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Kuselit Rezensionen

Max Hermanutz / Sven Max Litzcke / Ottmar Kroll / Frank Adler, - Polizeiliche Vernehmung und Glaubhaftigkeit

Titel: Polizeiliche Vernehmung und Glaubhaftigkeit Cover
Autor: Max Hermanutz / Sven Max Litzcke / Ottmar Kroll / Frank Adler,
Verlag: Richard Boorberg Verlag
Ort: Stuttgart
Jahr: 2008
Seiten: 151
Preis: 19,50
ISBN: 978-3-415-04022-9
Internet: http://www.boorberg.de/
Rezensent: Mathias Winkler, Freiberg
Quelle: Kuselit Verlag GmbH

 

Max Hermanutz / Sven Max Litzcke / Ottmar Kroll / Frank Adler

Polizeiliche Vernehmung und Glaubhaftigkeit

Ein Trainingsleitfaden

2. Aufl. Stuttgart 2008

ISBN 978-3-415-04022-9

 

Wie wichtig die Aussagen von Beschuldigten und Zeugen und deren Wahrheitsgehalt im Rahmen deren polizeilichen und staatsanwaltschaftlichen Vernehmungen sind, zeigt sich spätestens in den Hauptverhandlungen der Strafverfahren, wenn es um deren Verwertung und damit um die Glaubhaftigkeit derartiger Aussagen geht. Die Qualität und vor allem der Erfolg einer Vernehmung hängen neben der hinreichenden Detailkenntnis über die bisherigen Ermittlungsergebnisse, einer soliden Vorbereitung (z. B. gut strukturierter Fragenkatalog) maßgebend auch von der strategischen und vor allem von der taktischen Vorgehensweise der Vernehmungsbeamten ab. Eine sehr gute Vernehmungspraxis ist geprägt nicht nur durch die Fähigkeiten und Fertigkeiten des richtigen Zuhörens, der schnellen Informationsverarbeitung und der sachgerechten Protokollierung der Aussagen, sondern vor allem durch die sichere Anwendung des in dem Buch aufgezeigten Repertoires der psychologischen Methoden. Diese Fähigkeiten und Fertigkeiten professionell umsetzen zu können, bedarf allerdings eines regelmäßigen Trainings.  

Und die professionelle (vor allem psychologische) Vernehmungstechnik zu erlernen und permanent auch weiter zu entwickelten, ist Anliegen der Autoren Hermanutz, Litzcke, Kroll und Adler, die mit ihrem im Richard Boorberg Verlag in nunmehr 2. Auflage erschienenen Trainingsleitfaden „Polizeiliche Vernehmung und Glaubhaftigkeit“ den Vernehmungsbeamten ein äußerst praxisrelevantes  und somit sehr hilfreiches Buch in die Hand geben wollen. Auch wenn der Titel sich auf die polizeiliche Vernehmung bezieht, so können auch Richter und Staatsanwälte von diesem Praxisleitfaden sinnvoll profitieren.      

Im Trainingsbuch, mit dem die Autoren die Grundzüge der Vernehmung und Glaubhaftigkeitseinschätzung transparent darstellen,  wird nach einer Einleitung auf folgende Komplexe eingegangen:

-         Arten und Ablauf von Vernehmungen (Kapitel 2)

 

Kurz und prägnant wird sowohl auf die unterschiedlichen Arten als auch auf die Phasen der Vernehmung bis zur Auswertung der daraus gewonnen Aussagen eingegangen, wobei bereits in diesem Teil schon ein Vorgeschmack auf die Schwerpunktkapitel 3 und 4 gegeben wird. Sehr hilfreich ist hierbei auch das im Abschnitt 2.4 enthaltene, aus 11 Schritten bestehende, Ablaufschema der Vernehmung.

 

-         Merkmalsorientierte Aussagenanalyse (Kapitel 3)

 

Im Schwerpunktteil des Buches findet der Praktiker zu allen aussagerelevanten Merkmalen jeweils die Definition, entsprechende Erläuterungen, gefolgt von Aussagebeispielen für das Vorliegen (positiv) und Nichtvorliegen (negativ) der Merkmale und ergänzt jeweils um eine  Tabelle mit weiteren Beispielen und einer Kurzkommentierung. Den einzelnen Merkmalen  ist jeweils eine ganz bestimmte Abkürzung zugeordnet, die Vernehmungspraktiker sinnvollerweise im Rahmen ihrer eigenen Aussagenanalyse zur Differenzierung gleich verwenden können, indem  diese Abkürzungen jeweils am Rand des Vernehmungsprotokolls vermerkt werden. Ein Verfahren, dass sicherlich vielen Polizeibeamten so noch nicht bekannt sein dürfte.

 

-         Nonverbale Warnsignale (Kapitel 4)

 

Das richtige Erkennen nonverbaler Warnsignale ist mit einer der wichtigsten psychologischen Fähigkeiten und Fertigkeiten in der Vernehmungspraxis. Empfehlenswert ist, diese Thematik in den nächsten Auflagen noch umfassender zu behandeln. Denn die merkmalsorientierte Aussagenanalyse und die sachgerechte Wertung vielfältiger Signale der Körpersprache stehen in Wechselwirkung. Oftmals widerspricht die eigene Körpersprache der Beschuldigten und Zeugen deren Aussagen. Für den Vernehmungspraktiker wäre daher sicherlich von Vorteil, zu den wichtigsten Signalen der Körpersprache entsprechendes Bildmaterial mit Kurzkommentaren in einer der nächsten Auflagen des Buches aufzunehmen. Ansätze dazu sind bereits vorhanden.

  

-         Grenzen der Anwendung (Kapitel 5)

 

Auf die Besonderheiten des Irrtums und der Lüge gehen die Autoren genau so ein wie auf die der Vernehmung von traumatisierten Personen und der Beteiligung von Dolmetschern. Aber auch das Spezialgebiet der Vernehmung von Kindern, dargestellt an der in der Praxis erfolgsversprechenden und bewährten Bildkartenmethode, wird von den Autoren nicht ausgespart. Auf neuralgische Probleme der Vernehmung von unter Drogeneinfluss stehenden Personen gehen die Autoren allerdings leider nicht ein. 

 

-         Übungen (Kapitel 6)

 

Die im Kapitel 6 enthaltenen Übungen dienen der Vertiefung vor allem zu den im Buch behandelten Glaubhaftigkeitsmerkmalen.

 

-         Exkurs

Ganz ohne juristisches Grundwissen auf diesem Gebiet geht es dann doch nicht. Daher wird in diesem Exkurs kurz und prägnant insbesondere auf die strafrechtliche Bedeutung der Belehrung von Zeugen und Beschuldigten sowie auf die Methode der Glaubhaftigkeitsprüfung eingegangen.

 

Das Buch enthält ein umfassendes Literatur- und ein Stichwortverzeichnis.

Insgesamt gesehen ist das Buch eine sehr gute Bereicherung für die Vernehmungspraxis, indem empirische Erkenntnisse zu diesem Thema sowohl aus der Forschung als auch aus der Praxis eingeflossen sind.

Das Buch ist eine sehr gute Ergänzung zu dem ebenfalls von den beiden Autoren Prof. Dr.  Hermanutz und Prof. Dr. Litzcke, beide erfahrene Dipl.-Psychologen,  im Richard Boorberg Verlag veröffentlichten Titel „Vernehmung in Theorie und Praxis – Wahrheit – Irrtum – Lüge“.

 

Dipl.- Kfm. Mathias Winkler, Freiberg,

Wirtschaftsreferent bei der Staatsanwaltschaft