Titel
Dialog schliessen

Bitte warten
Daten werden geladen...

Kuselit Rezensionen

Martin Stopper \\ Tim Bagger \\ Gregor Lentze (Hrsg.) - Fußball-Recht

Titel: Fußball-Recht Cover
Autor: Martin Stopper \\ Tim Bagger \\ Gregor Lentze (Hrsg.)
Verlag: Erich Schmidt Verlag
Ort: Berlin
Jahr: 2011
Seiten: 1032
Preis: 136,00
ISBN: 978-3-503-13634-6
Internet:
Rezensent: Dr. Mark Lerach
Quelle: Kuselit Verlag GmbH

 

Stopper, Martin Bagger, Tim Lentze, Gregor (Hrsg.)

Handbuch Fußball-Recht

Rechte : Vermarktung : Organisation

Berlin 2011. ISBN 978-3-503-13634-6

Der Titel des zu besprechenden Werkes mag beim juristischen Publikum auf den ersten Blick Zweifel wecken. Kann es tatsächlich angemessen sein, eine einzelne Sportart als eigenes „Rechtsgebiet“ zu deklarieren um ihr ein umfangreiches Handbuch zu widmen? Solche Bedenken zerstreuen sich indes spätestens nach der Lektüre dieses Handbuches – oder auch nur einzelner seiner Kapitel. Schon seit geraumer Zeit geht es bei des Deutschen liebster Ballsportart nicht mehr nur darum, dass „das Runde in das Eckige“ muss. „König Fußball“ hat sich längst zu einem veritablen Wirtschaftsgut entwickelt. Davon legt aktuell etwa der Vermarktungspoker um die Übertragungsrechte der Fußball-Bundesliga ein beredtes Zeugnis ab. Die spezifischen Gegebenheiten des professionellen Fußballsports und seiner ökonomischen Einbettung verlangen nach passgenauen rechtlichen Analysen und Lösungen. Hier gewonnene Erkenntnisse lassen sich freilich mühelos auf andere Sportarten übertragen. Dem Fußball kommt insofern eine herausgehobene, ja exemplarische Stellung zu.

Das Handbuch Fußball-Recht versteht sich als wirtschaftsrechtliches Fachbuch. Es gliedert sich in drei große Teile: die „Rechte“, die „Verwaltung“, also die Strukturen der Vermarktung dieser Rechte, und schließlich die dafür maßgeblichen Bereiche der „Organisation“. Diese Aufteilung hebt sich angenehm von hergebrachten Darstellungsstrukturen ab und folgt einem assoziativen Ansatz, der die berufliche Praxis der Autoren durchschimmern lässt. Thematisch existieren hier durchaus sich überschneidende Bereiche. So wird es ermöglicht, rechtliche Problemkomplexe aus unterschiedlichen Perspektiven auszuleuchten. Zentrale Bedeutung für das theoretische Fundament des Buches kommt dem Verständnis des Profi-Fußballs als originäre Wertschöpfung der (Mit)veranstalter zu. Die Verfasser lassen denn auch keinen Zweifel daran, dass ihrer Auffassung nach die Leistungsergebnisse zuallererst den Verbänden auf internationaler, kontinentaler und nationaler Ebene rechtlich zuzuordnen sind. Die Existenz eines „Veranstalterrechts“ wird damit gleichsam vorausgesetzt.

Der erste Teil widmet sich nach der Einführung in die Fußball-Rechte zunächst deren einzelnen Ausprägungen als Marketing-, Medien- und Hospitality-Rechte. Besonders gelungen erscheinen die daran anschließenden Kapitel zu den Gewerblichen Schutzrechten und dem Phänomen des Ambush Marketing. Dem Markenrecht kommt für die Schaffung und Absicherung von Monopolrechten im Rahmen des Schutzes von Lizenz- und Merchandisingprogrammen eine Schlüsselstellung zu. Der Schutz von Veranstaltungsbezeichnungen als Marke, als Unternehmenskennzeichen oder als Werktitel sowie die umstrittene Frage des Schutzes von Defensivkennzeichen zählt zu den für die Vermarktung von Fußballveranstaltungen und Fußballvereinen besonders typischen Rechtsfragen. Die lauterkeitsrechtlichen Schutzmöglichkeiten gegen Praktiken des Ambush Marketing werden umfassend analysiert, auch mit rechtsvergleichendem Blick auf das US-amerikanische Recht. Die in der juristischen Literatur lebhaft rezipierte BGH-Entscheidung zu „Hartplatzhelden“ wird im Kapitel „Medienrechte“ eingehend erörtert. Dabei hätte indes die aktuell vehement aufflammende Diskussion um die Schaffung eines eigenen Leistungsschutzrechts für Veranstalter noch pointierter dargestellt werden können, als dies im Rahmen eines Exkurses im Kapitel 11 erfolgt. Dem Kartellrecht, als wesentlichem strukturellen Regulativ der im Profisport durch das Ein-Platz-Prinzip in zahlreichen Ausformungen herrschenden monopolistischen Marktstruktur, ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Das abschließende Kapitel des ersten Teils behandelt schließlich die spezifischen arbeitsrechtlichen Probleme im internationalisierten Profifußball.

Im zweiten Teil des Buches werden Einblicke in die internen Strukturen der Verbände, Clubs und Agenturen gewährt, welche eine umfassende Vermarktung des Produkts Fußball erst ermöglichen. Neben dem Weltverband FIFA sind der Nationalverband DFB, der Ligaverband und die DFL sowie die Clubs Gegenstand der Darstellung. Einer Einführung in den jeweiligen Organisationsaufbau und die ausführenden Organe folgt die Innensicht auf die einzelnen Vermarktungsbereiche/-strukturen und ihre Rechtsgrundlagen. Die Spielervermittlung bildet dabei einen Sonderkomplex. Im Kapitel über die Vermarktungsagenturen werden in anschaulicher Weise Vermarktungsmodelle in der Praxis sowie typische Vertragsgestaltungen und deren Inhalte vorgestellt.

Den dritten Teil leiten Kapiteln über die praktische Organisation von Großveranstaltungen, das Lizenzierungsverfahren des Ligaverbandes und die Rechtsformwahl von Clubs ein. Man vermisst in diesem Rahmen die eingehendere Darstellung steuerrechtlicher Aspekte, die nur am Rande gestreift werden. Die Frage, inwiefern der Erlass von Sondergesetzen anlässlich von Großveranstaltungen bereits bei der Vergabe eine Rolle spielt, wäre neben dem angesprochenen deutschen Olympiaschutzgesetz von weitergehendem Interesse gewesen. Daran schließt sich ein Kapitel zur Vermarktung der Fußballtickets an, deren Erlöse einen gewichtigen Anteil an den Einnahmen der Clubs ausmachen. Die abschließenden Kapitel sind den Komplexen Anti-Doping sowie der nationalen und internationalen Sport-Schiedsgerichtsbarkeit gewidmet.

Als Autoren konnten durchweg Praktiker aus spezialisierten Kanzleien sowie Verbänden, Vereinen und deren Rechtsabteilungen gewonnen werden. Die intime Kenntnis der behandelten Rechtsgebiete und die vielfältigen praktischen Erfahrungen sind den in diesem Handbuch vereinten Beiträgen anzumerken und verleihen ihnen eine besondere Lebendigkeit. Eine Nähe zum institutionalisierten Verbandssport lässt sich indes auch in der inhaltlichen Ausrichtung nicht verhehlen. Das Bestreben, einen möglichst umfassenden Schutz zu erreichen und weitgehende Vermarktungsmöglichkeiten zu sichern, prägt die Darstellung. Eher kritisch gelagerte Analysen können hier nicht erwartet werden. Dem praktischen, wie wissenschaftlichen Wert des Werkes tut dies freilich keinen Abbruch.

Die verständliche Aufbereitung auf hohem sprachlichem Niveau macht das Handbuch auch für interessierte Nichtjuristen zugänglich, ohne dass hierdurch inhaltliche Tiefe und Präzision verlorengingen. Praktische Fallbeispiele, graphische und tabellarische Darstellungen sowie die Verwendung von Randnummern runden die leserfreundliche Gliederung des Textes ab. Entscheidungsregister und Literaturverzeichnis dienen der wissenschaftlichen Vertiefung. Zur Nutzung als Nachschlagewerk hätte man sich – angesichts des beträchtlichen Umfangs – ein noch ausführlicheres Stichwortregister gewünscht.

In der dynamischen Materie des Sportrechts dürfte sich das „Handbuch Fußball-Recht“ rasch zum Standardwerk entwickeln, das praxisnahe Einblicke in die rechtlichen und wirtschaftlichen Strukturen der Branche Profi-Fußball in einer bislang wohl einzigartigen Prägnanz bietet.  

Richter Dr. Mark Lerach, Landgericht Köln, März 2012