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Kuselit Rezensionen

Armin Abele / Bernhard F. Klinger / Thomas Maulbetsch - Pflichtteilsansprüche reduzieren und vermeiden

Titel: Pflichtteilsansprüche reduzieren und vermeiden Cover
Autor: Armin Abele / Bernhard F. Klinger / Thomas Maulbetsch
Verlag: Verlag C.H. Beck
Ort: München
Jahr: 2010
Seiten: 230
Preis: 49,00
ISBN: 978-3-406-58707-8
Internet: http://www.beck.de/
Rezensent: RAin Sabrina Kiefl
Quelle: Kuselit Verlag GmbH

 

Armin Abele / Bernhard F. Klinger / Thomas Maulbetsch

Pflichtteilsansprüche reduzieren und vermeiden

München 2010. ISBN: 978-3-406-58707-8

 

„Wie kann ich verhindern, dass XY einen Pflichtteil im Falle meines Todes bekommt?“ Mit dieser Frage wurde schon jeder im Erbrecht tätige Berater konfrontiert.

Das hier zu beschreibende Buch liefert gerade auf diese Frage eine Vielzahl von Möglichkeiten diesen Wusch zu realisieren.

Die Autoren sind Fachanwälte für Erbrecht, weshalb es nicht überrascht, dass dieses Buch sehr praxisbezogen gestaltet.

Es eignet sich sowohl für den Berater des Erblassers, als auch für den des Erben, bzw. Pflichtteilberechtigten.

Gleich zu Anfang fällt das ausführliche Inhaltsverzeichnis auf. Durch dieses wird ein punktuelles Nachschlagen erleichtert. Nach dem Inhaltsverzeichnis folgt ein nicht geringeres Literaturverzeichnis, womit einzelne Aspekte mühelos vertieft werden können.

In jedem Kapitel erscheinen zahlreiche Praxishinweise und Mustertexte. Die täglichen Probleme der Beratung werden erfolgreich eingebunden.

Die Einführung in die Thematik erfolgt über die Aufklärung, weshalb die Zahl der Pflichtteilsklagen vor Gericht zu nehmen. Interessant ist es zu erfahren, dass die Rechtsprechung des BGH als pflichtteilsfreundlich angesehen wird.

Nachdem ausführlich auf das Gesetz zur Änderung des Erb- und Verjährungsrecht eingegangen wurde, welches Bedeutung für Erbfälle nach dem 1.1.2010 hat, werden die einzelnen Möglichkeiten der Pflichtteilsreduzierung besprochen.

Begonnen wird mit der Reduzierung mittels lebzeitiger Rechtsgeschäfte.

Für die Praxis sehr bedeutend ist die Abhandlung des Verzichtvertrages. Die Autoren legen besonderen Wert auf die Abgrenzung von Pflichtteilsverzicht-, Erbverzichts- und Zuwendungsverzichtsverträgen. In diesem Abschnitt sind Musterverträge vorhanden.

Beim Lesen des Werkes wird deutlich, dass sich das Buch an die Gesellschaft anpasst. So wird immer wieder Bezug auf Geschiedene oder Patchwork-Familien genommen. Diese Konstellationen werden in Zukunft in der Beratung häufiger auftreten und an Wichtigkeit zunehmen.

Lebzeitige Zuwendungen, sog. Schenkungen, werden auch unter dem Aspekt einer Stiftung oder eines Betriebes besprochen. Wichtig ist hierbei die Bewertung der Vermögensgegenstände. Die verschiedenen Wertprinzipien werden mit zahlreichen Beispielen aufgezeigt.

In der Praxis immer häufiger auftauchend ist der Fall des Sozialhilferegresses. Dieses Thema wird zwar nur verhältnismäßig kurz angeschnitten, beinhaltete jedoch alle wichtigen und notwendigen Aspekte, um den Mandanten umfassend aufzuklären.

Sehr oft kann durch eine familienrechtliche Gestaltung eine Pflichtteilsoptimierung erreicht werden. Die einzelnen Güterstände werden mit ihren jeweiligen Vor- und Nachteilen besprochen, insbesondere wird auf die Möglichkeit verwiesen durch eine Scheidung den Pflichtteil des Ehegatten auszuschalten. Gerade bei letzterem bieten die Praxishinweise einen guten Anhaltspunkt, um Fehler in der Beratung zu vermeiden.

Wichtig ist der Hinweis für Patchwork- Familien bzgl. des Mittels der Adoption.

Der Ausgestaltung der Ehegatteninnengesellschaft, wird ein eigener Abschnitt gewidmet wird. Gerade in Bereichen in denen ein Betrieb nur auf einen Ehegatten läuft oder die Gelder auf Konten eines Ehegatten gehen, sollte ein Augenmerk gelegt werden, um Überraschungen zu vermeiden. Hier verdeutlichen die Autoren dies anhand eines BGH- Urteils.

Daran anschließend werden die Möglichkeiten der Pflichtteilsreduzierung durch gesellschaftsrechtliche Gestaltung besprochen.Der Meinungsstreit, ob die Aufnahme eines Gesellschafters ohne wirtschaftliche Gegenleistung eine Schenkung darstellt wird ausführlich besprochen. Dies geschieht mit einer Darstellung der Auswirkungen für die Praxis. Nach den Beschreibungen der Folgen beim Tod eines Gesellschafters kommen die Autoren zu dem Ergebnis, dass die Gründung einer Gesellschaft nur bedingt geeignet ist Pflichtteilsansprüche zu vermeiden.

Dieses Kapitel befasst sich weniger mit den steuerrechtlichen Aspekten, so dass auch für den Leihen im Steuer- und Gesellschaftsrecht der Überblick geschaffen wird.

Natürlich wird verhältnismäßig lange über den Bereich der letztwilligen Verfügung gesprochen. Durch Testament wollen viele ihren Nachlass regeln. Hier wird deutlich darauf hingewiesen, wie wichtig die Enterbung des Pflichtteilsberechtigten ist und nicht allein die Einsetzung eines Dritten ausreichend ist.

Gesetzlich ist eine Entziehung jedoch nur in wenigen Ausnahmen zulässig, § 2333 ff BGB. Gerade hier wird nochmals auf die Gesetzesänderung aus dem Jahr 2010 Bezug genommen. In diesem Themenkomplex befinden sich zahlreiche Praxishinweise und Mustertexte, die vor allem auf die Problembereiche hinweisen und die richtigen Lösungen aufzeigen.

Die Problematik des Vor- und Nachvermächtnisses wird ebenso angesprochen, wie die der Vor- und Nacherbschaft. Die vielen Muster der verschiedenen Testaments- und Vermächtnislösungen ermöglichen einen schnellen Überblick und bieten eine gute Beratungsbasis. Auch die verschiedenen Pflichtteilsklauseln werden ausführlich dargestellt und mit Mustertexten veranschaulicht.

Ebenso, wie die Möglichkeiten der Pflichtteilsregelungen in diesem Buch aufgezeigt werden, soll auch das Verhalten nach dem Erbfall nicht unbedacht bleiben. das vorletzte Kapitel beschäftigt sich mit diesem Themenkomplex. Allgemein wird auf die Möglichkeit  der Ausschlagung mit seinen Vor- und Nachteilen eingegangen.

Die Möglichkeit der Anfechtung wegen Pflichtteilsunwürdigkeit des Erben und auch die taktische Bedeutung der Stundung des Pflichtteils wird von den Autoren ebenso behandelt.

Zu guter letzt wird ein Bezug zum internationalen Privatrecht genommen. In diesem Kapitel wird auf  die Problematik der Erstellung eines Testamentes bei Wohnort im Ausland hingewiesen und verschiedene Lösungswege aufgezeigt.

Als Fazit zu diesem sehr lesenswerten Buches ist anzumerken, dass es einen kompakten und sehr praxisgerechten Überblick über die Problematik des Pflichtteils gibt. Für die Praxisarbeit sind zahlreiche Mustertexte vorhanden, die die Arbeit erleichtern.

Bereits zu Beginn eines Abschnittes werden die wichtigsten Literaturnachweise genannt.

Dieses Werk ist sowohl für alle Rechtsanwälte, die sich Schwerpunktmäßig mit dem Erbrecht befassen, als auch für Anwälte und Personen, die sich einen ersten Überblick über die Pflichtteilsproblematik verschaffen möchten, geeignet.

 

Sabrina Kiefl, Rechtsanwältin

Frankfurt am Main