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Kuselit Rezensionen

Epple, Dieter - Muster für Testamente

Titel: Muster für Testamente Cover
Autor: Epple, Dieter
Verlag: Richard Boorberg Verlag
Ort: Stuttgart
Jahr: 2010
Seiten: 58
Preis: 6,80 €
ISBN: 978-3-415-04477-7
Internet: http://www.boorberg.de/
Rezensent: Guérin-Kettern, Gota
Quelle: Kuselit Verlag GmbH

 

 

Das handliche, nur 58 Seiten umfassende Heft bietet einen Überblick über verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten des letzten Willens. Es richtet sich an Leser, die sich sehr genau informieren wollen, bevor sie ihr Testament verfassen. Nicht ganz klar wird, ob der Verfasser sich wirklich an Laien wenden will. Dazu ist das Büchlein mit zu vielen Fußnoten gespickt. Jede Seite enthält mehrere Fußnoten, zum Teil nehmen diese mehr als die Hälfte der Seite ein. Das erschwert das Lesen für den Leser, der sich lediglich einen Überblick verschaffen will. Der Verfasser sollte sich klarer entscheiden, welche Zielgruppe er ansprechen möchte. Dann verweist der Verfasser mehrfach darauf, wie wichtig es ist, in bestimmten Fällen juristische Sachkunde einzuholen. Bereits in seinen „Hinweisen für den Benutzer“ schreibt der Autor, ein Notar a.D., „sind keine einfachen Regelungen zu treffen, sollte ein Notar zugezogen werden“. Selbstverständlich haben nicht nur Notare juristische Sachkunde.

Teilweise sind die Vorschläge nicht praxisgerecht. Wenn beispielsweise die Erben mit der Verpflichtung belastet werden, einem Dritten lebenslange Wart, Pflege und Unterhaltsleistungen zukommen zu lassen( § 9, Seite 42), so kann dies die Erben überfordern. Da es i.d.R. mehrere Wochen dauert, bis ein Testament eröffnet wird, kann bis dahin die kurze Ausschlagungsfrist bereits abgelaufen sein, sodass sich die Erben unerfüllbaren Forderungen gegenüber sehen. Eine solche langfristige umfassende Regelung sollte immer einem Vertrag vorbehalten werden.

Auf den Seiten 24/25  wird in dem Mustertestament 12 dem Sohn Anton ein Übernahmerecht am väterlichen Betrieb eingeräumt und er gleichzeitig ebenfalls mit umfangreichen Verpflichtungen belastet. Rechnerisch scheint dieses Beispiel so ungünstig für Anton zu sein, dass er in der Praxis wohl ausschlagen würde und die Erben dann mit der Auszahlung des Pflichtteiles belastet wären.

In Muster 15 Ziff. 4 (Seite 32) wird vorgeschlagen, dass der Erblasser im Testament die Ausgleichung/Anrechnung unter Geschwistern anordnet. Das ist nach der aktuellen Gesetzeslage so nicht möglich.

In Muster 16 werden Geschwister als Erben eingesetzt und der Mutter ein Nießbrauchsrecht am Nachlass eingeräumt. Das sofort ins Auge springende Problem der dann anfallenden Erbschaftssteuer erkennt der Verfasser und erwähnt es in seiner Fußnote dazu. Besser wäre, wenn er es in einem Satz im Text erwähnt hätte. Hier frißt nämlich die Steuer einen großen Teil der Erbschaft der Geschwister, was auch den Nießbrauch der Mutter schmälern würde.

In Muster 18 soll der Testamentsvollstrecker die Auseinandersetzung „nach billigem Ermessen“ vornehmen. Eine solche Formulierung provoziert Streit. Die dort weiter unten gewährte Testamenstvollstreckervergütung erscheint überhöht.

Insgesamt ersetzt der Band keine fundierte Rechtsberatung Aktualisiert und etwas straffer gehalten würde er einen guten Überblick über verschiedenen Möglichkeiten gewähren.

 

RAin. Gota Guérin-Kettern, Wiesbaden