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Kuselit Rezensionen

Wernert, Manfred - Internetkriminalität

Titel: Internetkriminalität Cover
Autor: Wernert, Manfred
Verlag: Richard Boorberg Verlag
Ort: Stuttgart
Jahr: 2011
Seiten: 120
Preis: 16,80
ISBN: 978-3-415-04652-8
Internet: http://www.boorberg.de/
Rezensent: Seidl, Alexander
Quelle: Kuselit Verlag GmbH


Manfred Wernert, Internetkriminalität Grundlagenwissen, erste Maßnahmen und polizeiliche Ermittlungen, 1. Auflage 2011, Boorberg

Das Werk ist erschienen im Richard Boorberg Verlag, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-415-04652-8, umfasst 120 Seiten und kostet 16,80 Euro.

Phishing, eBay-Betrug, Abofallen: Die Tricks der Online-Straftäter werden immer raffinierter und die Opferzahlen steigen rapide. Das Deliktsfeld der Internetkriminalität boomt. Dies belegt die aktuelle Polizeistatistik eindrucksvoll. Im Unterschied zum Trend bei der allgemeinen Kriminalitätsentwicklung weist der Bereich der Cyber-Kriminalität in der aktuellen Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS 2009) steigende Fallzahlen auf. 206.909 verzeichnete Delikte im Internetbereich, dies entspricht einem Zuwachs von 23,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wobei von einem deutlich höheren Dunkelfeld in diesem Bereich der Kriminalität auszugehen ist, weil längst nicht alle Delikte zur Anzeige gebracht werden.

„Ubiquitous Computing“ heißt die Erklärung; beschrieben wird damit die Allgegenwärtigkeit der rechnergestützten Informationsverarbeitung. Mit dem Einzug von Computern, Laptops, internetfähigen Smartphones und Tablets in nahezu alle gesellschaftlichen Lebensbereiche, der steigenden Anzahl an Internetnutzern und der damit verbundenen aktuellen Kriminalitätsentwicklung, geht nicht zuletzt auch eine Veränderung der polizeilichen Aufgaben einher.

Mit der Anzeigenaufnahme und der Durchführung des „Ersten Angriffs“ sind regelmäßig die Polizeibeamten des Streifendienstes befasst. Das Werk hat sich zum Ziel gesetzt, dem mit diesen Aufgaben konfrontierten Polizeibeamtenkreis strukturiert die hierfür erforderlichen Informationen und Kenntnisse zu vermitteln, insbesondere ein allgemeines Verständnis dieses Kriminalitätsphänomens, die rechtlichen Grundlagen, die Vornahme der relevanten Feststellungen und die sachgerechte Sicherung digitaler Spuren und elektronischer Beweismittel.

Der Autor erläutert zunächst das Missbrauchspotenzial des Internets sowie den Begriff der IuK-Kriminalität im engeren und im weiteren Sinne. Er stellt die Polizeiorganisation und die -strategie dar, wobei er u.a. auf Internetwachen, die Internetrecherche, das Kompetenzzentrum Internetkriminalität (KIK) und vor allem auf die rechtlichen Grundlagen eingeht. Ferner vermittelt der Verfasser die Basics der IT-Technik hinsichtlich Hard- und Software sowie Begriff und Funktionsweise des Internets. Anschließend bespricht er die Gefährdungspotenziale von WLAN-Anschlüssen und das Tatmittel E-Mail. Nach Darstellung der Ermittlungsmethoden zur IP-Adresse und zur Domain geht der Autor im umfangreichsten Kapitel des Werkes auf die besonderen Aspekte der Sicherstellung elektronischer Beweismittel ein. Er handelt die gängigsten Datenträger (PC, Scanner/Drucker/Kombigeräte, Smartphones, usw.) ab und stellt jeweils dezidiert dar, was bei den verschiedenen Speichermedien zu beachten ist. In den Kapiteln 11-17 stellt er schließlich einzelne, typische Deliktsbereiche der Cyberkriminalität näher vor, z.B. das Verbreiten von Happy-Slapping-Videos oder kinderpornographischer Schriften, den Betrug bei Internetauktionen und die Phishingkriminalität. Dabei führt der Autor mögliche Straftatbestände an, die je nach Tatbegehung bei den einzelnen Deliktsfeldern in Betracht kommen und empfiehlt jeweils Maßnahmen, die von den ermittelnden Polizeibeamten zu treffen sind. Abschließend gibt er in Kapitel 18 einen kurzen Überblick darüber, wie das Internet als Ermittlungshilfe eingesetzt werden kann. Ein Anhang mit den für die Bekämpfung der IuK-Kriminalität wichtigsten Gesetzesauszügen und Hinweisen auf Online-Angebote rundet das Werk ab.

Die Prägnanz der Erläuterungen, die verständliche Formulierung und die bebilderte Darstellungsweise belegen, dass das Werk in hohem Maße praxisgerecht und praxistauglich ist. Der Autor gibt den mit Internetkriminalität konfrontierten, aber nicht darauf spezialisierten Polizeibeamten ein übersichtliches und für ein erstes Befassen mit dieser Thematik gut geeignetes Werk an die Hand, das Dank seiner Struktur auch als Nachschlagewerk fungieren kann. Es werden vor allem die Probleme behandelt, die die polizeiliche Praxis bestimmen. Leider fehlen jedoch ausreichende Vertiefungshinweise, die dem Leser - bei Bedarf - den Weg zu Urteilen oder Fachaufsätzen weisen könnten und die damit die Publikation sicherlich bereichern würden. Dennoch kann das Werk dem von ihm beabsichtigten Leserkreis mit Nachdruck empfohlen werden. 


Ass. iur. Alexander Seidl, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Mediator (CVM),

Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Sicherheitsrecht und Internetrecht (Prof. Dr. Heckmann),

Universität Passau