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Kuselit Rezensionen

Junker, Abbo \\ Kamanabrou, Sudabeh - Vertragsgestaltung

Titel: Vertragsgestaltung Cover
Autor: Junker, Abbo \\ Kamanabrou, Sudabeh
Verlag: Verlag C.H. Beck
Ort: München
Jahr: 2010
Seiten: 187
Preis: 22,90
ISBN: 978-3-406-59383-3
Internet: http://www.beck.de/
Rezensent: Lakies, Thomas
Quelle: Kuselit Verlag GmbH


Die traditionelle Juristenausbildung orientierte sich am Leitbild des streitentscheidenden Richters. Das ist von der Wirklichkeit überholt. Die meisten Juristen werden nicht Richter, sondern Rechtsanwälte. Tendenziell ist die Juristenausbildung aber zumindest noch insofern „justizlastig“ als sie den forensisch tätigen Juristen im Auge hat. Der junge Jurist soll lernen, wie er möglichst geschickt einen Streitfall vor Gericht vertritt. Es geht um die reaktive Rechtsanwendung, weniger um die aktive Rechtsgestaltung. Nur langsam treten die eigentlichen Herausforderungen für den Juristen in den Vordergrund der Ausbildung – die Rechtsberatung und Vertragsgestaltung. Neben juristischen sind hier vor allem auch außerjuristische Fertigkeiten gefragt.

Die Autoren dieses „Studienbuches“ zur Vertragsgestaltung sind Professoren des Rechts, haben also mit der Praxis der Rechtsberatung und Vertragsgestaltung selbst unmittelbar weniger zu tun. Ihnen gelingt es gleichwohl die Grundlagen der Vertragsgestaltung in einem einführenden Kapitel und in einem Kapitel zu „Vertragsverhandlungen“ auf rund 40 Seiten anschaulich zu machen. Der Vertragsjurist (Kautelarjurist) muss bei der Vertragsgestaltung vor allem im Auge haben, dass mit dem Vertrag ein bestimmter Zweck erfüllt werden soll. Das ist bei der Informationsgewinnung und der letztlichen Niederlegung des Vertrages zu beachten. Nicht immer klappt alles so, wie es soll – deshalb bedarf es vertraglicher Regelungen zur „Störfallvorsorge“ (Risikoplanung). Die Autoren schildern die einzelnen Schritte der Vertragsgestaltung, flechten hierbei kleine Beispiele ein und gliedern die Darstellung mit der Hilfe von „Merksätzen“ wie etwa: „Konflikte versucht der Vertragsjurist durch Anreize, Sanktionen und Sicherungsmittel zu vermeiden. Beispiele sind Vorleistungen (Anreiz), Vertragsstrafen (Sanktionen) und Vormerkungen (Sicherungsmittel bei Immobiliargeschäften).“ (Seite 14)

Bei dem Kapitel über „Vertragsverhandlungen“ stellen die Autoren vor allem Verhandlungsfallen (Manipulationstechniken) und Verhandlungsstrategien – wieder mit kleinen Beispielen und Merksätzen – dar. Bei den Verhandlungsstrategien schildern sie insbesondere mit deutlicher Sympathie die „Harvard-Verhandlungsmethode“ (vgl. Fisher/Ury/Patton, Harvard-Konzept, 23. Auflage 2009).

Hauptteil des Buches (rund 140 Seiten) sind konkrete Anwendungsbereiche der Vertragsgestaltung: Gestaltung Allgemeiner Geschäftsbedingungen (AGB), Erwerb beweglicher Sachen (Beispiel: Kauf eines Investitionsguts), Sicherung von Forderungen (Beispiel: Sicherungsübereignung), Erwerb unbeweglicher Sachen (Beispiel: Erwerb eines Villengrundstücks), Vertragsgestaltung im Gesellschaftsrecht (Beispiel: Errichtung einer GmbH), Vertragsgestaltung im Arbeitsrecht (Beispiel: Aufhebungsvertrag), Gestaltung internationaler Verträge (Beispiel: Grenzüberschreitende Lieferverträge).

Den Autoren gelingt es, die Probleme der Vertragsgestaltung durch die konkrete Darstellung von Anwendungsfällen anschaulich zu machen. Insbesondere der junge Jurist und der Jurist in der Ausbildung erhalten wertvolle Anregungen, wie sie sich den komplexen Problemen der Vertragsgestaltung sachgerecht stellen können. Wie in vielen Bereichen, gilt auch hier: Übung macht den Meister. Die konkrete Verhandlung und Gestaltung von Verträgen erfolgen in der täglichen Praxis. Doch keine Praxis ohne Theorie: das notwendige Rüstzeug und die Anwendungstechnik liefern das hier besprochene Studienbuch in kompakter Weise.


Thomas Lakies, Berlin