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Kuselit Rezensionen

Greger, Reinhard \\ Frfr. von Münchhausen, Christine - Verhandlungs- und Konfliktmanagement für Anwälte

Titel: Verhandlungs- und Konfliktmanagement für Anwälte Cover
Autor: Greger, Reinhard \\ Frfr. von Münchhausen, Christine
Verlag: Verlag C.H. Beck
Ort: München
Jahr: 2010
Seiten: 259
Preis: 38,00
ISBN: 978-3-406-60188-0
Internet: http://www.beck.de/
Rezensent: Hebrank, Klaus
Quelle: Kuselit Verlag GmbH

 

Reinhard Greger | Christine Frfr. von Münchhausen

Verhandlungs- und Konfliktmanagement für Anwälte

München 2010. ISBN 978-3-406-60188-0


Anwälte bzw. deren Mandanten sind oft auf die Konflikte oder Konfrontationen aus. Häufig geht es darum „Recht zu haben“, „nur ums Prinzip“ oder „um den anderen zu ärgern“. Unabhängig von der dahinterstehenden ethischen Frage, stellt sich auch die Frage, warum solche Aussagen getroffen werden.

Verhandeln wird von Anwälten vorausgesetzt, findet sich aber nicht in den meisten Prüfungsordnungen. Dort werden hauptsächlich viele Inhalte vermittelt, die sich schnell überholen können. Schlüsselqualifikationen sind nur Randerscheinungen, auf Kompetenzen wird wenig Rücksicht genommen. D. h. die Praxis kommt zu kurz. Der Anwalt muss schon bei Annahme des Mandates verhandeln (nicht zu letzt um sein Honorar oder auch nur das gesetzliche Honorar verteidigen). Verhandeln kann zu besseren Ergebnissen führen, als die Austragung eines Konfliktes. Bei Konflikten geht es häufig um Positionen, nicht berücksichtigt werden die Interessen der beteiligten Personen.

Recht ist zum Zusammenleben wichtig, wichtiger ist aber das Verständnis untereinander. Die vorhandene Überkodifikation schafft die Situationen, dass man sich gerne auf sein Recht beruft. Schon Savigny hat im Kodifikationsstreit 1814 geäußert, dass das Recht sich aus dem Volke bildet. Dieses ist durch eine rege Gesetzgebung und Rechtsprechung nicht mehr möglich. Das Volk schaut nicht mehr auf das Zusammenleben, sondern auf das geschriebene Recht und beruft sich darauf. Dabei verkennen die Personen, dass sie auch anders handeln könnten und dadurch besser zusammenleben könnten. Hier liegt der Ansatz der konsensorientierten Konfliktlösung.

Das Werk ist in fünf Teile gegliedert: Der erste Teil gibt einen Überblick über die Stationen des anwaltlichen Konfliktmanagements. Im zweiten Teil werden die Grundlagen der Kommunikation geschildert. Theoretische und praktische Ausführungen zur Verhandlung bilden den dritten Teil. Der vierte Teil behandelt das anwaltliche Konfliktmanagement in den einzelnen Formen der Streitbeilegung.

Besonderer Wert wird auf die Differenzierung der einzelnen möglichen Streitbeilegungsmethoden/-verfahren gelegt. Dem Laien erschließen sich diese Möglichkeiten nicht unbedingt. Daher sollte der Anwalt diese Möglichkeiten kennen und seinem Mandanten Empfehlungen aussprechen können. Nicht jede Möglichkeit ist für jeden Streitfall zu empfehlen, mache schließen sich sogar für bestimmte Fälle aus.

Ein Grundsatz der Verhandlung (der u. a. in der Politik verloren gegangen ist) ist der der Streitkultur. Man sollte die Sache vom Persönlichen trennen. Hierdurch wird die Verhandlung entspannter, selbst, wenn in der Sache hart verhandelt wird. Hinterher muss man immer ein Bier trinken gehen können.

Geschildert werden auch Fragen zur zeitlichen Komponente (insbesondere zur drohenden Verjährung) und den Kosten für alternative Verfahren.

Das Werk enthält ein umfangreiches ABC der Konfliktlösung, ein ausführliches Sachverzeichnis, ein aktuelles Literaturverzeichnis und einen umfangreichen Anhang mit Musterformularen und Adressen.

Wahrscheinlich wird dieses Buch wieder leider nur von den Personen gelesen, die es gar nicht bräuchten. Der Inhalt gehört in jede juristische Ausbildung, damit Konflikte bereits in sehr frühen Stadien vermieden oder beendet werden können. Dieses würde auch helfen die Gerichte zu entlasten und dazu führen, dass das Gericht nicht mehr überwiegend Sachaufklärung betreiben muss, sondern tatsächlich rechtlich entscheiden kann.

Insgesamt ein Werk, das für jede juristisch tätige Person zu empfehlen ist.

 

Klaus Hebrank

Rechtsanwalt und Dozent

Lehrbeauftragter an der hessischen Berufsakademie und Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie