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Kuselit Rezensionen

Klaus Himmelreich / Wolfgang Halm / Ulrich Staab (Hrsg.) - Handbuch der Kfz-Schadensregulierung

Titel: Handbuch der Kfz-Schadensregulierung Cover
Autor: Klaus Himmelreich / Wolfgang Halm / Ulrich Staab (Hrsg.)
Verlag: Luchterhand
Ort: Neuwied
Jahr: 2011
Seiten: 1745
Preis: 139,00
ISBN: 978-3-472-07949-1
Internet:
Rezensent: RAin Canan Basol Demir, Frankfurt a.M.
Quelle: Kuselit Verlag GmbH

 

Herausgeber:

Himmelreich, Klaus / Halm, Wolfgang / Staab, Ulrich
(Rechtsanwälte)
 
Titel:

Handbuch der KFZ-Schadensregulierung

Verlag Luchterhand 2012, 2.Auflage
ISBN: 978-3-472-07949-1
www.wolterskluwer.de

Das Werk umfasst insgesamt 1744 Seiten und wurde in der Neuauflage sowohl inhaltlich als auch strukturell überarbeitet. Die Anschaffungskosten betragen 139,00€.

1.    Struktur des Werks
Das Inhaltsverzeichnis ist gut strukturiert und wird durch die jeweilige Inhaltsübersicht zu Beginn jedes einzelnen Kapitels ergänzt, was ein Suchen und Auffinden erheblich erleichtert. Darüber hinaus gibt es ein begriffsumfängliches Stichwortverzeichnis.

Das Werk wird insgesamt in acht Teile und zusammen 25 Kapitel untergliedert.

Teil 1 beginnt mit "Grundsätzliches"
Teil 2 fährt thematisch fort mit "Haftung".
Teil 3 bearbeitet die "Sachschäden" und
Teil 4 die "Personenschäden".
Teil 5 greift thematisch "Öl- und Umweltschäden" auf.
Teil 6 beschreibt den "Versicherungsfall" und wird in
Teil 7 um den " Versicherungsbetrug" ausgeweitet.
Teil 8 behandelt letztlich noch "Auslandsschäden".

Die werksbearbeiteten Schwerpunkte liegen in den Bereichen Haftung, Sach- und Personenschäden. Aber auch die Besonderheiten der Kaskoversicherung werden über 144 Seiten hinweg ausführlich dargestellt.

Die zweite Werksauflage wurde mitunter um die praxisrelevanten KFZ-Masseunfälle, dem Schadensmanagement der Versicherer und auf posttraumatische Belastungsstörungen im Rahmen des Personenschadens ergänzt.

2.    Inhaltliche Bewertung
Inhaltlich arbeitet das Werk insgesamt mit einer umfassenden Darstellung allgemeiner Themen aus dem KFZ-Schadensrecht, aber auch zahllosen Einzelbeispielsfällen, die nahezu alle erdenkliche Alternativen eines KFZ-Schadensfalles umfassen. Dieser Umstand mag auf den ersten Anschein eher erschlagend als nützlich erscheinen, ist für den mit Verkehrsrecht befassten Praktiker jedoch sehr nützlich und unverzichtbar, zumal nicht etwa nur der stereotypische Lehrfall, sondern auch viele untypische Sachverhalte Eingang in die Besprechung finden, die in der anwaltlichen Praxis häufiger als gedacht vorkommen. Daher dient das Werk sowohl dem Praktiker als nützliches Nachschlagewerk, aber auch dem Einsteiger zur Einarbeitung in eine breit gefächerte Rechtsmaterie.

Der nahezu an den Anfang des Werks verortete Themenbereich der Haftung mit immerhin 376 Seitenumfang führt die verschiedenen Haftungstatbestände bzw. Rechtsgrundlagen der Haftung umfassend auf (Gesetz, Vertrag, Delikt) und fährt fort mit Haftungsthemen wie mitunter dem Forderungserwerb von Ansprüchen, dem Quotenvorrecht bis hin zur Notstandshaftung. Dabei werden stetig die relevanten Urteile, aber auch Fundorte von Aufsätzen mitangeführt.

Der Bereich der Sach- und Personenschäden als einer der Hauptschwerpunkte mit insgesamt 617 Seiten Besprechungsumfang, deckt inhaltlich Rechtsfragen zu den verschiedenen Schadensarten (Reparatur,- Total,- Ausfallschaden etc.), zu den verschiedenen erstattungsfähigen Schäden (Gutachter-, Finanzierungs-, Rechtsanwalts-, und sonstige Kosten) bis hin zu den unterschiedlichen Schmerzensgeldansprüchen ab und dient auch hier mit einer Fülle von Rechtsprechungsfundorten. Die materiell-rechtliche Auseinandersetzung lässt keine Kritik zu.

Ferner ist es nur als Vorteil zu werten, dass das Werk auch inhaltliche Ausflüge in Rechtsbereiche außerhalb der eigentlichen Schadensregulierung bei KFZ-Unfällen unternimmt. Damit wird dem Leser themenbezogen ein Gesamteinblick auch über die ohnehin schon uferlose Rechtsmaterie des Verkehrs- und des Schadensrechts hinweg vermittelt. Es werden Randbereiche mehr oder weniger ausführlich besprochen –zumindest jedoch angesprochen-, die in der Juristenausbildung weniger Berücksichtigung fanden, aber enorme Relevanz in der Praxis erfahren, wie z.B. die KFZ-Auslandsschadensregulation mitsamt einer ausführlichen Darstellung des Grüne-Karte-Systems oder um nur beispielsweise weiter anzuführen, die Problematik des Gerichtsstands bei Auslandsunfällen, das Versicherungsrecht mit abgedruckter AKB 2008,Stand 2010 (Allgemeine Versicherungsbedingungen für die KFZ-Versicherung), aber auch das Schienen- und Schwebegesetz. Ferner sind im Anhang werksabschließend die KH-Richtlinien abgelichtet, die im Rahmen von KFZ-Auslandsschäden relevant werden. Neben der gut gelungenen Darstellung der Rechtsprechungsansichten mitsamt zitierter Rechtsprechung werden darüber hinaus auch nützliche Hinweise an den Praktiker erteilt, wie z.B. die Ermittlung von Auslandsanwälten bei Auslandsschäden oder die Berechnung der Haftungsquoten anhand von konkreten Beispielen. Durch die nicht ausschweifende, sondern eher kurz gefasste Einlassung in diese weiteren Themenbereiche wird dem Leser ein Anreiz zur weiteren und intensiveren Auseinandersetzung gegeben, ohne das Werk über Maß hinaus auszudehnen und ohne an der Hauptthematik des Handbuchs vorbeizuschreiben.

Weiterhin ist positiv anzumerken, dass das Werk die jeweiligen Kapitel mit Begriffserläuterungen oder ähnlichem einleitet und den Leser zunächst an die Hand nimmt und ihn allmählich in die Thematik einführt. Hierdurch ist das Werk auch und besonders gut für Einsteiger in die Rechtsmaterie geeignet, ohne jedoch ausschließlich Lehrbuchcharakter zu vermittelten. Für den Verkehrsrechtpraktiker wird die ausreichend vorhandene Darbietung von Rechtsprechung relevanter sein, zumal sich das Werk als Handbuch an den Praktiker wendet. Aber auch für diesen mag die Darstellungsform durch Begriffserklärungen eine hilfreiche sein, um Vergessenes schnell wieder in Erinnerung zu holen. Außerdem ist positiv hervorzuheben, dass das Werk versiert die Beweislastverteilung anführt.

Die konkrete Fallbearbeitung ist inhaltlich sehr qualitativ aufbereitet und eignet sich hierdurch nicht nur für den Rechtsanwalt als verlässliche Arbeitsgrundlage. Dieses dürfte der weiteren erwähnenswerten positiven Eigenschaft des Werks geschuldet sein, nämlich dass die Autoren sowohl aus der Anwaltschaft, der Richterschaft, der Lehre, dem Versicherungswesen und dem Verbraucherschutz hervorgehen. Ferner ist die Verständlichkeit des Handbuchs stark hervorzuheben. Das Werk ist aufgrund der kurzen und präzisen Sätze leicht verständlich zu lesen.

Als Defizit eines als Handbuch deklarierten Werks ist leider anzuführen, dass zwar ausreichende und gut erläuterte Beispiele, jedoch keine Mustertexte oder CD-Rom mit Mustertexten für anwaltliche Anschreiben zur Verfügung stehen.

3.    Fazit:

Trotz des einzig erwähnenswerten Nachteils der fehlenden Mustertexte, ist das Werk überaus weiter zu empfehlen. Es stellt eine besonders lohnende Anschaffung sowohl für den Einsteiger, als auch für den langjährigen Praktiker dar. Als Anwaltshandbuch eignet sich dieses umfassende Werk hervorragend, um die im Verkehrsrecht auftretenden und spezifischen Schadensfälle eingehend bearbeiten zu können. Zur Darstellung werden im Werk Beispiele herangezogen und Fälle aus der Rechtsprechung erörtert. Als Einsteiger wird einem die Einführung in die schwierige und umfassende Rechtsmaterie durch das Werk erleichtert. Es ist kurzum eine gelungene Mischung aus Einsteiger-, Lehr- und Nachschlagewerk.


Canan Basol Demir
Rechtsanwältin
Frankfurt am Main