Kuselit Rezensionen
Willy Spannowsky | Andreas Hofmeister (Hrsg.) - Die Abwägung - Herzstück der städtebaulichen Planung
| Titel: | Die Abwägung - Herzstück der städtebaulichen Planung | |
|---|---|---|
| Autor: | Willy Spannowsky | Andreas Hofmeister (Hrsg.) | |
| Verlag: | Lexxion Verlagsgesellschaft | |
| Ort: | Berlin | |
| Jahr: | 2010 | |
| Seiten: | 166 | |
| Preis: | 39,00 | |
| ISBN: | 978-3-86965-140-8 | |
| Internet: | http://www.lexxion.de/ | |
| Rezensent: | Dr. Attila Széchényi, Bayreuth | |
| Quelle: | Kuselit Verlag GmbH |
Willy Spannowsky | Andreas Hofmeister (Hrsg.)
Die Abwägung - Herzstück der städtebaulichen Planung
Tagungsband der Technischen Universität
Berlin 2010. ISBN 978-3-86965-140-8
Der Band enthält die schriftlich ausgearbeiteten Beiträge
der am 23. März 2010 an der Technischen Universität durchgeführten Fachtagung
mit dem Titel "Die Abwägung – das Herzstück der städtebaulichen
Planung". Die insgesamt neun Beiträge behandeln Teilaspekte der Abwägung.
Teilweise kommt es (etwa bezüglich der Abwägungsfehler oder der zwingenden
Vorgaben des europäischen Naturschutzrechts) zu Überschneidungen.
Erbguth befasst
sich theoretisch mit der "Abwägung als Wesensmerkmal rechtsstaatlicher
Planung" (S. 1 ff.) und beleuchtet dabei den Begriff der Planung sowie das
Verhältnis zwischen Planung und planerischem Gestaltungspielraum sowie die
eigentliche Abwägung als Auffüllung des planerischen Freiraums. Interessanter
für den Praktiker wird es bei Stüer,
der fragt, ob "das Abwägungsgebot noch das Herzstück der städtebaulichen
Planung" ist (S. 23 ff.). Er sieht die Bedeutung der Abwägung angesichts
der Vielzahl (europarechtlich dominierter) zwingender Vorgaben des Umweltrechts
und insbesondere des Naturschutzrechts zurückgedrängt und macht dies an einigen
Beispielen aus der neueren Rechtsprechung deutlich. Ausführlich beschäftigt
sich Stüer auch mit § 34 Abs. 8 BNatSchG 2009 und stellt die Probleme dar, die
sich aus dieser Vorschrift in der Praxis ergeben (können). Koch (S. 41 ff.) stellt die Relevanz der Umweltprüfung für die
Bauleitplanung dar und gibt vor allem eine Übersicht über die bestehenden
gesetzlichen Verpflichtungen. Wichtig ist der Hinweis, dass Unsicherheiten
kenntlich zu machen sind und Maßnahmen zur Überwindung (z.B. Monitoring)
ergriffen werden müssen. Söfker
erläutert anschaulich die "Planungsalternativen in der Abwägung" (S.
53 ff.) und hebt hervor, dass sich der Bedarf an anderweitigen
Planungsmöglichkeiten gerade erst im Verlauf des Aufstellungsverfahrens ergeben
kann. Abgerundet wird die Darstellung durch einige Beispiele aus der Rechtsprechung.
Halama widmet sich stichwortartig
"Abwägungsmängeln in der Bauleitplanung" und dem "Grundsatz der
Planerhaltung" (S. 63 ff.). Dabei geht er insbesondere auf die Auslegung
des § 214 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BauGB in der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts
und auf den Begriff der "Erheblichkeit" i.S. des § 2 Abs. 4 BauGB
ein. Uechtritz greift die
"Bedeutung informeller Planungen in der Abwägung" (S. 69 ff.) auf. Nach
einer Einführung, in der Begriff und Regelungsstandort (§ 1 Abs. 6 Nr. 11
BauGB) erläutert werden, wird die Bedeutung solcher informeller Konzepte für
die städtebauliche Praxis am Beispiel der Einzelhandelskonzepte unter
Berücksichtigung der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts dargestellt.
Wichtig ist auch der Hinweis auf die (unter Umständen entscheidende) Bedeutung,
die informelle Planungen für die Rechtfertigung einer Veränderungssperre bzw.
einer Zurückstellung haben können. Kuschnerus
gibt eine detaillierte und praxisbezogene Übersicht über den "Lärmschutz
in der Abwägung" (S. 87 ff.) und die in der Bauleitplanung einzusetzenden
technischen Regelwerke. Köck stellt
"FFH-Schutzgebiete und Artenschutz in der Abwägung" (S. 107 ff.) dar.
Gleich zu Beginn des Beitrags wird allerdings klargestellt, dass das
europäische Naturschutzrecht zwingende Vorgaben für die Bauleitplanung enthält.
Auch eine etwaige Abweichungsentscheidung nach § 34 Abs. 4 BNatSchG 2009 bzw.
Art. 6 Abs. 4 FFH-RL eröffne keinen planerischen Entscheidungsspielraum. Der
Band schließt mit dem Beitrag von Spannowsky
zur "Zulässigkeit abwägungsdirigierender Verträge" (S. 127 ff.), der
insbesondere die Grenze zwischen unzulässiger Vorwegbindung und notwendiger
vorgeschalteter Planung und Abstimmung darstellt.
Dr. Attila Széchényi, Bayreuth

