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Kuselit Rezensionen

Kröninger, Holger - Die öffentlich-rechtliche Anwaltsklausur im Assessorexamen

Titel: Die öffentlich-rechtliche Anwaltsklausur im Assessorexamen Cover
Autor: Kröninger, Holger
Verlag: Verlag C.H. Beck
Ort: München
Jahr: 2011
Seiten: 204
Preis: 9,90 €
ISBN: 978-3-406-59780-0
Internet: http://www.beck.de/
Rezensent: Széchényi, Attila
Quelle: Kuselit Verlag GmbH

 

Noch ein Lehrbuch für die Referendarausbildung – ja, aber was für eins. Kröninger ist nicht nur Rechtsanwalt und Fachanwalt für Verwaltungsrecht, sondern auch Professor an der Fachhochschule Trier. Die Verbindung von Anwaltspraxis und Lehrtätigkeit ist es, die dieses Buch sehr wertvoll macht. Nach einem einführenden Kapitel, das einen Überblick über typische Aufgabenstellungen im Bereich der Anwaltsklausur und viele Hinweise für das richtige Vorgehen bei der Lösung einer solchen Klausur gibt, widmen sich die folgenden sechs Kapitel jeweils einer bestimmten Aufgabenart: dem Verfassen einer Klageschrift (gegliedert nach Klagearten), dem Verfassen eines Antrags auf Gewährung vorläufigen Rechtsschutzes (insbesondere nach §§ 80, 80a VwGO und § 123 VwGO), dem Verfassen eines Widerspruchsschreibens, dem Verfassen einer Rechtsmittelschrift, dem Verfassen eines Anwaltsgutachtens und eines Mandantenschreibens und der Klage- und Antragserwiderung.

Die Darstellung verzichtet auf Nachweise von Literatur und Rechtsprechung sowie auf Ausführungen zum materiellen Recht. Das erhöht ihre Lesbarkeit ungemein und fördert die Konzentration auf das Thema, nämlich die Besonderheiten der Anwaltsklausur.

Die einzelnen Abschnitte werden jeweils von einem zusammenfassenden Prüfungsschema abgeschlossen. Für jede abgehandelte prozessuale oder außergerichtliche Handlungsform findet sich ein Muster. Der Leser bekommt so zunächst einen Überblick über die wesentlichen Punkte (die jeweils mit konkreten Beispielen erläutert werden – beispielsweise werden mehrere rechtswidrige Rechtsbehelfsbelehrungen aufgeführt), wiederholt diese mit der Zusammenfassung und kann dann anhand des Musters lernen, wie das theoretische Wissen ganz konkret in Formulierungen umzusetzen ist. Die Formulierung und insbesondere die richtige Antragstellung sind von entscheidender Bedeutung für die erfolgreiche Anwaltsklausur. Dazu kommt noch, dass die Antragstellung das Erste ist, was der Korrektor von der Klausur sieht.

Überhaupt sind die konkreten Klausur- und Aufbautipps eine große Stärke dieses Buches. Dem Leser wird bei jedem einzelnen Problem ein Hinweis gegeben, wie und an welcher Stelle der Klausur es zu erörtern ist bzw. wie aus Anwaltssicht (prozessual) reagiert werden kann bzw. muss. Mehrfach wird beispielsweise betont, dass ein Anwaltsschriftsatz regelmäßig spiegelbildlich zu der angestrebten gerichtlichen Entscheidung aufzubauen und dementsprechend zu gliedern ist. Nach den Erfahrungen des Rezensenten kann dieser Grundsatz gar nicht oft genug hervorgehoben werden, weil eine strukturierte Darstellung (der eine strukturierte Prüfung einschließlich der notwendigen gedanklichen Klarheit vorausgeht) wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Klausur ist.

Seht gut und hilfreich sind auch die allgemeinen Tipps zum Vorgehen des Anwalts. Empfohlen wird beispielsweise, sich – insbesondere, wenn mehrere Personen beteiligt sind – eine Skizze anzufertigen.

Ferner enthält das Buch viele Hinweise auf Überlegungen, Anträge etc., die ein Rechtsanwalt zur wirksamen Durchsetzung der Rechte seines Mandanten anstellen bzw. stellen sollte (trotz bestehender gesetzlicher Pflichten des Gerichts), wie z.B. die Anregung an das Gericht, bei der Nachbaranfechtung einer Baugenehmigung den Bauherren beizuladen oder das Kostenrisiko bei der Trennung gemeinsam erhobener Klagen. Immer im Auge zu behalten sind die Interessen des Mandanten bzw. dessen Ziel. Deshalb sind natürlich Ausführungen zur formellen Rechtswidrigkeit bzw. deren fehlenden Heilung zu machen. Der Mandant ist allerdings darüber aufzuklären, dass Heilungs- oder Unbeachtlichkeitsvorschriften bestehen und deshalb die entsprechenden Angriffe voraussichtlich im Ergebnis keinen Erfolg haben werden.

Etwas zu ausführlich geraten ist der Abschnitt über die Eröffnung des Verwaltungsrechtsweges; diesbezüglich gibt es in Klausuren im Pflichtstoffbereich kaum Probleme. Je nach Bundesland ist an wenigen Stellen des Buches Vorsicht geboten. So wird beispielsweise § 78 VwGO (auch) in Bayern von der Rechtsprechung als Vorschrift verstanden, die die Passivlegitimation regelt und zu Beginn der Begründetheitsprüfung abzuhandeln ist. Anträge auf Gewährung vorläufigen Rechtsschutzes werden in Bayern – anders als vorgeschlagen – abgelehnt.

Wer braucht also dieses Buch und kann es mit Gewinn benutzen ? Jeder Referendar, der eine gute Anwaltsklausur schreiben möchte und schon Kenntnisse auf dem Gebiet des allgemeinen Verwaltungsrechts sowie des Verwaltungsprozessrechts hat. Aber auch Berufsanfänger oder Rechtsanwälte, die nicht alltäglich mit Verwaltungsrecht befasst sind, können dieses Buch mit Gewinn lesen und für ihre Arbeit nutzen.

 

Dr. Attila Széchényi, Bayreuth