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Kuselit Rezensionen

Rainer Hamm / Klaus Leipold (Hrsg.) - Beck\'sches Formularbuch für den Strafverteidiger, mit CD/DVD

Titel: Beck\'sches Formularbuch für den Strafverteidiger, mit CD/DVD Cover
Autor: Rainer Hamm / Klaus Leipold (Hrsg.)
Verlag: Verlag C.H. Beck
Ort: München
Jahr: 2010
Seiten: 1455
Preis: 98,00
ISBN: 978-3-406-58887-7
Internet: http://www.beck.de/
Rezensent: Ass. iur. Alexander Seidl, wiss. Mitarb. Universität Passau
Quelle: Kuselit Verlag GmbH

Hamm/Leipold (Hrsg.)

Beck´sches Formularbuch für den Strafverteidiger

5. vollständig neubearbeitete Auflage, 2010, Verlag C. H. Beck München

Das Werk ist erschienen im Verlag C. H. Beck, München 2010, ISBN 978 3 406 58887 7, umfasst 1455 Seiten (mit CD-Rom) und kostet 98 Euro.                

Die Herausgeber wollen mit dem Formularbuch für den Strafverteidiger, das nunmehr bereits in der 5. Auflage erschienen ist, mehr ein "Handbuch mit kommentierten Mustertexten" als ein Formularbuch im engeren Sinne zur Verfügung stellen. Der Aufbau des Werks orientiert sich großteils an den Bedürfnissen der Strafverteidigungspraxis und dem Ablauf des Mandats. Das Buch will ein „literarisches Hilfsmittel für die praktische Umsetzung der anderweitig erworbenen normativ-systematischen Kenntnisse“ sein.

Diesen selbst gesteckten Zielen wird das Werk durchaus gerecht. Das von 24 erfahrenen Praktikern verfasste Buch gliedert sich dazu in 16 Kapitel, die das strafrechtliche Mandat mehr als abdecken. Überraschender Weise beginnt das Formularbuch im ersten Kapitel mit den Grenzen zulässiger Strafverteidigung. Dieser Abschnitt wurde von Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Winfried Hassemer, Vizepräsident des BVerfG a.D. verfasst. Die Herausgeber wollten die teilweise verschwommenen Grenzen zulässiger Strafverteidigung aus der Sicht eines Rechtswissenschaftlers beleuchtet wissen, um auf diesem hochsensiblen Gebiet von vorneherein "dem Einwand zu entgehen, die Strafverteidiger definierten sich betriebsblind und interessensgebunden selbst die Grenzen der Zulässigkeit ihres Tuns." Kapitel 2 befasst sich mit dem Mandatsverhältnis, untergliedert in Wahlverteidigung und Pflichtverteidigung. In Teil 3 wird umfassend "der Verteidiger im Ermittlungsverfahren" behandelt. Insbesondere wird dabei auf das Anwesenheitsrecht und auf die eigenen Ermittlungen des Verteidigers eingegangen. Die Kapitel 4-6 geben einen Überblick über die wesentlichen Fragen des Verfahrensabschlusses ohne Urteil, die Untersuchungshaft und das Zwischenverfahren. Kapitel 7 stellt umfangreich die Möglichkeiten des Strafverteidigers im Hauptverfahren dar. So werden in diesem Kapitel, das den Hauptteil des Werks darstellt, die Vorbereitung der Hauptverhandlung, die Tätigkeit in der Hauptverhandlung, die Besetzungsfragen und die Beweisanträge detailliert erörtert. Die Teile 8-10 behandeln die Rechtsmittel und Rechtsbehelfe, die Wiederaufnahme des Verfahrens und die Strafvollstreckung, die Begnadigung und den Vollzug. In Kapitel 11 werden die Ordnungswidrigkeiten, einschließlich Verkehrssachen und Rechtsbehelfe besprochen, bevor in Kapitel 12 Wissenswertes zu den besonderen Verfahrensarten, z.B. der Verteidigung in Jugendstrafsachen, in Umweltstrafsachen oder in Auslieferungsverfahren erläutert wird. Im nächsten Abschnitt wird auf die Vertretung des Verletzten und des Zeugen im Strafverfahren eingegangen. Völlig neugestaltet wurde die Erörterung der Anwaltsvergütung in Strafsachen (Gebühren und Honorare, Kapitel 14). Dies war aufgrund der Ablösung der BRAGO durch das RVG zwingend erforderlich. Das Formularhandbuch befasst sich in Kapitel 15 mit der Verfassungsbeschwerde und der Menschenrechtsbeschwerde. Kapitel 16 komplettiert mit seinen Erläuterungen zur Vermögensabschöpfung das Handwerkszeug zur Bearbeitung strafrechtlicher Mandate.

Den meisten Kapiteln ist eine Vorbemerkung oder eine Einführung vorangestellt, gefolgt von einer umfangreichen Literaturauswahl. Die einzelnen Mustertexte und Musterformulierungen sind mit zahlreichen Anmerkungen und Erläuterungen versehen. Sämtliche Arbeitshilfen in Form von Musterformulierungen für Anschreiben etc. befinden sich auch auf der mit der 5. Auflage erstmalig mitgelieferten CD-ROM, die einen schnellen Zugriff auf die Formulare in elektronischer Form gewährt, was eine wesentliche Arbeitserleichterung darstellt. Die einzelnen Textpassagen lassen sich zur weiteren Verarbeitung einfach in Word exportieren. Auch einzelnen Unterkapiteln sind Literaturhinweise vorangestellt, die eine vertiefende Befassung mit der jeweiligen Thematik ermöglichen. Zudem befinden sich auch in den Anmerkungen immer wieder ausgewählte Rechtsprechungs- und Literaturhinweise. Als besonders wertvoll hervorzuheben sind das Unterkapitel "Das Fragerecht des Verteidigers und die Vernehmungstechnik" und die Checklisten.  Diese führen zahlreiche Beispiele auf und geben dem Leser praktische Anregungen oder Argumentationshilfen an die Hand. Ein umfangreiches Stichwortverzeichnis, eine Inhaltsübersicht auf dem Umschlag und ein übersichtliches Inhaltsverzeichnis ermöglichen einen schnellen Zugriff auf das Gesuchte.

Die beteiligten Autoren bedienen sich eines gut verständlichen Sprachstils. Auf unnötige wissenschaftliche Streitstandserörterungen oder Diskussionen wird bewusst verzichtet. Durch klare Untergliederungen, die gut nachvollziehbare Struktur und die kurz gehaltenen Absätze wird eine hohe Lesbarkeit erreicht. Die Prägnanz der Erläuterungen und die verständliche Formulierung belegen, dass das Werk in hohem Maße praxisgerecht und praxistauglich ist.

Inhaltlich handelt es sich beim Beck´schen Formularbuch für den Strafverteidiger um ein überzeugendes Werk, das praktische Arbeitshilfen für eine solide Rechtsberatung in Strafsachen ermöglicht. Es gilt nicht zu Unrecht als eines der Standardwerke der Strafverteidigung. Rechtsprechung und Literatur sind in der 5. Auflage - soweit ersichtlich - bis Mitte 2009 berücksichtigt.

Um der breit gefächerten Materie des strafrechtlichen Mandats und der täglichen Arbeitsfülle Herr zu werden, führt kein Weg am Hamm/Leipold vorbei. Die Anschaffung des Buchs als Arbeitsmittel kann, auch angesichts des im Hinblick auf den Umfang und die Qualität des Werks (noch) moderaten Preises, jedem Praktiker, insbesondere Junganwälten, die erstmalig ein entsprechendes Mandat betreuen, uneingeschränkt empfohlen werden. 

Ass. iur. Alexander Seidl, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Mediator (CVM), Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Sicherheitsrecht und Internetrecht (Prof. Dr. Heckmann), Universität Passau