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Kuselit Rezensionen

Jooß, Alexander - Die Drittanstellung des Vorstandsmitglieds einer Aktiengesellschaft

Titel: Die Drittanstellung des Vorstandsmitglieds einer Aktiengesellschaft Cover
Autor: Jooß, Alexander
Verlag: Richard Boorberg Verlag
Ort: Stuttgart
Jahr: 2010
Seiten: 240
Preis: 49.80
ISBN: 978-3-415-04381-7
Internet: http://www.boorberg.de/
Rezensent: Schön, Sandra
Quelle: Kuselit Verlag GmbH

 

Der Anstellungsvertrag zwischen einer Aktiengesellschaft und dem jeweiligen Vorstandsmitglied kommt unmittelbar zwischen diesen Parteien zustande. Dieses Vertragswerk beinhaltet die schuldrechtlichen Beziehungen zwischen Vorstand und Gesellschaft und ist von der gesellschaftsrechtlichen Bestellung des Leitungsorgans als dem körperschaftsrechtlichen Organisationsakt zu unterscheiden. Regelmäßig wird der Anstellungsvertrag des Vorstandmitglieds rechtlich als Dienstvertrag zu kategorisieren sein.

Ausweislich von § 76 Absatz 1 Aktiengesetz ist der Vorstand einer Aktiengesellschaft verpflichtet, die Gesellschaft unter eigener Verantwortung zu leiten. Diesbezüglich besteht in Fachkreisen allgemeiner Konsens dahingehend, dass Vorstände von Kapitalgesellschaften sowohl aufgrund ihrer organschaftlichen wie auch schuldrechtlichen Pflichten gehalten sind, zuvörderst die Interessen „ihrer“ Gesellschaft wahrzunehmen.

Offensichtlich in Widerspruch zu dem vorbezeichneten Leitbild ist in der Rechtswirklichkeit die Drittanstellung des Vorstandsmitglieds einer Aktiengesellschaft ein überaus weit verbreitetes Phänomen. Von einer „Drittanstellung“ spricht die Fachliteratur in diesem Kontext, wenn das Vorstandsmitglied einer Gesellschaft auch aufgrund eines Anstellungsvertrages zu einem Dritten tätig wird. So schließen Vorstände häufig neben ihren Dienstverträgen mit der Gesellschaft zusätzliche Anstellungsverträge mit weiteren Gesellschaften, vor allem solchen binnen des (mehrstufigen) Konzerns, ab. Im Hinblick darauf, dass auch insoweit die Interessen der anzustellenden (dritten) Gesellschaft zu wahren sind, ist eine unauflösliche Kollision der verschiedentlichen Verpflichtungen scheinbar vorprogrammiert.

Inwieweit derartige Drittanstellungsverträge zulässig sind, wird in der einschlägigen Fachliteratur kontrovers diskutiert. Die überwiegende Auffassung erachtet – soweit ersichtlich – Drittanstellungen im Grundsatz gleichermaßen als gesellschafts- wie steuerrechtlich zulässig und wirksam, jedenfalls soweit eine allfällige dienstrechtliche Weisungsbefugnis des Dritten gegenüber dem Vorstand nicht in dessen eigenverantwortliche Leitungsbefugnis eingreift. Dieses Ergebnis wird mittels einer Auslegung des Drittanstellungsvertrages erzielt, welchem unter Zugrundelegung einer verständigen Würdigung die Überlagerung der dienstrechtlichen Weisungsbefugnis des Dritten durch zwingende gesellschaftsrechtliche Bestimmungen entnommen wird. Inhaltliche Stellungnahmen zu diesem rechtlichen Themenkomplex liegen bislang weder aus höchstrichterlicher noch instanzgerichtlicher Rechtsprechung vor.

Die Dissertation von Jooß setzt sich dezidiert mit der vorbezeichneten rechtlichen Fragestellung auseinander. Es gelingt dem Autor mit Bravur, den aktuellen wissenschaftlichen Diskussionsstand zum Anstellungsvertrag des Vorstandsmitglieds umfassend abzubilden und zugleich einer eigenen kritischen Würdigung zu unterziehen. So widmet sich die Abhandlung in einem ersten Teil Fragestellungen, die das Anstellungsverhältnis im Allgemeinen betreffen, wie etwa dessen Abgrenzung zum gesellschaftsrechtlichen Bestellungsverhältnis, das Zustandekommen des Anstellungsvertrages sowie dessen potentielle Inhalte. Dem nachfolgend werden in den weiteren Teilen der Abhandlung der Drittanstellungsvertrag und eine Vielzahl damit verbundener rechtlicher Fragestellungen eingehend erörtert. Hierzu gehören vor allem die Wirksamkeit der Weisungen des Dritten, Pflichtenkollisionen und Interessenkonflikte sowie ausgewählte Haftungsfragen.

Insgesamt vermittelt das Werk dem interessierten Leser eine Fülle an grundlegendem Hintergrundwissen und weiterführenden Informationen und stellt daher einen wertvollen wissenschaftlichen Beitrag im Rahmen der fachlichen Diskussion dieses Themenkomplexes dar. Zweifelsohne ist die Abhandlung aber auch für den Praktiker von beträchtlichem Nutzen, denn das Werk ermöglicht ohne weiteres, sich binnen kürzester Zeit in den komplexen Themenbereich einzuarbeiten oder aber vorhandene Fachkenntnisse aufzufrischen und an den aktuellen Diskussionsstand in der Fachliteratur anzugleichen.


Dr. Ass. dipl.-iur. Sandra Schön M.M. (Hagen)

Volljuristin und Mediatorin (Master), Halstenbek