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Kuselit Rezensionen

Urs Kramer, Thomas Kuhn, Holm Putzke (Hrsg.) - Fehler im Jurastudium. Ausbildung und Prüfung

Titel: Fehler im Jurastudium. Ausbildung und Prüfung
Autor: Urs Kramer, Thomas Kuhn, Holm Putzke (Hrsg.)
Verlag: Richard Boorberg Verlag
Ort: Stuttgart
Jahr: 2012
Seiten: 326
Preis:
ISBN: 978-3-415-04903-1
Internet: http://www.boorberg.de/
Rezensent: RA Klaus Hebrank, M.A.
Quelle: Kuselit Verlag GmbH


Urs Kramer, Thomas Kuhn, Holm Putzke (Hrsg.)

Fehler im Jurastudium. Ausbildung und Prüfung

Tagung vom 13. bis 14. 09.2011 an der Universität Passau

Stuttgart 2012

ISBN 978-3-415-04903-1 

 
Der Titel hört sich nach bereits vielen Büchern an, die es für das rechtswissenschaftliche Studium gibt. Diese benennen typische Fehler im juristischen Studium, aber nur selten die möglichen richtigen Verhaltensweisen. Bei diesem Buch ist es anders. Es handelt sich um den Tagungsband der ersten rechtsdidaktischen Tagung zum Thema "Fehler im Jurastudium - Ausbildung und Prüfung", die vom 13. bis 14. September 2011 an der Universität Passau stattfand.

Das Werk beginnt mit den Begrüßungen und Grußworten. Im Anschluss finden sich vier nicht näher bezeichnetet Themenblöcke mit Referaten und anschließenden Diskussionsrunden. Das Thema der juristischen Fachdidaktik ist nicht neu, aber in jüngerer Zeit an verschiedenen Universitäten mit unterschiedlicher Intensität diskutiert worden. M. E. nach sind viele Ansatzpunkte aus einer jahrelangen Tradition heraus erfolgt, ohne dass der Kern des Problems der juristischen Fachdidaktik erfasst wird. Häufig sind die Referenten "lediglich" Juristen. Für eine Fachdidaktik, also die Kunst einem anderen alles über das Fach zu lehren, ist mehr als nur Lehrerfahrung und didaktische Kurse erforderlich. Eine entsprechende Qualifizierung in einem nicht juristischen Kontext ist erforderlich, da sonst wieder nur das Traditionelle überwiegt. Es darf nicht verkannt werden, dass ein Ansatzpunkt sein könnte, zu fragen, was überhaupt der Inhalt und die Tiefe sowie die Methoden des juristischen Studiums sein sollten und welche Anforderungen die Praxis stellt. So wird derzeit sehr intensiv die "juristische Methode" gelehrt und streng korrigiert. Für die Durchführung dieser Methode in Praxis fehlt meistens die Zeit. Es wird verlangt, viele Dinge auswendig zu lernen, die später nicht benötigt werden oder einfach nachgeschlagen werden können (z. B. Definitionen und Meinungsstreitigkeiten). Sicherlich ist diese Art der Lehre und des Prüfens für die Lehrenden und Prüfer einfach, es gibt eine Methode, die streng eingehalten werden muss und Definitionen sowie Meinungsstreitigkeiten, die es meistens schon lange gibt oder die einfach reproduzierbar sind. Eine einheitliche Sozialisation der Studenten erfolgt und der Einheitsjurist ist geschaffen. Aber es ist mehr als zweifelhaft, ob diese Sozialisation zu einer beruflichen Qualifikation führt. Daher wäre zu überlegen, ob nicht auf viele hergebrachten Traditionen und Methoden verzichtet werden könnte zu Gunsten des freieren Denkens, der Verknüpfung von rechtlichen und außerrechtlichen Aspekten, den wirtschaftlichen und soziologischen und ggf. auch internationalen Zusammenhängen.

Der Tagungsband enthält viele verschiedene Referate zu unterschiedlichsten Themenbereichen. Es werden Fragen der falschen Bearbeitung von Aufgaben analysiert, die sprachliche Gestaltung der Prüfungsarbeiten wird thematisiert. Bemerkenswert ist, dass nicht nur die Fehler von Studenten beschrieben werden, sondern auch solche der Prüfer und des Systems der juristischen Ausbildung insgesamt. Ein Referat beschäftigt sich mit der Frage der Korrektur von Klausuren, insbesondere, wie sie nicht korrigiert werden sollten. Von Steffahn kritisiert, dass zuviel auswendig gelernt werden muss und es kaum auf die Erarbeitung und das Erkennen von Problemen Wert gelegt wird. Er sieht dieses Problem sowohl in der Lehre als auch den Prüfungen (die genau dieses Wissen abfragen) verortet. Noch weiter gedacht, wird bei einem reinen Auswendiglernen kaum eine Person mehr in der Lage sein problemorientiert zu denken.

Der soziologische Blick auf das Staatsexamen wird in einem Referat ausführlich erörtert. Hierbei nimmt Rudek auch Bezug auf die Funktion des Studiums als Sozialisierung und spricht von einem heimlichen Lehrplan. Sie sieht in der juristischen Ausbildung eine Ablösung des Macht- und Herrschaftsdenkens. Tatsächlich sind viele Juristen in Bereichen der Machtausübung und des Herrschens über andere Personen tätig.

Zwei der Referate beschäftigen sich mit besonderen Veranstaltungsformen des juristischen Studium: der großen Vorlesung und dem großen Examens- und Klausurenkurs der Universität zu Köln. Diese werden zum Teil sehr kritische betrachtet, aber auch teilweise als sehr sinnvoll charakterisiert.

Einer der für mich wichtigsten Beiträge ist der von Bayreuther, der die Frage stellt "Was soll im juristischen Studium unterrichtet werden?". Dieses ist die alles entscheidende Grundfrage, bevor über die Frage der Art des Unterrichtens diskutiert werden kann. Daher ist in einem sehr ausführlichen Referat von Beurkens zur Frage des e-learnings im juristischen Bereich zwar sehr vieles Interessantes zu lesen, dieses könnte sich durch andere Inhalte des Studiums und der Prüfung aber ändern. Im Rahmen der schnellen technischen Entwicklung ist sicher auch ein solches nicht unberücksichtigt zu lassen. Es ist aber zunächst erforderlich, dass die Lehrinhalte und Prüfungsinhalte klargestellt werden, bevor über das Wie des Unterrichtens gesprochen werden kann.

Abschließend sind Referate im Rechtsvergleichenden Bereich mit Österreich und Russland vorhanden.

Ein Sachverzeichnis ist leider nicht vorhanden. Über dieses wäre es einfacher möglich gewesen bestimmte Themen besser zu finden. Leider fehlt auch ein Verzeichnis mit Angaben zu den Referenten der Referate. Durch die Angaben ist die Einschätzung der Aussagen der Autoren erschwert möglich. Insgesamt zeigt dieser Tagungsband sehr kritisch viele der Probleme der juristischen Ausbildung auf und regt durch Ansätze der Lösungen der Probleme zum weiteren Nachdenken über die Inhalte und Methoden des juristischen Studiums an. Ein Werk, das alle im Bereich der juristischen Fachdidaktik tätigen Personen gelesen haben sollten.


Klaus Hebrank, Rechtsanwalt, M. A.