Titel
Dialog schliessen

Bitte warten
Daten werden geladen...

Kuselit Rezensionen

Marco Staake / Claudia Apel / Vera Glas / Torsten Keltsch / Frank Skamel (Hrsg.) - Verantwortung und Haftung.

Titel: Verantwortung und Haftung. Cover
Autor: Marco Staake / Claudia Apel / Vera Glas / Torsten Keltsch / Frank Skamel (Hrsg.)
Verlag: Richard Boorberg Verlag
Ort: Stuttgart
Jahr: 2007
Seiten: 462
Preis: 32,00
ISBN: 978-3-415-03954-4
Internet: http://www.boorberg.de/
Rezensent: Dr. Christoph Busch, Bielefeld
Quelle: Kuselit Verlag GmbH

Marco Staake, Claudia Apel, Vera Glas, Torsten Keltsch, Frank Skamel (Hrsg.),

Verantwortung und Haftung, Jahrbuch Junger Zivilrechtswissenschaftler 2006,

Leipziger Tagung vom 6. bis 9. September 2006,

Stuttgart (Boorberg) 2007

 

Seit nunmehr bald zwei Jahrzehnten bieten die Jahrestagungen der Gesellschaft Junger Zivilrechtswissenschaftler dem wissenschaftlichen Nachwuchs im Bereich des Privatrechts ein Forum, auf dem aktuelle Forschungsprojekte und -ergebnisse vorgestellt werden. Die Tagungsbände, in denen die Vorträge der Jahrestagungen veröffentlicht werden, bilden nicht selten einen Seismographen für aktuelle juristische Streitfragen.

Dies gilt in vieler Hinsicht auch für das aktuelle Jahrbuch, in dem die Beiträge der 17. Jahrestagung veröffentlicht werden, die im September 2006 in Leipzig unter dem Generalthema „Verantwortung und Haftung“ stattfand. Das weit gefasste Thema bildet ein lockeres Band, durch das die dreizehn Aufsätze verbunden werden. Der Reiz des Tagungsbandes liegt gerade in der Breite des Themenspektrums, das von aktuellen Fragen des IT-Rechts (Ruth M. Janal, Sven Tschoepe) und des Insolvenzrechts (Dörte Busch, Peter Meyer) über das Vereins- und Gesellschaftsrecht (Christian Strasser, Reinmar Wolff), das Wettbewerbs- und Kapitalmarktrecht (Andreas Neef, Gisela Heindl) bis zum Familienrecht (Gisela Kilde, Kathrin Kroll) reicht. Abgerundet wird der Band durch zwei rechtsvergleichende Beiträge (Susanne Augenhofer, Monika Zahora).

Leider erlaubt es der Rahmen dieser Rezension nicht, alle Beiträge des Jahrbuchs umfassend zu würdigen. Deshalb sollen hier nur einige wenige Aufsätze angesprochen werden, die sich thematisch mit den Forschungsinteressen des Rezensenten überschneiden. Die ausgewählten Beiträge mögen dabei einen Eindruck vom Gedankenreichtum der Aufsätze vermitteln und Appetit auf eine ausführlichere Beschäftigung mit dem Tagungsband machen:

Eingeleitet wird der Band durch einen ausgesprochen lesenswerten Festvortrag den der ehemalige sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung der Tagung unter der Überschrift „Verantwortung von Rechtswissenschaft und Judikatur für das Recht“ gehalten hat (S. 13 ff.). Biedenkopf warnt unter anderem vor einem drohenden Legitimationsverlust der Gesetzgebung durch eine immer komplexere Rechtsordnung und betont die Verantwortung der Rechtswissenschaftler gerade für die Verständlichkeit des Rechts.

Wer sich für die Frage nach einem „freien Willen“ als Voraussetzung für zivilrechtliche Haftung und Verantwortung interessiert, dem sei der Beitrag von Alexander Schreiber empfohlen (S. 33 ff.). Der Beitrag erörtert aktuelle neurobiologische Erkenntnisse zur Freiheit des Willens und versucht, daraus Schlussfolgerungen für das zivilrechtliche Haftungssystem zu ziehen.

Nicht nur für Familienrechtler von Interesse ist der Beitrag von Kathrin Kroll (S. 117 ff.). Unter der Überschrift „Selbstverantwortung oder Vertrauenshaftung?“ kritisiert sie die Rechtsprechung des BGH zur gestörten Vertragsparität bei Eheverträgen und Angehörigenbürgschaften. Als Alternative zur Inhaltskontrolle am Maßstab des § 138 BGB schlägt sie eine Abschlusskontrolle gemäß §§ 311 Abs. 2 Nr. 1, 280 Abs. 1 S. 1 BGB vor und greift damit Überlegungen auf, die bereits Stephan Lorenz in seiner Untersuchung über den „Schutz vor dem unerwünschten Vertrag“ skizziert hat.

Aus rechtsvergleichender Perspektive ist der Beitrag von Monika Zahora hervorzuheben (S. 429 ff.), der nicht nur einen Überblick über aktuelle Entwicklungen im polnischen Kapitalmarktrecht bietet, sondern auch nachzeichnet, inwieweit die deutsche Diskussion über die Haftung für fehlerhafte Kapitalmarktinformationen in Polen rezipiert wurde.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Eine gelungene Zusammenstellung aktueller Beiträge die jedem empfohlen werden kann, der einen Eindruck von der Arbeit des wissenschaftlichen Nachwuchses auf dem Gebiet des Zivilrechts gewinnen möchte. Und wer bei der Lektüre des Jahrbuchs Lust auf mehr bekommt, dem sei gesagt: Das Jahrbuch 2007 ist bereits im Druck.

 

Dr. Christoph Busch, Maître en Droit

Wiss. Mitarbeiter und Habilitand an der Universität Bielefeld