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Kuselit Rezensionen

Artur-Axel Wandtke - Medienrecht

Titel: Medienrecht Cover
Autor: Artur-Axel Wandtke
Verlag: De Gruyter
Ort: Berlin
Jahr: 2008
Seiten: 1932
Preis:
ISBN: 978-3-89949-422-8
Internet: www.degruyter.de
Rezensent: H. Goerlich
Quelle: Kuselit Verlag GmbH

 

Artur-Axel Wandtke (Hrsg.)
Medienrecht. Praxishandbuch
Berlin 2008
ISBN 978-3-89949-422-8
1932 S.
Gebunden Euro 158.-

Wie der Titel schon sagt, es handelt sich um ein umfassen angelegtes Handbuch für Praktiker. Über weite Teile ist es im Übrigen auch von Praktikern geschrieben. Der Herausgeber lehrt als Ordinarius an der Humboldt Universität zu Berlin (HU) bürgerliches Recht, gewerblichen Rechtsschutz und Urheberrecht. Unabhängig davon sind indes auch weithin öffentlich-rechtliche Gebiete wie das Rundfunkrecht in dem Handbuch präsent. Es versteht das Medienrecht als ein Gestaltungsmittel im Verhältnis zu Informations- und Kommunikationsprozessen. Deswegen hat es in der Unternehmenskultur ebenso wie in der Rechtsdurchsetzung ein stetig wachsendes Gewicht. Wirtschaftlich nimmt auch der Rang dieses Rechts in der geistigen Produktion und deren Verwertung zu, weil es die Rahmenbedingungen dafür setzt. Werbemaßnahmen, Merchandising, Public Relations, Kommerzialisierung der Persönlichkeitsrechte, Tele-Medien, Online-Nutzung, Pressebeiprodukte, Film- und Fernsehwerke sowie an ihnen bestehende oder mögliche Rechte, all diese Stichworte signalisieren eine Massen- oder Individualkommunikation, die heute nicht mehr auszublenden ist. Dabei betont das vorliegende Handbuch schon die privatrechtlichen Medienprozesse im Wege der Gesamtdarstellung, die es bietet. Es geht vor allem um Produktion, Vermarktung und Nutzung von Zeichen, Bildern, Tönen und anderen Medienprodukten, die zugleich Informationen sind, auch im Lichte der europarechtlichen Rechtsregime, die dahinter eine immer größere steuernde Rolle spielen, indem sie manche Märkte prägen.

Als Autoren wirken dabei vor allem Praktiker, d.h. Anwälte, aber offenbar auch akademisch tätige Assistenten. Eine Schwäche ist dabei vielleicht, dass sie oft nicht einem Institut oder Lehrstuhl zugeordnet firmieren, so dass - ist man nicht Insider - man nicht weiß, wo man ihnen wieder begegnen wird. Ebenso ist aus der Nennung einer Anwaltskanzlei heraus nicht zu erschließen, welches Interesse am Medienrecht und im Markt den jeweiligen Autor wohl geprägt hat oder künftig prägen wird. Das ist hinderlich vor allem für die new-comer des Rechtsgebiets, wenn sie zu dem Handbuch greifen, um sich zu informieren. Sie werden also eher noch ein weiteres, anderes Handbuch oder ab monographische Darstellungen zu Teilgebieten, um die es ihnen geht, zuziehen.
 
Zum Inhalt ist folgende Übersicht veranlasst: Der Herausgeber A.-A. Wandtke selbst ist im ersten Teil zu Einführung und Grundlagen Autor des ersten Kapitels "Medien im technologischen Zeitalter". Dann wird die Geschichte des Fachs dargestellt von RA Prof. O. Castendyk, unter dem Titel "Die Entwicklung des Medienrechts als Disziplin"; darauf folgt das dritte Kapitel zu europäischem (öffentliches und privates Medienrecht) vom selben Autor mit der Koautorin A. Stauber, als Rechtsanwältin Leiterin einer Rechtsabteilung eines Medienunternehmens. Dann stellt Rechtsanwalt M. v. Welser Ansprüche im Bereich des geistigen Eigentums dar. Er liefert auch das letzte Kapitel dieses Teils zur Durchsetzung von Ansprüchen im Bereich des geistigen Eigentums.

Der zweite Teil befasst sich mit Schutzvoraussetzungen und Verwertung von Medienprodukten. Im ersten Kapitel stellt Rechtsanwalt Dr. Ole Jani auf 100 Seiten das Urheberrecht dar. Darauf folgt von Dr. Czernik das Filmrecht, dann von Rechtsanwalt und Künstler Dr. S. Schunke das Musikrecht, alsdann von Rechtsanwalt und Justitiar Dr. W. Maaßen das Fotorecht. M. Kauert von der HU schreibt zum Computerrecht, Rechtsanwalt u. Wiss. Referent Dr. Kitz zum Verlagsrecht. Das Marken/Kennzeichnerecht bearbeiten Rechtsanwalt Dr. Hildebrandt und Th. T. Hennig von der Universität Jena. Urheberrecht und wettbewerbsrechtlichen Werktitelschutz entfaltet Rechtsanwalt Dr. Klett, LLM., das Domainrecht Prof. Th. Hoeren von der Universität Münster. Das Geschmacksmuster- und Designrecht findet man von Frau K.-I. Woehrn, HU zu Berlin, dargestellt. RA Prof.Dr. Bartenbach u. sein Kanzleikollege S. Fock arbeiten zu Patent-/Gebrauchsmusterrecht sowie zum Lizenzvertragsrecht in den beiden letzten Kapiteln dieses umfassenden Teils des Werks.

Der dritte, sehr viel kürzere Teil ist dem Wettbewerbs- und dem Werberecht gewidmet. Hier liefern M. Möller und B. Blank, beide aus einer Kanzlei in Dortmund, 150 Seiten zum Wettbewerbsrecht als Auftakt. Darauf folgt ein Medienkartellrecht von U. Müller von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster/Düsseldorf. Dann schließen ein Rundfunkwerberecht von dem o.g. Herrn Castendyk und ein Heilmittelwerberecht von Frau Maja Murza, Justitiarin in Berlin, an. Der vierte Teil umfasst nur das Rundfunkrecht von RA St. Ory, Lehrbeauftragter im Saarland, und das Presserecht von Frau S. Boksanyi, Rechtsanwältin in München. Der fünfte Teil ist dem Telekommunikation und den Telemedien gewidmet. Hier stößt man auf ein Telemedienrecht von M. Hartmann, Rechtsanwalt in Berlin, ein Telekommunikationsrecht von J. Pohle, Rechtsanwalt in Düsseldorf, dort und in Oldenburg Lehrbeauftragter, und das IT-Sicherheitsrecht von Dr. G. Kutzschbach aus dem BMI in Berlin. Der sechste Teil befasst sich  mit dem Schutz der Persönlichkeit, darunter dem Schutz des allgemeinen Persönlichkeitsrechts von S. Boksanyi, aus ihrer Feder auch zu kommerzialisierten Persönlichkeitsrechten und schließlich von S. Begemann, HU Berlin, und F. Grassmann, Richter in Dessau-Roßlau, zum Bildnisschutz. Der siebte und letzte Teil schließt mit einem Schutzrahmen von Medien, den das Datenschutzrecht, verfasst von Frau C. Ohst, Rechts- und Fachanwältin in Berlin, der Jugendmedienschutz aus der Hand von Prof. H. J. von Gottberg von der Freiwilligen Selbstkontrolle Film e.V. in Berlin,  und das Medienstrafrecht aus der Feder von Prof. B. Heinrich von der HU Berlin ausmacht. Schlusslicht des umfassenden Bandes ist ein Stichwortverzeichnis, das für sich einen weiteren Teil des Buches ausmacht. Die Werbung für den Band, auch auf seiner Rückseite außen, verspricht zwar auch noch den Abdruck von Richtlinien, Gesetzestexten und Vertragsmustern, dies scheinen aber eher Stichworte, um Käufer aus den Kanzleien und den Rechtsabteilungen anzulocken bzw. eben zu solchen zu machen, der Rezensent hat sie nicht gefunden.

Die einzelnen Teile und Kapitel, weitgehend von Praktikern verfasst, weisen die Schwächen auf, die bei dieser Autorenschaft unumgänglich sind: Die Erfassung des Materials, der Literatur und der Rechtsprechung ist nicht immer auf dem neuesten Stand, weil dies unmöglich ist für jemand, der im Betrieb einer Kanzlei steht. Anders gilt meist nur für das engere Arbeitsfeld des Autors. Nur ganz wenige Großkanzleien und dann nur, wenn sie wert darauf legen und deswegen die Zuarbeit intensivieren und Freistellungen in Kauf nehmen und sich das leisten, können das übrigens vermeiden. Sodann sind die Perspektiven von der jeweiligen Klientel geprägt. Dabei geht unter Umständen das nicht organisierte und nicht repräsentierte Interesse des schlichten Bürgers als Rezipienten medialer Kommunikation und der darin präsentierten Produkte unter. Entsprechend sind die öffentlich-rechtlichen Teile des Gebietes nur teilweise präsent. Die Marktorientierung macht teils auch blind für das, was deswegen noch nicht marktorientiert geregelt ist. Mithin insgesamt also doch mancher Zweifel.

Auf der anderen Seite versammelt ein solches Handbuch das pralle Rechtsleben wie es sich vollzieht. Es bringt Sachverstand zusammen, der rein akademisch selten gelingt. Deshalb kann die Universität und können Forschungsinstitute allein derlei so nicht erbringen. Daher sind solche Werke unverzichtbar, wäre allerdings vielleicht eine etwas bessere Balance zwischen Theorie und Praxis wünschenswert. Dies ist andererseits auch wieder dann schwer herzustellen, wenn das Werk insgesamt einführenden Charakter hat, notwendig deshalb als Gesamtwerk auftritt und eben deshalb wenig Platz für das einzelne Teilgebiet zur Verfügung hat. Das Genre tendiert also zum Praxis- oder aber alternativ zum wissenschaftlichen, rein akademischen Handbuch. Vor diese Alternative gestellt ist das Praxishandbuch vielleicht durchaus dringlicher als das akademische Werk, zumal die Wissenschaft jedenfalls noch immer eher Muse hat, monographisch zu arbeiten, größere Aufsätze zu erstellen und auch rezeptionstauglich und anschlußfähig auf den Markt zu bringen. Daher also ist es letztlich also gerade das Praxis-Handbuch, das größte Anerkennung verdient und unter den Praktikern auch Erfolg haben wird. Die Wissenschaft mag es kritisch sehen, die Praxis ist jedoch darauf angewiesen.


Univ.-Prof. (em.) Dr. iur. Helmut Goerlich, Juristenfakultät Universität Leipzig