Titel
Dialog schliessen

Bitte warten
Daten werden geladen...

Kuselit Rezensionen

Böttcher, Roland - ZVG

Titel: ZVG Cover
Autor: Böttcher, Roland
Verlag: Verlag C.H. Beck
Ort: München
Jahr: 2010
Seiten: 969
Preis: 69,00 €
ISBN: 978-3-406-60038-8
Internet: http://www.beck.de/
Rezensent: Cymutta, Claudia R.
Quelle: Kuselit Verlag GmbH


Der ZVG Kommentar von Böttcher richtete sich ursprünglich an Studenten an den Hochschulen für Rechtspflege und an Universitäten. Er ist jedoch auch als Arbeitshilfe für Praktiker geeignet, die sich einen kurzen und prägnanten Überblick über die Rechtsfragen im Gesetz über die Zwangsversteigerung und die Zwangsverwaltung verschaffen wollen, sei es als Rechtspfleger, Richter, Rechtsanwalt oder Mitarbeiter einer Bank.

In die Neuauflage wurden zahlreiche neue Entwicklungen in der Rechtsprechung sowie durch Gesetzesänderungen eingearbeitet, wie z. B. der bargeldlose Zahlungsverkehr im Zwangsversteigerungsverfahren, die Berücksichtigung von Hausgeldansprüchen der rechtsfähigen Wohnungseigentümergemeinschaft (§ 10 Abs. Nr. 2 ZVG), die Behandlung sogenannter Scheingebote durch den BGH, die zeitgleiche Versteigerung mehrerer Immobilien sowie die Vergütung und Haftung des Zwangsverwalters. Berücksichtigt wurden u. a. die Gesetzesänderungen durch das 2. Justizmodernisierungsgesetz, das Risikobegrenzungsgesetz, das FamFG sowie die Reform des Kontopfändungsschutzgesetzes.

Als Ausgleich für die - der Zielsetzung entsprechenden - knappe Kommentierung, enthält der Kommentar am Anfang der Kommentierung eines Paragraphen oder am Anfang eines Kapitels innerhalb der Kommentierung häufig weiterführende Literaturhinweise. Das erleichtert die Identifizierung und Vertiefung von Spezialproblemen erheblich. Gerade bei Neuheiten, wie dem Vorrecht für Hausgeldforderungen der Wohnungseigentümergemeinschaft nach Rangklasse 2, wurden viele aktuellen Abhandlungen aufgenommen, die die in diesem Punkt recht ausführliche Kommentierung abrunden und die Einarbeitung in die neue Thematik erleichtern. Hilfreich ist dabei auch das umfangreiche Stichwortverzeichnis, das die Themen des Kommentars leicht erschließt.

Der Namensgeber versteht es vorzüglich, die komplexe Materie des Zwangsversteigerungsrechtes verständlich und prägnant darzustellen. Er scheut sich dabei auch nicht, das Verständnis durch Grafiken, z. B. zum Eigentumserwerb nach Beschlagnahme (§ 28 Rn. 10) oder zur Schuldübernahme durch den Ersteher, (§ 53 Rn. 8), zu erleichtern.

 Für Anwender, die nicht ständig im Zwangsversteigerungsrecht zuhause sind, besonders hilfreich ist die Kommentierung zur Feststellung des geringsten Gebots nach §§ 44, 45 ZVG. Hier arbeitet der Verfasser sowohl mit Grafiken aus auch mit kleinen und ausführlicheren Beispielen, um zunächst die Grundsätze und danach die Spezialprobleme bei der Berechnung des geringsten Gebots deutlich zu machen. Dabei erleichtert die Verwendung der Beispielsbeträge sehr, die jeweilige Berechnung nachzuvollziehen. Abschließend hat der Verfasser einen ausführlichen Beispielsfall nebst Lösung aufgenommen, in den er nicht nur verschiedene Grundpfandrechte unterschiedlicher Rangstufen, sondern auch ein Wohnungsrecht sowie die Anmeldung von Grundsteuer, Erschließungsbeiträgen und Schornsteinfeger-Kehrgebühren aufgenommen hat.

 Das Kapitel zur Zwangsverwaltung (§§ 146 - 161 ZVG) wurde überarbeitet und aktualisiert von Herrn Professor Ulrich Keller. Schwerpunkt der Neubearbeitung waren dabei vor allem die Vergütung des Zwangsverwalters (bei § 152a ZVG) und die Haftung des Zwangsverwalters (§ 154 ZVG). Zu beiden Themen gibt der Bearbeiter umfangreiche Übersichten der aktuellen Rechtsprechung und Literatur.

 Entsprechend dem übrigen Anspruch des Kommentars ist auch die Kommentierung zur Zwangsverwaltung kurz und prägnant gehalten, jedoch jeweils mit (teilweise auch sehr umfangreichen) aktuellen Rechtsprechungs- und Literaturhinweisen versehen. Positiv hervorgehoben werden kann, dass aktuelle Diskussionen zumindest dem Kern nach abgebildet werden. Beispielhaft ist hier zu nennen die frühere sogenannte kapitalersetzende Nutzungsüberlassung. Durch das MoMiG (Gesetz zur Modernisierung des GmbH-Rechts und zur Bekämpfung von Missbräuchen vom 23.01.2008, BGBl. I S. 2026) wurden die Kapitalersatzregeln im GmbH-Gesetz abgeschafft und u. a. in §§ 39 Abs. 1 Nr., 135 InsO neu geregelt. Allerdings ist noch unklar, wie sich die Neuregelung auf die Zwangsverwaltung auswirkt. Insbesondere zu der Frage, ob nach § 135 Abs. 3 InsO ein Nutzungsentgelt an den Zwangsverwalter zu zahlen ist, verweist der Bearbeiter auf ausführlichere aktuelle Abhandlungen, was dem Anspruch der Kommentierung völlig genügt, da das Problembewusstsein geschaffen und weiterführende Hinweise gegeben wurden.

 Bedauerlich ist, dass einige Paragrafen nicht kommentiert wurden (u. a. §§ 135 - 145a, 162 - 179 ZVG). Selbst wenn der Umfang des Kommentars dadurch erhöht würde, bliebe für eine Neuauflage zu hoffen, dass zumindest kurze Einführungen in die jeweiligen Themenbereiche gegeben werden.

 Empfehlenswert ist der Erwerb der Neuauflage des ZVG-Kommentars von Böttcher insbesondere, um einen Einstieg in das ZVG oder einen Überblick über die relevanten Probleme zu gewinnen. Sofern in der Praxis jedoch häufiger und vertiefter mit dem ZVG gearbeitet wird, sollte zusätzlich die zitierte Rechtsprechung oder Literatur oder ein umfangreicherer Kommentar hinzugezogen werden.

 

Rechtsanwältin Dr. Claudia R. Cymutta, Mannheim