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Kuselit Rezensionen

Denise Gelleszun-Koschke - Rechtspraktische Kommunikation

Titel: Rechtspraktische Kommunikation Cover
Autor: Denise Gelleszun-Koschke
Verlag: Tectum
Ort: Marburg
Jahr: 2011
Seiten: 191
Preis: 24,90
ISBN: 978-3-8288-2756-1
Internet:
Rezensent: RA Klaus Hebrank
Quelle: Kuselit Verlag GmbH

 

Denise Gelleszun-Koschke, Rechtspraktische Kommunikation. Juristischer Sprachgebrauch in der Rechtsberatung - mehr als ein rhetorisches Versteckspiel, (Diss.), Marburg 2011. ISBN 978-3-8288-2756-1

Das vorliegende Werk ist als Dissertation an der Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Europa-Universität Viadrina, Frankfurt/Oder angenommen worden. Die Verfasserin ist Juristin.

Inhaltlich beschäftigt sich das Werk mit der Frage, wie sich eine Kommunikation, insbesondere zwischen Rechtsanwalt und Mandant, vollziehen soll. Gegliedert ist es in vier Abschnitte und zwei Anlagen. Nach der Einleitung erfolgen die Bestandsaufnahme und der Standpunkt. Der dritte Abschnitt beschäftigt sich mit der rechtspraktischen Kommunikation. Im vierten Abschnitt sind die Schlussbemerkungen niedergelegt. Die Anlagen beschreiben Beispiele und die Auswertung der Fragebögen einer empirischen Studie. Ein Inhaltsverzeichnis und ein Literaturverzeichnis sind vorhanden.

Die Ausgangsproblematik ist nicht nur im Verhältnis Rechtsanwalt zu Mandant, sondern insgesamt von Jurist zu Nichtjurist von Bedeutung. Die juristische Fachsprache wird häufig als unverständlich wahrgenommen. Dabei wird ein Rechtsanwalt häufig als „Übersetzer“ zwischen Gericht/Behörde und Mandant tätig. Eine verständliche Kommunikation ist daher dringend erforderlich.

Bei der Kommunikation ist es entscheidend, wie grundsätzlich kommuniziert wird. Hieraus kann dann eine gute Kommunikation erarbeitet werden. Das Kapitel „Kommunikationstheoretische Grundlagen“ verspricht die kommunikationspsychologischen Grundlagen, die allerdings nicht folgen. Es werden weder Bühler, Watzlawick, Schulz von Thun noch Luhmann zitiert. Diese finden sich auch nicht im Literaturverzeichnis. Im Text werden Begriffe wie „Sender“ und „Empfänger“, „Kodieren“ und „Dekodieren“ verwendet, aber nicht belegt. Ebenso wird das konstruktivistische und systemische Denken (ohne Belege) erwähnt, aber nicht weiterverfolgt. Diese wäre aber die Eintrittskarte in eine wissenschaftliche Beschäftigung mit der Problematik der fehlgeleiteten bzw. unverständlichen Kommunikation gewesen. Zu ergründen wäre auch gewesen, wieso die Kommunikationen unverständlich ist. Hierbei wären Einflüsse (z. B. Bildung und Medien) und die unterschiedlichen Deutungsmuster von Bedeutung gewesen.

Leider ist es bei Juristen - wie auch in diesem Werk - weit verbreitet, dass die Interdisziplinarität hochgehalten wird, dann aber wesentliche Vertreter der anderen Disziplinen nicht berücksichtigt werden. Hieraus muss dann zwangsläufig auch die Unverständlichkeit der juristischen Sprache folgen.

Im Ergebnis finden sich bei diesem Werk lediglich formale und inhaltliche Anregungen, die weitgehend schon selbstverständlich sind (angemessene Schriftgröße, Verwenden gebräuchlicher Wörter, wecken von Neugier beim Leser, Beschränken auf das Wesentliche, Begründen der Aussagen etc.). Dieses hilft aber nur beschränkt bei der Frage nach einer sinnvollen Kommunikation zwischen Juristen und Nichtjuristen. Insgesamt der Versuch ein wichtiges rechtspraktisches Gebiet zu bearbeiten, der leider nicht ganz zu Ende gebracht wurde.

Klaus Hebrank, Rechtsanwalt