AktG) auf, der es durch den geschickten Einsatz von Klammerzusätzen im Fließtext und im Fußnotenapparat versteht, eigene Argumente und Gegenpositionen in wenigen (Schlag-) Worten zusammenzufassen und die Informationsdichte des Textes so zu maximieren - ohne dass die Verständlichkeit auf der Strecke bliebe.
 
Mustergültig vollführt den Balanceakt zwischen Kompaktheit und Vollständigkeit auch Servatius, wenn er beispielsweise im Rahmen des § 293a AktG den Meinungsstand zur analogen Anwendung auf die GmbH klar und verständlich zusammenfasst (§ 293a Rn. 16), kommentiert (Rn. 17) und die praktischen Konsequenzen der analogen Anwendung in verdichteter Form aufzeigt (Rn. 18-23). Ob man mit Servatius in den §§ 291 ff. AktG ein "geschlossenes und wohl abgewogenes Konzept" erblickt, dem auch im GmbH-Recht Geltung zu verschaffen sei (so Servatius, § 291 Rn. 11), oder nicht - für den Praktiker ist etwa die Annahme einer Berichtspflicht im Sinne von § 293a AktG bei Unternehmensverträgen zwischen GmbHs oft der sicherere Weg.
 
Gleichermaßen Aktualität und Praxistauglichkeit des Kommentars stellen beispielsweise auch die Ausführungen Erik Ehmanns zu den "missbräuchlichen Anfechtungsklagen" unter Beweis (§ 245 Rn. 26 ff.). Ehmann bereitet das Thema gleichermaßen instruktiv, übersichtlich, kompakt und zugleich umfassend auf. Positiv hervorzuheben ist schließlich auch, dass die Kommentierungen, die sich "im Wesentlichen auf dem Stand von April 2012" befinden, die nach wie vor im Gesetzgebungsverfahren befindliche Aktienrechtsnovelle 2012 gleichwohl bereits berücksichtigen.
 
 
IV. Fazit
 
Das vorliegende Werk erweist sich - insbesondere für den "ersten Zugriff" - als verlässlicher Begleiter auf allen Wegen durch die Untiefen des Aktienrechts. Jedem auch nur gelegentlich mit aktienrechtlichen Fragen Befassten ist der Band daher vorbehaltlos zur Anschaffung zu empfehlen. Doch wird der Praktiker innerhalb der "Kompaktklasse" der aktienrechtlichen Kommentare eine Auswahl treffen wollen. Und hier konkurriert der von Grigoleit herausgegebene Kommentar mit zahlreichen anderen, qualitativ ebenfalls überzeugenden Werken. Von dem berühmten "Hüffer" ganz zu schweigen.
 
 
RA Dr. Jakob Hoffmann, Hamburg