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Kuselit Rezensionen

Detlev Fischer / Marcus Obert (Hrsg.) - Festschrift für Dietrich Pannier zum 65. Geburtstag am 24. Juni 2010

Titel: Festschrift für Dietrich Pannier zum 65. Geburtstag am 24. Juni 2010 Cover
Autor: Detlev Fischer / Marcus Obert (Hrsg.)
Verlag: Heymanns
Ort: Köln
Jahr: 2010
Seiten: 482
Preis: 119,00
ISBN: 978-3-452-27332-1
Internet:
Rezensent: Dr. Axel Schwarz, Moritzburg
Quelle: Kuselit Verlag GmbH

 

 

„Nur was sich ändert bleibt“[1]

oder

„Warum wir Kuselit brauchen“

 

Bewertung

Kurzweilig, interessant und notwendig

Inhalt

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von Bibliothekswesen und Informationsversorgung

Zielgruppe

Verleger, Bibliothekare und Juristen jeder Couleur

Was kann man lernen?

Vergangene und moderne Ansätze der Wissensgesellschaft zu Umgang und Bewältigung mit Information und Wissen

Herausgeber / Autor

Dr. Detlev Fischer[2], Richter am Bundesgerichtshof;

Dr. Marcus Obert[3],  Bibliotheksoberrat, Bundesgerichtshof

 

 

Detlev Fischer / Marcus Obert (Hrsg.),

Festschrift für Dietrich Pannier zum 65. Geburtstag am 24. Juni 2010

1. Auflage 2010, 482 Seite(n), gebunden, EUR 119,00,

Carl Heymanns Verlag, ISBN 978-3-452-27332-1

 

 

Im Geleitwort zu dieser Festschrift würdigen die Herausgeber Detlev Fischer und Marcus Obert die Lebensleistung von Dietrich Pannier, die in besonderer Weise etwas mit der Entwicklung der Wissensgesellschaft und spezieller der juristischen Informationsversorgung zu tun hat. Als Leiter der Bibliothek des Bundesgerichtshofs[4] hatte Pannier Zugriff auf wertvolle Handschriften und Wiegendrucke (mit beweglichen Lettern gedruckten Schriften, auch Inkunabeln genannt) sowie Rechtsliteratur aus mehr als fünf Jahrhunderten. Der Name Pannier ist mit der Regensburger Verbundklassifikation[5], der Karlsruher Juristischen Bibliographie und Kirchners Abkürzungsverzeichnis der Rechtssprache verbunden. Insgesamt 35 seiner Wegbegleiter aus Wissenschaft und Praxis ehren den Jubilar mit Beiträgen in dieser Festschrift. Der Wert dieser Beiträge wird kaum dadurch geschmälert, dass diese nicht immer einen direkten Bezug zum Wirken Pannier erkennen lassen. Diese Forderung erübrigt sich, wenn man sich vergegenwärtigt, dass es keinen Text geben kann, der nicht einen Bibliothekaren berühren könnte.

So beschreibt z.B. Claudia Holland das Beamtenrecht nach der Föderalismusreform, ohne auch nur eine Silbe auf die sich dahinter verbergende  Problematik zu verschwenden (z.B. Politische Disziplinierung unter dem Deckmantel der Wettbewerbsfähigkeit und Flexibilisierung / Erleichterung der Ämterpatronage / Aushebelung des Art. 33 GG)[6]. Denn „nicht nur der Boulevard, auch die politische Klasse ist dem Berufsbeamtentum häufig nicht wohl gesonnen“[7]. Aber immerhin findet sich bei Holland der Hinweis, dass der Bibliotheksdienst dem sprach- und kulturwissenschaftlichen Dienst zuzuordnen ist (S. 282). Entsprechend müsste dem Bibliotheksassistenten und Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste die mittlere Laufbahn, dem Diplom-Bibliothekar bzw. dem Bachelorabsolventen in Bibliothekswissenschaft oder einem vergleichbaren Fach die gehobene Laufbahn und dem Wissenschaftlichen Bibliothekar die höhere Laufbahn offen stehen.[8]

Die Verlagsinformation[9] gibt im Übrigen den wesentlichen Inhalt der Festschrift hervorragend wieder. Danach werden im ersten Teil die verschiedensten Themen aus der Rechtsgeschichte und der juristischen Zeitgeschichte und im zweiten Teil mehr das juristische Bibliothekswesen und dessen Entwicklung im In- und Ausland behandelt. Wer noch mehr über Leben und Werk Dietrich Panniers und die ihm gewidmeten Beiträge wissen möchte, sollte sich das imposante Inhaltsverzeichnis der Festschrift in ZID 37 / 2010 S. 4 unter Nummer 2 (Recht Allgemein)[10] und die zutreffend wohlwollende Rezension von Gerhard Köbler[11] ansehen.

Dennoch: Einige Schmuckstücke der Festschrift müssen einfach – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – erwähnt werden. Dazu zählen

-         das „kleine rote Büchlein“ mit dem Titel „Handbuch für den Staatsanwalt“ der DDR (Kay Nehm, S. 127 ff, 129),

-         die „Entenmaier und andere Winkeladvokaten“ (Hans Wolff Thümmel, S. 197 ff),

-         der Schutzheilige der Juristenstands und Vorkämpfer für ein Armenrecht, Ivo Hélory von Kermartin – frz. Yves Hélory de Kermartin, bret. Erwan Helouri a Gervarzhin –, der (wie man von Wolfgang Schwab S. 193 ff erfährt) auch als „Heiliger Schickanus“ in Liebesangelegenheiten bemüht wird,

-         die „wunderschöne Schlangensuppe“ (Jürgen Kaestner, S. 291 ff) als ein Rezept der modernen Behördenbibliothek, sowie

-         die Exlibris, also kleine gedruckte, oft prächtige, grafische Kunstwerke auf Papierbögen als Holzschnitt, Kupferstich, Stahlstich, Lithografie oder andere Drucktechniken (Volkert Vorwerk, S. 415 ff). Mit ihnen lässt sich zeigen, dass ein subjektives Recht (z.B. Eigentum) mehr ist als die Summe der es bildenden Einzelbefugnisse, weshalb der Eigentümer nach Verjährungseintritt vom Besitzer keine Herausgabe mehr verlangen kann. Das Eigentum besteht dann nur noch in der Chance voll zu erstarken, wenn der Eigentümer irgendwann und irgendwie doch wieder einmal den Besitz erlangt.

An dieser Stelle Wollen wir uns jedoch auf den ungebrochenen Trend vom Druckmedium zur elektronischen Verfügbarkeit konzentrieren (Marcus Obert, S. 323 ff). Unermüdlich sind die Anstrengungen der großen vier der Branche (Juris, Beck-online, Legios, Lexis-Nexis), der Abermillionen von juristischen Dokumenten Herr zu werden. Die Bibliotheken schwanken zwischen Buchdruck und Elektronik und sollen vollständig sammeln, zügig bereitstellen und sorgfältig erschließen. Wie es aussieht, stehen wir allenfalls am Anfang einer Sintflut von Informationen. Die (bereits für das Jahr 2000) geschätzten 550 Milliarden Dokumente im Internet, die ununterbrochen durch eine Tagesproduktion von etwa 75 Millionen Seiten vermehrt werden, sind nur die Spitze eines gewaltigen Eisbergs: Das darunter verborgene „deep web“ dürfte etwa 500 mal größer sein als die Datenmenge des sichtbaren Netzes (Angela Pohl und Ivo Vogel, S. 349 ff, 353). Gleichgültig wie gigantisch hoch die tatsächliche Datenmenge heute auch sein mag, eines steht fest: Die Zahl der Server und Webseiten mit juristischem Inhalt ist unüberschaubar groß und verändert das Rechercheverhalten des Juristen. Welche Ansätze es bisher gegeben hat und wohin die Reise gehen wird, zeigen  die Beiträge des zweiten Teils der Festschrift. Die Fachbibliotheken entwickeln sich zu den Wissenszentren der Zukunft. Solange die von Pannier[12] selbst geforderte Einigung mit den Verlegern über die Vergabe und Abgeltung von Rechten und entsprechende Abrechnungssysteme fehlen, werden Fortschritt und Zukunft der Wissenschaft gebremst.

Hier erweist sich Kuselit als Retter in der Not. Als „Verlag für die Verlage“ kooperiert Kuselit interdisziplinär mit über 70 Fachverlagen und informiert aktuell über die Neuerscheinungen auf dem juristisch relevanten Buchmarkt. Der Stand der juristischen Technik lässt sich praktisch aktuell durch die bibliographische Auswertung, von täglich rund 30 Fachzeitschriften (von insgesamt etwa 700 Periodika) erschließen. Eine inhaltliche Qualitätskontrolle sorgt dafür, dass jede Quelle (insbes. Aufsätze) die für sie spezifischen Zuordnungen nach Rechtsgebieten, relevanten Normen, Stichworten, Ländercodes bzw. OLG-Bezirke erhält.

Kurz und gut:

Mit Kuselit werden die juristischen und anderen relevanten Zeitschriften als Ganzes zu einem systemischen Bestandteil der Rechtskultur[13]. Ohne Kuselit ist wissenschaftliches Arbeiten heute nicht mehr möglich!

Pannier hat sicher seine Freude daran!

 

Dr. Axel Schwarz, Moritzburg

 



[1] Zitiert nach Dietrich Pannier, „Der Staudinger als bibliothekarische Herausforderung“, http://www.degruyter.de/cont/imp/staudinger/staudingerBibl.cfm.

[2] http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=pm&Datum=2005&nr=34266&pos=22&anz=180.

[3] http://www.bundesgerichtshof.de/DE/Bibliothek/BibKontakt/Ansprechpartner/ansprechpartner_node.html

[4] http://www.bundesgerichtshof.de/cln_134/DE/Bibliothek/Bibliothek_node.html.

[5] die sich aus einer Haussystematik für die neugegründete Universitätsbibliothek Regensburg entwickelte, http://rvk.uni-regensburg.de/.

[6] Vgl. die Kuselit-Rezensionen

a. „Die letzte Bastion – Verfall einer Republik“, zu Balzer, Ralph, Republikprinzip und Berufsbeamtentum. Schriften zum öffentlichen Recht SÖR 1120.  Duncker & Humblot, Berlin 2009, ISBN 978-3-428-12905-8, http://www.kuselit.de/rezension/15690/Republikprinzip-und-Berufsbeamtentum.html; und

b. „Beutesystem“, zu: Lindenschmidt, Christian, Zur Strafbarkeit der parteipolitischen Ämterpatronage in der staatlichen Verwaltung, Duncker & Humblot, Berlin 2004,  Schriften zum Strafrecht (SR) 156, ISBN 978-3-428-11319-4, EUR 59,80; http://www.kuselit.de/rezension/15857/Zur-Strafbarkeit-der-parteipolitischen-%C4mterpatronage-in-der-staatlichen-Verwaltung-.html und ZID 24/2010 Nr. 12 (http://www.kuselit.de/zid/pdf/201024.pdf).

Immerhin kann nach der neueren Rechtsprechung ein politisch protegierter Bewerber seines Amtes nicht mehr sicher sein (Klaus Herrmann, Neue Risiken bei vorzeitiger Ernennung im beamtenrechtlichen Konkurrentenstreit, NJW 2011, 653 ff), auch wenn jahrelange kommissarische Bestellung nach wie vor den Rechtsschutz unterminieren.

[7] So Josef Franz Lindner, „Streikrecht für Beamte? Eine Kritik der Demontage des Berufsbeamtentums aus aktuellem Anlass, Der Online-Spiegel für das Öffentliche Recht (PUBLICUS) 3/2011, S. 15, 16.

[8] So die Webseite der Universitätsbibliothek der Technischen Universität München,

http://opencms.ub.tum.de/ausbildung/ausbildung.html.

[9] http://shop.wolterskluwer.de/wkd/shop/shop,1/festschrift-fuer-dietrich-pannier,978-3-452-27332-1,carl-heymanns-verlag,45110/.

[10] http://www.kuselit.de/zid/pdf/201037.pdf

[11] http://www.koeblergerhard.de/ZRG128Internetrezensionen2011/FestschriftfuerDietrichPannier.htm.

[12] Dietrich Pannier, Mit Jason subito ad-hoc ins Abseits? Persönliche Bemerkungen eines nichtuniversitären Kollegen, http://www.google.de/url?sa=t&source=web&cd=6&ved=0CEMQFjAF&url=http%3A%2F%2Fwww.bis.uni-oldenburg.de%2Fbisverlag%2Fhv1%2F62-panni.pdf&rct=j&q=Festschrift%20f%C3%BCr%20Dietrich%20Pannier%20inhaltsverzeichnis&ei=00HJTcnyIJCTswbL3PCXAw&usg=AFQjCNFAIXAg4AC6BF9lzuPcVOBIWR7llg&sig2=QBPCnU4mpHI0xKeumgj-VQ

[13] Vgl. dazu Werner Krawietz, Multiple Modernität in den juristischen Zeitschriften – Rechtstheorie ist super!, JURIDICA INTERNATIONAL XVII/2010, S. 11, http://www.juridicainternational.eu/public/pdf/ji_2010_1_11.pdf.