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Kuselit Rezensionen

Gast, Wolfgang - Juristische Rhetorik

Titel: Juristische Rhetorik Cover
Autor: Gast, Wolfgang
Verlag: Verlagsgruppe Hüthig Jehle Rehm
Ort: Heidelberg
Jahr: 2006
Seiten: 473
Preis: 75 €
ISBN: 978-3-8114-1909-4
Internet: http://www.huethig-jehle-rehm.de/
Rezensent: Schwarz, Axel
Quelle: Kuselit Verlag GmbH

 

 

Hermeneutische Blackbox[1]

 

Bewertung

Ausgezeichnetes Lehrbuch praktischer Rhetorik

Inhalt

Grundlegung und Techniken juristischer Rhetorik

Zielgruppe

Juristen (Studierende, Wissenschaftler und Praktiker) und ganz besonders Rechtsanwälte

Was kann man lernen?

Professionelle Souveränität

Herausgeber / Autor

Prof. Dr. i.R. Wolfgang Gast, Justus-Liebig-Universität Gießen[2];

apl. Prof. der Universität Mannheim[3];  

verzeichnet im Anwaltssuchdienst McAdvo[4].

 

Wolfgang Gasts „Juristische Rhetorik“ ist zeitlos empfehlenswert, unabhängig von der jeweiligen Auflage und für jeden Juristen![5] Das gilt für den Studierenden, der sich an einen Umgang mit dem Recht herantasten muss genauso wie für den erfahrenen Praktiker oder Wissenschaftler. Gasts „Juristische Rhetorik“ zielt auf Einverständnis und Konsens, zu dessen Erzielung er auf den Syllogismus zurückgreift. Doch bereits das unkommentiert vorgestellte Glanzstück der „Rede des Marcus‘ Antonius‘ wider die Attentäter“ aus Shakespeares‘ Drama (RZ 96) zeigt, dass es damit nicht sein Bewenden haben kann:

„Mitbürger! Freunde! Römer! Hört mich an:

Begraben will ich Caesarn, nicht ihn preisen.“

Marc Anton nennt weder die Prämisse seiner Argumentation, spricht behutsam Gefühl und Pathos an und vermeidet, „die logische Zange zu zeigen“. Die anfänglich glaubhafte Achtungserklärung „Brutus ist ein ehrenwerter Mann“ verwandelt sich unmerklich und zwangsläufig in Ironie und Hohn, rechtfertigt Cäsar und besiegelt das Schicksal der Attentäter. Nun könnte man einwenden, Marc Antons Rede sei nicht Ausdruck juristischer Rhetorik. Gast jedoch zeigt minutiös die Verbindung zur Rechtsfindung, erhellt, wie und mit welchen Techniken offenen und verdeckten Interessen zum Durchbruch verholfen werden kann. Aber dient das der Gerechtigkeit?

Es wird wohl immer so sein, dass die Mächtigen sich der besten Redner zu vergewissern suchen. Gerade in einer Zeit der Mediengesellschaft mit ihrer allgegenwärtigen Manipulation bieten rhetorische Fertigkeiten hervorragende Verdienstmöglichkeiten. Gast jedoch wehrt sich gegen Manipulation und beruft Verantwortung, Sachlichkeit und Ethos (RZ 1279 ff) gegen schlaue Kniffe und überrumpelnde Taktik, kurz gegen jene 38 Kunstgriffe der „Dialektischen Eristik. Die Kunst, Recht zu behalten“ (RZ 1261) aus dem Nachlass des Misanthropen Artur Schopenhauer. Dazu zählen Unterstellungen, (dezente) Verfälschungen, Verdrängungen, Verdrehungen und Verzerrungen, Übertreibungen, falsche Verallgemeinerungen, Ablenkungen, Angriffe auf die Person und der Einsatz von Feindbildern. 

Nur wer darauf verzichtet, wird letztlich seine Glaubwürdigkeit bewahren können. Wie man trotzdem und gleichzeitig rhetorisch überzeugen kann, zeigt Wolfgang Gasts „Juristische Rhetorik“ in allen Facetten auf eine lehrreiche und gleichwohl amüsante Weise. Weder fehlen interdisziplinär-wissenschaftliche und historische Grundlegungen, noch mangelt es an anschaulichen Beispielen. Der Leser lernt, wie die klassischen Auslegungsmethoden zu gebrauchen sind, welche Argumentationsformen zu welchem Argumentationsstil passen, wie Enthymeme (verkürzte Syllogismen, RZ 924 ff) und wie Fragen einzusetzen sind. Logik und Pathos finden dosiert zusammen! Metaphern verwandeln juristische Fachsprache in geradezu unwiderstehliche Waffen!

Wer Wolfgang Gasts „Juristische Rhetorik“ verinnerlicht, wird im Gerichtssaal und anderswo immer die unausgesprochene Atmosphäre verbreiten, das Recht zu vertreten und auf seiner Seite zu haben.

Nichts ist förderlicher für das Gewissen wie für eine juristische Karriere!

 

Dr. Axel Schwarz, Moritzburg



[1] RZ 828. Die Internetadressen dieser Rezension wurden am 9.2.2011 abgerufen.

[2] http://www.uni-giessen.de/cms/fbz/fb05/germanistik/abliteratur/glm/uber-uns/wimi/prof-dr-wolfgang-gast.

[3] http://www.servat.unibe.ch/rphil/wiw/gast,_wolfgang.html.

[4] http://www.mcadvo.com/DE/de/rechtsanwalt_heidelberg/130_1015532bd_Wolfgang_Gast_69124_Heidelberg.html

[5] Eine Auswahl an Literatur zur Rhetorik findet sich unter http://www.gavagai.de/themen/HHPT15L.htm.