Kuselit Rezensionen
Konrad Francke / Gernot Dörr - Verfahren nach dem Sozialgerichtsgesetz
| Titel: | Verfahren nach dem Sozialgerichtsgesetz | |
|---|---|---|
| Autor: | Konrad Francke / Gernot Dörr | |
| Verlag: | Richard Boorberg Verlag | |
| Ort: | Stuttgart | |
| Jahr: | 2008 | |
| Seiten: | 200 | |
| Preis: | 29,80 | |
| ISBN: | 978-3-415-03912-4 | |
| Internet: | http://www.boorberg.de/ | |
| Rezensent: | Dr. Axel Schwarz, Moritzburg | |
| Quelle: | Kuselit Verlag GmbH |
Dr. Axel Schwarz, Moritzburg
Rezension NR.15163 zu
Konrad Francke / Gernot Dörr
Verfahren nach dem Sozialgerichtsgesetz.
Arbeitshandbuch zu Studium und praktischer Einführung,
Stuttgart 2008.
ISBN 978-3-415-03912-4
(200 S.)
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10 (ausgezeichnete didaktische Leistung) |
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Inhalt |
Verfahren nach dem Sozialgerichtsgesetz (SGG) |
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Zielgruppe |
Studenten, Administratoren, und jeder, der ein Verständnis für sozialgerichtliche Verfahrensweise erwerben möchte |
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Was kann man lernen? |
Struktur des sozialgerichtlichen Verfahrens von der Einleitung über Rechtsmittel bis hin zu Kosten |
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Autoren |
Konrad Francke, Verwaltungsdirektor, und Prof. Dr. Gernot Dörr (Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung) |
Seit
wenigen Jahren erlebt die Sozialgerichtsbarkeit einen in der deutschen
Rechtsgeschichte wohl einmaligen und immer noch anhaltenden Aufschwung. Mit Hartz IV konnte die Politik zwar weder den Sozialstaat vereinfachen noch
die Bürokratie abbauen. Das Gegenteil ist eingetreten. Denn gerade Hartz
IV ist mindestens so kompliziert wie das
deutsche Steuerrecht, und das nicht nur für die Betroffenen, sondern weithin
auch für Verwaltungsangestellte in den Behörden kaum zu begreifen. Aber
wenigstens konnte das Versprechen eingelöst werden, mit der Hartz IV Reform
Arbeitsplätze zu schaffen, zwar nicht für die Arbeitslosen, aber - ungewollt -
doch wenigsten in der Verwaltung und der Sozialgerichtsbarkeit. Allein im
ersten Halbjahr 2008 klagten Hartz IV-Empfänger in nahezu 62.000 Fällen gegen
ihre Bescheide. Solche Steigerungen (von immerhin mehr als 36 Prozent innerhalb
eines Jahres) lassen sich kaum an der Börse erzielen und sind sonst allenfalls
bei den Gehältern von Spitzenmanagern und Abgeordnetenpensionen zu erwarten
(vgl. Hans
Herbert von Arnim, 2008, „Die Deutschlandakte. Was Politiker und
Wirtschaftsbosse unserem Land antun.“). Man wagt gar
nicht an die Transitionskosten solcher Reformen (weder vorher noch nachher) zu
denken und kann kaum nachvollziehen, dass derartige Auswüchse auf Fehler
politischer Akzeptanzberatung zurückzuführen sein sollen (so aber wohl in „Die
Akzeptanz von Arbeitsmarktreformen am Beispiel von Hartz IV“ von Werner
Eichhorst, Werner Sesselmeier und Aysel Yollu-Tok in dem ebenfalls im
Kuselit-Rezensionsprojekt besprochenen Band 26 der Schriften der Gesellschaft
für Sozialen Fortschritt, der von Werner Sesselmeier und Frank Schulz-Nieswandt
mit dem Titel „Konstruktion von Sozialpolitik im Wandel. Implizite normative
Elemente“ herausgegeben wurde).
Um das Desaster auszubügeln, muss unter
Umständen eine Reform der Sozialgerichte herhalten. Der Ausschuss für Arbeit
und Soziales hat im Februar 2008 eine öffentliche Anhörung durchgeführt, um
u.a. auszuloten, wie eine Verkürzung des sozialgerichtlichen Rechtsschutzes
oder eine Zusammenlegung mit den Verwaltungsgerichten bei den Fachleuten
ankommt.
Mit der hier besprochenen Publikation
von Konrad Francke und Gernot Dörr unter dem Titel „Verfahren nach dem
Sozialgerichtsgesetz. Arbeitshandbuch zu Studium und praktischer Einführung“
reagiert der Verlag Boorberg zur rechten Zeit auf den geradezu boomenden
Bedarf. Das Werk stellt außerordentlich prägnant und leicht verständlich
Entwicklung, Stand und Perspektiven des Sozialgerichtsgesetzes dar (Kapitel 1),
erläutert dessen eigenständigen Grundstrukturen (Kapitel 2), geht auf Vorverfahren und Widerspruch ein
(Kapitel 3), stellt Klagen (Kapitel 4)
und vorläufigen Rechtsschutz (Kapitel 5) dar und vermittelt einen Überblick über
die Rechtsmittel (Kapitel 6). Besondere Aufmerksamkeit wird dem Kosten-Recht
(Kapitel 7) gewidmet.
Dabei nutzen die Autoren ihr
außerordentliches didaktisches Geschick. Die eben thematisch skizzierten
Kapitel vermeiden jeden unnötigen Ballast, der dem Lernenden das Verständnis
erschweren könnte. Gemeinhin ist das sozialgerichtliche Verfahren eine
gefürchtete Materie. Derartige Bedenken erweisen sich jedoch als vollkommen
unbegründet, was jeder bestätigen wird, der das Buch in Teilen oder als Ganzes
durcharbeitet. Alle Ausführungen sind durch anschauliche Beispiele aus der Praxis
belegt, so dass man zu keinem Zeitpunkt auch nur auf die Idee kommen könnte, es
mit trockener Theorie zu tun zu haben. Vielmehr wird ständig das Bewusstsein
nahe gebracht, am wirklichen Leben teil zu nehmen, was eigentlich ja auch das
Wesen juristischer Arbeit ausmacht. Früher erstickten a-didaktische Lehrbücher
jede aufkommende Begeisterung für ein Fachgebiet, indem sie tausenderlei
Probleme aneinander reihten, die den Studierenden in die Knie vor der
Wissenschaft zwingen sollten. Diese Zeiten sind offensichtlich vorbei.
Werke wie das vorliegende nehmen auf
den Leser Rücksicht und führen ihn geradezu spielerisch zu einem gesteigerten
Interesse und Verständnis der speziellen Materie. Dabei wird keineswegs auf
Wissenschaftlichkeit verzichtet! Alle oben skizzierten Themen werden in einem
zusätzlichen Teil (Kapitel 8) durch eine ausgewählte Rechtsprechung vertieft,
wodurch in einem zweiten Schritt das Problembewusstsein des Studierenden
geweckt und gefördert wird. Diese Methode lässt ausgezeichnete Ergebnisse
erwarten. Welchen Sinn hätte es auch, den Lernenden mit kritischen
Problemfällen voll zu pumpen, mit denen er vermutlich nie mehr konfrontiert
würde? Wie viel besser und angenehmer ist es doch, Information und
Methodenverständnis so zu verbinden, dass ein eigenständiges Arbeiten angeregt
und ermöglicht wird. Genau das gelingt den Autoren geradezu bravourös.
Man kann dieses Buch jedoch nicht aus
der Hand legen, ohne ein Weiteres, was außerordentlich wichtig ist, zu
erwähnen. Jeder Jurist kennt das Problem. Man liest einen Text und glaubt ihn
auch verstanden zu haben. Dann vergisst man vieles und muss es ziemlich oft
wiederholen. Auch hier geht das rezensierte Werk einen Weg, der es auch jedem
Repetitorium gegenüber überlegen macht: Jeder geeignete Teilabschnitt schließt
mit einer Übung, die dazu zwingt, sich das Gelesene noch einmal klar zu machen,
die jeweiligen, im Übrigen auch praxisrelevanten Fragen zu beantworten und sein
Verständnis auf diese Weise zu kontrollieren. Dir richtigen Antworten sind am Ende
des Buches zusammengefasst und regen mehr als nur zum vertieften Nachdenken an.
Note |
Kategorie |
Lesbarkeit |
Empfehlung |
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1 |
Allgemeinplätze / Vorurteile / Behauptungen |
schwer |
Nicht zu empfehlen, auch nicht für die Zielgruppe |
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2 |
Ohne schwierige Gedankengänge / an der Oberfläche des Themas |
leicht |
Kaum zu empfehlen, selbst nicht für die Zielgruppe |
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3 |
Überblick über das behandelte Sachgebiet |
schwer |
Eingeschränkt zu empfehlen |
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4 |
Überblick über das behandelte Sachgebiet |
leicht |
Zu empfehlen für Einsteiger und interessierte Laien |
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5 |
Überblick über das Sachgebiet und Behandlung von Sachfragen |
schwer |
Empfehlenswert für Zielgruppe mit Fachjargon |
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6 |
Überblick über das Sachgebiet und Behandlung von Sachfragen |
leicht |
Empfehlenswert für Zielgruppe und Laien |
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7 |
Aktuelle Diskussion eines bemerkenswerten Themas |
schwer |
Empfehlenswert für intellektuelle Zielgruppe |
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8 |
Aktuelle Diskussion eines bemerkenswerten Themas |
leicht |
Sehr empfehlenswert für (fast) jedermann |
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9 |
Hochwissenschaftliche Arbeit |
schwer |
Empfehlenswert für Zielgruppe |
|
10 |
Hochwissenschaftliche Arbeit |
leicht |
Empfehlenswert für Wissenschaft und Praxis |

