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Kuselit Rezensionen

Heinrich, Lutz J. \\ Stelzer, Dirk - Informationsmanagement

Titel: Informationsmanagement Cover
Autor: Heinrich, Lutz J. \\ Stelzer, Dirk
Verlag: Oldenbourg Verlag
Ort: München
Jahr: 2009
Seiten: 588
Preis: 49,80 €
ISBN: 978-3-486-59068-5
Internet: http://www.oldenbourg.de/
Rezensent: Dr. Axel Schwarz
Quelle: Kuselit Verlag GmbH

 

 

Reduktion von Ungewissheit[1]

 

Bewertung

Fachliche und didaktische Glanzleistung!

Inhalt

Leistungsorientierter Ansatz des Informationsmanagements (Teilgebiet der Wirtschaftsinformatik)

Zielgruppe

Studierende wirtschaftswissenschaftlicher und technischer Studiengänge, IT-Führungskräfte und Praktiker aller Disziplinen

Was kann man lernen?

Grundlagen, strategische und administrative Aufgaben und Methoden des Informationsmanagements

Herausgeber / Autor[2]

Lutz Jürgen Heinrich,

o. Univ.-Prof. em. Dipl.-Ing. Dr. rer.pol. habil., emeritierter Ordinarius für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik der Universität Linz - lehrte Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, Fertigungswirtschaft und Wirtschaftsinformatik mit Schwerpunkten Management von IT-Projekten und Informationsmanagement. Seine Forschungsschwerpunkte sind Informationsmanagement (insbesondere Strategische IT-Planung) und Wissenschaftstheorie (Theorie, Forschungsmethodik, Fachsprache und Geschichte der Wirtschaftsinformatik).

Dirk Stelzer,

o. Univ.-Prof. Dipl.-Kfm. Dr. rer. pol. habil. ,- Professor für Informations- und Wissensmanagement und Leiter des Instituts für Wirtschaftsinformatik der TU Ilmenau - lehrt Wirtschaftsinformatik in Diplom-, Bachelor- und Masterstudiengängen Wirtschaftsinformatik, Medienwirtschaft und Wirtschaftsingenieurwesen. Seine Forschungsschwerpunkte sind Informations- und Wissensmanagement, Informationsmanagement für digitale Güter und unternehmensübergreifende Integration von Informationssystemen.

 


Das Standard-Lehrbuch „Informationsmanagement. Grundlagen, Aufgaben, Methoden“ aus der Lehrbuchreihe „Wirtschaftsinformatik“ richtet sich zwar in erster Linie an Studierende wirtschaftswissenschaftlicher und technischer Studiengänge und IT-Führungskräfte. Es eignet sich aber darüber aber auch für Juristen und ist insbesondere Juristen in Verwaltung und Management anzuempfehlen, der heute nicht mehr ohne ein Wissen um ökonomische, verfassungs- und gemeinschaftsrechtliche Hintergründe auskommen sollte. Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind übrigens in einer eigenen Lerneinheit „RECHT – Informationsrecht“ (S.85 ff) umrissen, wobei ganz knapp auf Daten- und Softwareschutz, Produkthaftung, Vertrags-, Telekommunikations- sowie E-Commerce-Recht eingegangen wird.[3]

Der nächstliegende Grund für den Juristen, sich mit der Materie zu befassen, ist die ständig wachsende Akzeptanz elektronischer Behördendienste: Bereits rund die Hälfte aller Unternehmen in Deutschland kommuniziert mittlerweile auf elektronischem Wege mit der öffentlichen Verwaltung, verzichtet teilweise ganz auf Papier und wickeln einzelne Verfahren vollständig elektronisch ab.[4] Bürokratieabbau wird in Zukunft vor allem in der gesteigerten Nutzung der Informations- und Kommunikationstechnologie bestehen. Dieser Trend wird nicht zuletzt durch die Europäische Dienstleistungsrichtlinie befördert, die die elektronische Verfahrensabwicklung für grenzüberscheitende Dienstleistungen vorschreibt! Das daran angepasste deutsche Verwaltungsverfahrensrecht sieht schon jetzt die Nutzung elektronischer Abwicklung über einen sog. Einheitlichen Ansprechpartner (abgekürzt: EAP - in der Terminologie des VwVfG: einheitliche Stelle) auch für innerdeutsche Verfahren vor, leidet jedoch gleichwohl unter einem (wahrscheinlich europarechtswidrigen) Schönheitsfehler: Es lässt entgegen den Vorgaben der Dienstleistungsrichtlinie zuwider dies nicht für alle Dienstleistungen zu, sondern nur dann, wenn diese Möglichkeit ausdrücklich durch gesetzliche Vorschrift eröffnet wird.

Sicher werden viele Bürokraten innere Hemmnisse überwinden müssen, um sich an die Funktionsweise von Informationstechnik heranzupirschen. Aber nichts ist leichter als das mit dem hier vorgestellten Lehrbuch von Lutz J. Heinrich und Dirk Stelzer, das ganz hervorragend didaktisch aufgebaut und geradezu ein Musterbeispiel für moderne und effektive Lehr- und Lerntechnik abgibt. Nach Vorwort, Inhaltsverzeichnis, alphabetischem Verzeichnis der Lerneinheiten sowie einer Einführung und Grundlegung behandeln die Hauptkapitel zunächst

-         Grundlagen

-         Strategische Aufgaben und

-         Administrative Aufgaben

des Informationsmanagements, um sich sodann speziell dessen

-         Strategischen und

-         Administrativen Methoden

zuzuwenden. Das letzte Kapitel bringt Fallstudien zu Situations- und Erfolgsfaktorenanalyse sowie zu Lebenszyklus- und Geschäftsprozessmanagement. Das Ganze wird abgerundet mit einem ganz beachtlichen Literatur- sowie einem umfangreichen Schlagwortverzeichnis.

Die Hauptkapitel des Lehrbuchs wiederum sind in Lerneinheiten unterteilt. Jede Lerneinheit wird mit einem abgekürzten Stichwort / Akronym markiert. Diese mögen dem einen befremdlich oder dem anderen erheiternd erscheinen. So stehen z.B. MODIM für „Modell des Informationsmanagements“, QUALM für „Qualitätsmanagement“, SEMAN für „Servicemanagement“ und KOLER für „Kosten- und Leistungsmanagement“. Trotzdem sollte man den didaktischen Wert solcher Abkürzungen nicht unterschätzen! Den Forschungen zum Erwachsenenlernen folgend sind mindestens vier kognitive Prozesse zu unterscheiden, nämlich (1) Erinnern und Reproduzieren, (2) Verstehen und Anwenden, (3) Analysieren und Bewerten sowie (4) Kreatives Schaffen und Weiterentwickeln. Gerade die ungewöhnlichen und bildhaften Abkürzungen und die damit verbundenen Assoziationen erleichtern und stärken Erinnerungsvermögen und -leistung, d.h. den ersten der genannten vier Bereiche! Probieren Sie es doch selbst einmal: Sehen Sie nicht förmlich das modische Modell bei MODIM auf dem Laufsteg, steigt Ihnen nicht der beißende QUALM beim Qualitätsmanagement in die Augen, entwickeln Sie kein Mitgefühl mit dem im Hafen im Servicemanagement schuftenden SEMAN und erwarten Sie nicht geradezu den KOLER, ohne den es beim Kosten- und Leistungsmanagement nur selten abgehen dürfte.

Damit aber nicht genug: Jede Lerneinheit wiederum folgt einem wohldurchdachten Schema. Sie beginnt mit der Beschreibung des Lernziels (Abschnitt 1), unmittelbar gefolgt von in der Lerneinheit verwendeten Definitionen und Abkürzungen (Abschnitt 2). Damit wird die Aufmerksamkeit auf das Wesentliche konzentriert. Dem folgt der sachlich gegliederte Lernstoff (Abschnitt 3), in den sich der geneigte Leser durch die sich anschließenden Forschungsbefunde (Abschnitt 4) und Hinweise auf Problemstellungen und -lösungen aus der Praxis (Abschnitt 5) weiter vertiefen kann. Verweise auf Methoden und Fallstudien (Abschnitt 6) sorgen für die notwendigen Querverbindungen und Kontrollfragen ermöglichen eine Lernkontrolle (Abschnitt 7). Zudem werden Fundstellen und Quellen (Abschnitt 8), Vertiefungsliteratur (Abschnitt 9), ergänzendes Informationsmaterial (Abschnitt 10) und Hinweise auf Normen (Abschnitt 11) geboten.

Die Lerneinheit „EINGR - Einführung und Grundlegung“ erläutert die fundamentalsten Begriffe, die naturgemäß vom allgemeinen juristischen Sprachgebrauch abweichen können. Dazu gehören:

Wissen (knowledge):

Gesamtheit der Kenntnisse und Fähigkeiten zur Lösung von Problemen.

Information (information):

Explizites, mitteilbares Wissen.

Informationsfunktion (information function):

 

Teilmenge des betrieblichen Aufgabensystems, dessen Zwecke Information und Kommunikation sind.

Informationsmanagement (information management):

 

 

Auf Information und Kommunikation gerichtetes Leitungshandeln in Organisationen, also alle Führungsaufgaben, die sich mit Information und Kommunikation befassen

Daten (data):

Information, die zum Zweck der Verarbeitung formalisiert dargestellt ist.

Ausgangspunkt des Lehrbuchs ist der Ansatz, dass die Informationsfunktion eine alle anderen betrieblichen Funktionen umfassende Querschnittsfunktion darstellt (S. 12 f). Hiervon ausgehend entwickelt das Lehrbuch ein Modell des Informationsmanagement (Schaubild S. 23)[5], das nicht nur konsequent den gesamten Lehrstoff strukturiert, sondern auch in der Praxis als Grundlage eines jeden unternehmensspezifischen IM-Konzepts herangezogen werden kann, beginnend von der Planung bis hin zur Realisierung.

Auch damit sind die Vorzüge dieses Lehrbuchs noch nicht abschließend erfasst. Denn auf der Webseite www.informationsmanagement-buch.org bieten die Autoren zusätzlich Interaktivität an. Dort sind u.a. die didaktischen Abschnitte der Lerneinheiten (verständlicherweise ohne den eigentlichen Lernstoff, da man sich das Buch sonst nicht anschaffen müsste) und das gesamte verwendete Glossar wiedergegeben. Der Leser wird nicht nur zu Fragen, Hinweisen und Verbesserungsvorschlägen ermuntert, sondern hat auch Gelegenheit, sich in Diskussionsforen zu allen Lerneinheiten einzubringen.

Das Gesamturteil kann daher nur lauten: Vorbildlich und hervorragend!

 

Dr. Axel Schwarz, Moritzburg



[1] S. 12

[2] http://www.informationsmanagement-buch.org/aktuelle-auflage/autoren.html

[3] Mehr dazu in den Kuselit Rezensionen

a.      „Insource, Offshore, Outsource -- Help!“, Rezension zu Peter Bräutigam (Hrsg), "IT-Outsourcing. Eine Darstellung aus rechtlicher, technischer, wirtschaftlicher und vertraglicher Sicht, 2., völlig neu bearbeitete und wesentlich erweiterte Auflage 2009, Erich Schmidt Verlag GmbH & Co, Berlin, ISBN 978 3 503 11202 9, http://www.kuselit.de/rezension/15496/IT-Outsourcing.html;

b.      „Wer gestern A sagte wie Alphabetisierung, muss heute B sagen wie Bildalphabetisierung – und C wie Computeralphabetisierung“, Rezension zu Thomas A. Degen, Jochen Deister, Computer- und Internetrecht. Vertragsgestaltung, E-Commerce und Datenschutz, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-415-03793-9: NR.15416, http://www.kuselit.de/rezension/15416/Computer--und-Internetrecht.-Vertragsgestaltung%2C-E-Commerce-und-Datenschutz%2C.html;

c.      Claus-Dieter Müller-Hengstenberg, „Vertragsbedingungen für Softwareverträge der öffentlichen Hand“, 7. neu bearbeitete und wesentlich erweiterte Auflage 2008, Erich Schmidt Verlag Berlin, ISBN: 978-3-503-10310-2;                 http://www.kuselit.de/rezension/15130/Vertragsbedingungen-fuer-Softwarevertraege-der-oeffentlichen-Hand.html und

d.      Martin Eifert, Electronic Government. Das Recht der elektronischen Verwaltung
2006, 505 S., geb. mit Schutzumschlag, 109,– EURO, ISBN 978-3-8329-1290-1
(Neue Schriften zur Verwaltungsrechtswissenschaft, Bd. 1), http://www.kuselit.de/rezension/14488/Electronic-Government.html.

[4] Destatis Pressemitteilung Nr.498 vom 18.12.2009: Elektronische Behördendienste gewinnen an Akzeptanz

[5] Das Schaubild ist – wie übrigens alle anderen Abbildungen des Lehrbuchs - unter www.informationsmanagement-buch.org verfügbar.