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Kuselit Rezensionen

Ulrich Sommer - Effektive Strafverteidigung

Titel: Effektive Strafverteidigung Cover
Autor: Ulrich Sommer
Verlag: Heymanns
Ort: Köln
Jahr: 2011
Seiten: 708
Preis: 69,00
ISBN: 978-3-452-27535-6
Internet:
Rezensent: Ass. iur. Alexander Seidl, wiss. Mitarb. Universität Passau
Quelle: Kuselit Verlag GmbH

Ulrich Sommer

Effektive Strafverteidigung

Das Werk ist erschienen im Carl Heymanns Verlag/Wolters Kluwer Deutschland GmbH, Köln, 2011, ISBN 978-3-452-27535-6, umfasst 664 Seiten und kostet 69 Euro.

Der Autor will mit seinem Werk "Effektive Strafverteidigung" ein Handbuch für Theorie und Praxis der Strafverteidigung mit grundlegenden Erläuterungen zu Recht, Psychologie und zu den Überzeugungstechniken des Strafverteidigers auf dem Markt etablieren. Das Buch will mit einer komplexen Sicht auf den Strafprozess das Arbeitsfeld der Verteidigung deutlicher ausleuchten, gleichzeitig will es aber auch anderen am Strafprozess Beteiligten und Interessierten die Sicht- und Handlungsweisen der Verteidigung verständlicher machen.

Diesen selbst gesteckten Zielen wird das Werk durchaus gerecht. In der kurzen Einleitung schildert der Autor auf amüsante Weise mehrere, sich in der Praxis zugetragene, bizarre Justizirrtümer und Fehlurteile, die beim Leser ein verwundertes Kopfschütteln hervorrufen. Das Werk selbst gliedert sich in drei Kapitel, dessen Hauptteil (Kapitel 3) sich am zeitlichen Ablauf des strafrechtlichen Mandats orientiert.

Kapitel 1 befasst sich mit der Theorie der Strafverteidigung. Hier geht der Autor insbesondere auf die Denkmodelle, die Position der Verteidigung im demokratischen und rechtsstaatlichen Strafprozess, die Organisationsformen der prozessualen Wahrheitssuche und die Rolle der Verteidigung im inquisitorischen Verfahren ein. Ferner stellt er das Konfliktpotential aufgrund der asymmetrischen Stellung der Verteidigung dar.

Im Kapitel 2 (Das Mandatsverhältnis) schildert Sommer die Wahlverteidigung, die notwendige Verteidigung und die Pflichtverteidigung. Ferner erörtert er in diesem Abschnitt den Kontakt des Verteidigers zu seinem Mandanten und in einem letzten Unterabschnitt die (rechtlichen) Grundlagen sowie die praktische Durchführung der Akteneinsicht.

Kapitel 3 behandelt schließlich das Aktionsfeld der Strafverteidigung. Der Verfasser geht dabei zunächst umfassend auf die Aufgabe der Überzeugungsarbeit ein, bevor er in der nächsten Passage die Teilhaberechte des Verteidigers im Ermittlungsverfahren bespricht. Am detailliertesten in diesem Kapitel setzt sich der Autor ­– im daran anschließenden Unterabschnitt – mit der Verteidigung in der Hauptverhandlung auseinander. Nahezu ebenso umfassend erläutert er die Verteidigung durch Rechtsmittel, bevor er im letzten Unterkapitel die durch Verständigung abgekürzte Hauptverhandlung schildert.

Den einzelnen Kapiteln ist eine umfangreiche Gliederungsübersicht vorangestellt. Wünschenswert wäre es, dass der Autor vor den einzelnen Kapiteln, im Anschluss an die Gliederungsübersicht, eine kurze Sammlung der wichtigsten, zu dem jeweiligen Themengebiet ergangenen Literatur integrieren würde, wie dies auch bei anderen Lehr- oder Arbeitsbüchern häufig der Fall ist, um eine vertiefte Beschäftigung mit einzelnen Fragestellungen zu ermöglichen. Als besonders wertvoll hervorzuheben sind die zahlreichen, optisch durch Einrückung und ein unterschiedliches Schriftbild kenntlich gemachten Hinweise. Diese geben dem Leser praktische Anregungen oder Argumentationshilfen an die Hand. Ein übersichtliches Inhaltsverzeichnis und ein (zu) knappes Stichwortverzeichnis ermöglichen einen schnellen Zugriff auf das Gesuchte.

Der Autor bedient sich eines gut verständlichen Sprachstils. Auf unnötige wissenschaftliche Streitstandserörterungen oder Diskussionen wird bewusst verzichtet. Durch klare Untergliederungen, die gut nachvollziehbare Struktur und die kurz gehaltenen Absätze wird eine hohe Lesbarkeit erreicht.

Inhaltlich handelt es sich beim Handbuch "Effektive Strafverteidigung" um ein überzeugendes Werk, das die Grundlage für eine solide Rechtsberatung bereitet. Der "Sommer" füllt die Lücke zwischen den abstrakt gehaltenen, wissenschaftlichen Abhandlungen zur Rechtfertigung des Aktionsfeldes der Verteidigung auf der einen Seite und der soziologischen Literatur zur gesellschaftlichen Bedeutung und den Auswirkungen des Strafprozesses auf der anderen Seite bestens aus. Das Werk wird einen Stammplatz neben den klassischen Handbüchern der Strafverteidigung und den Formularhandbüchern finden.

Um der breit gefächerten Materie der Strafverteidigung Herr zu werden, führt kein Weg am "Sommer" vorbei. Die Lektüre dieses Buchs kann jedem Strafverteidiger, insbesondere aber jungen Strafanwälten, die erstmalig ein entsprechendes Mandat betreuen, nachdrücklich empfohlen werden.

 

Ass. iur. Alexander Seidl, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Mediator (CVM), Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Sicherheitsrecht und Internetrecht (Prof. Dr. Heckmann), Universität Passau