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Kuselit Rezensionen

Alpmann-Pieper, Annegerd - Brockhaus

Titel: Brockhaus Cover
Autor: Alpmann-Pieper, Annegerd
Verlag: Verlag C.H. Beck
Ort: München
Jahr: 2010
Seiten: 1500
Preis: 38,00
ISBN: 978-3-406-57917-2
Internet: http://www.beck.de/
Rezensent: Muthorst, Olaf
Quelle: Kuselit Verlag GmbH


Annegerd Alpmann-Pieper

Brockhaus, Studienlexikon Recht

3. Aufl., München 2010

ISBN 978-3-406-57917-2

 

 

Das hier zu besprechende Werk, das bei C. H. Beck erscheint, lässt Großes erwarten: Nicht allein wegen des Namens Brockhaus, auch die Rückseite des fast 1.500 Seiten schweren Werkes verspricht viel: Das „umfassende Nachschlagewerk für die juristische Ausbildung und die berufliche Praxis“ wirbt unter anderem mit „rund 7.700 Stichwörtern aus allen Rechtsbereichen“.

Auch ohne Nachzählen lässt sich sagen, dass es bei einem noch gut vertretbaren Umfang gelungen ist, eine erstaunliche Vielzahl von Begriffen des Zivil-, des öffentlichen und des Strafrechts gleichermaßen zu berücksichtigen. Das erlaubt es nicht nur, gezielt Informationen zu einem bestimmten Thema zu bekommen, auch zum Herumstöbern lädt das Lexikon ein. Die ganze Vielfalt des Rechts findet man hier abgebildet.

Vereinzelt erleichtern auch Literaturhinweise eine vertiefende Recherche. Gerade für ein Studienlexikon ist das naheliegend, denn es dient nicht der bloßen Dokumentation, sondern es hat den lernenden Zugang zur Rechtsordnung im Blick. Deshalb erscheint dieser Ansatz noch ausbaufähig. So gibt es einen Literaturhinweis zu dem Stichwort „Bauaufsicht“, zu „Gewerbe“ und unzähligen anderen Stichworten jedoch nicht. Auch die angepriesenen Fallbeispiele sind rar gesät. Hingegen finden sich immer wieder gerichtliche Leitentscheidungen und veranschaulichende Grafiken (wobei es aber etwa eine solche zum „Emissionshandel“, jedoch keine Übersicht zum „Besitz“ gibt).

 

Nicht jeder Artikel, auf den man beim Blättern stößt, erscheint gleichermaßen unverzichtbar. Nach „Interzonenhandel“ etwa werden nur Wenige suchen. Manchem Schlagwort würde auch eine explizite Verweisung auf andere Artikel gut zu Gesicht stehen, so etwa bei „Landtag“ auf „Parlament“, bei „Mangel“ auf „Gewährleistung“. „Irrtum“ wird allein strafrechtlich beleuchtet, erst über „Irrtumsanfechtung“ gelangt man zum Artikel „Anfechtung“. Dort geht es aber zunächst um Arbeitsrecht, dann um verschiedene erbrechtliche Konstellationen, und als gäbe es dazu nicht einen Zusammenhang, wird dann das allgemeine Zivilrecht behandelt. Die §§ 129 ff. InsO werden (im Unterschied zum Anfechtungsgesetz) gar nicht erwähnt. Bei „Sicherungsverwahrung“ befriedigt die knappe Darstellung der geltenden Rechtslage nicht, so gelungen sie auch sein mag; knappe Hinweise auf kritische Stimmen wären hier wünschenswert gewesen. Schließlich würde auch von einem Prüfungskandidaten erwartet werden, dass er etwas zu solchen Positionen sagen kann. Wikipedia – diesem Vergleich wird das „Studienlexikon Recht“ sich stellen müssen – ist in dieser Hinsicht ein kleines Stück weiter. Auch zu anderen Schlagwörtern wie „Praktische Konkordanz“ hält das Online-Lexikon die überzeugenderen Artikel bereit (vom „Ausgleich der sich widerstreitenden Verfassungsgüter“ zu lesen, ist auch sprachlich kein Genuss). Einen Eintrag zu „Senat“ sucht man vergebens. Auch bei „Konkordat“ oder „Staatskirchenvertrag“ muss das Studienlexikon passen, desgleichen ist „Staatsvertrag“ kein Thema. Bei „kapitalersetzende Darlehen“ oder „Erbenbesitz, fiktiver“ ist das „Studienlexikon Recht“ jedoch besser aufgestellt, hier ist die virtuelle Konkurrenz abgeschlagen. Ohnehin sind diese Beobachtungen Kleinigkeiten angesichts der Menge des verarbeiteten Stoffes und der dabei ganz überwiegend erreichten, sehr ordentlichen Qualität.

Im Vergleich zur Vorauflage fällt auf, dass das leicht angestaubte Coverdesign einer moderneren Variante gewichen ist. Ferner ist aus dem „Fachlexikon“ ein „Studienlexikon“ geworden, was im Hinblick darauf, dass sich das Werk laut Eigenaussage auch in der dritten Auflage ebenso für die „berufliche Praxis“ eignen soll, Verwirrung stiften könnte.

Wer einen schnellen Einstieg in ein Thema sucht, dem ist das „Alpmann Brockhaus Studienlexikon Recht“ ein wertvoller Begleiter, dessen Preis von 38 € sich nicht nur durch seinen Umfang, sondern nicht minder durch den zu erwartenden Ertrag rechtfertigt.

 

Olaf Muhtorst


* Jun.-Prof. Dr. iur., Juniorprofessor für Bürgerliches Recht mit Zivilprozessrecht an der Universität Hamburg