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Kuselit Rezensionen

Christoph Rödl & Partner (Hrsg.) - Handbuch internationales Handelsvertreterrecht

Titel: Handbuch internationales Handelsvertreterrecht Cover
Autor: Christoph Rödl & Partner (Hrsg.)
Verlag: Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft
Ort: Köln
Jahr: 2007
Seiten: 432
Preis: 69,00
ISBN: 978-3-89817-578-4
Internet: http://www.bundesanzeiger.de/
Rezensent: Christian Moritz, Sao Paulo
Quelle: Kuselit Verlag GmbH

Handbuch Internationales Handelsvertreterrecht, 1. Auflage, gebundene Ausgabe mit CD.

Hrsg. Rödl & Partner

ISBN 978-3898175784

Preis: Euro 69,-  

Mit Blick auf die rasant zunehmende Diversifizierung der Absatzmärkte für die Produkte deutscher Unternehmen war es eine hervorragende Idee der internationalen Wirtschaftsprüfungs-, Rechts- und Steuerberatungsgesellschaft Rödl & Partner, ein Handbuch zum Internationalen Handelsvertreterrecht herauszugeben. Aufgrund seiner internationalen Tätigkeit vermochte es der Herausgeber, ein kompetentes Autorenteam aus der Praxis für das geographisch sehr umfassend angelegte Werk zusammenzustellen. Dem Handbuch beigefügt ist eine CD-ROM mit dem vollständigen Buchtext, den 100 wichtigsten Entscheidungen deutscher Gerichte sowie einer Vielzahl von Adressen maßgeblicher Organisationen (Handelsvertretervereinigungen, Auslandshandelskammern, Anwaltvereinigungen, Botschaften, Industrie- und Handelskammern und Messedaten).

Dr. Marcus Felsner, Rechtsanwalt und Partner bei Rödl & Partner, führt eingehend in die Problemkreise rund um die Gestaltung internationaler Handelsverträge ein. Die Bestimmung des zuständigen Gerichts und des anwendbaren Rechts erfahren dabei besondere Berücksichtigung. Mit einer gelungenen Darstellung der Argumente werden darüber hinaus das Für und Wider von Schiedsklauseln und Gerichtsstandsvereinbarungen im Rahmen von Handelsvertreterverträgen gegeneinander abgewogen. Löblich ist auch die exakte Differenzierung zwischen der Rechtslage innerhalb und außerhalb der EU. Schließlich gibt Felsner eine zukunftsweisende Einschätzung hinsichtlich der weiteren Entwicklung zu einem „Welt-Handelsvertreterrecht“. Im Anschluss an diese Einführung erfolgt eine kurze Erläuterung des Aufbaus des Handbuches, das sich in 61 Länderkapitel sowie, innerhalb dieser, in zwölf, mit Bedacht ausgewählte, Unterkapitel gliedert. Dabei handelt es sich um folgende Themen, die im Zusammenhang mit jedem Land behandelt werden: Grundlagen des Handelsvertreterrechts, persönliche Voraussetzungen in der Person des Handelsvertreters, ähnliche Vertragstypen, Formerfordernisse, Pflichten des Handelsvertreters, Pflichten des Prinzipals, Provision, Vertragsbeendigung, Folgen der Vertragsbeendigung, Untervertretung, Gerichtsstand und anwendbares Recht sowie zwingende Vorschriften des lokalen Rechts. Diese einheitliche und übersichtliche Gliederung erlaubt ein rasches Zurechtfinden im „globalen Dschungel“ des internationalen Handelsvertreterrechts.

Aus der Perspektive des deutschen Juristen deckt das Werk die ein oder andere Überraschung auf: Beispielsweise wird bei Lektüre des einleitenden Abschnitts zu den persönlichen Voraussetzungen in der Person des Handelsvertreters deutlich, dass das Recht bestimmter Staaten beim Handelsvertreter zwingend die Staatsangehörigkeit des jeweiligen Landes voraussetzt. Außerdem zeigen die (länderspezifischen) Abschnitte zu den ähnlichen Vertragstypen, dass zwar die Abgrenzung zwischen einem Handelsvertretervertrag und einer bloßen Handlungsvollmacht, einem Kommissionsvertrag, Maklervertrag, Vertragshändlervertrag, Franchisevertrag oder Arbeitsvertrag in vielen Staaten nach ähnlichen oder gleichen Kriterien erfolgt, die Abgrenzung in den Einzelheiten dann aber von Land zu Land erheblich voneinander abweichen kann. Ferner offenbaren die Hinweise zu den Formerfordernissen dem Leser, dass die Regelungen über die Wirksamkeit von Handelsvertretervereinbarungen in den meisten Ländern stark variieren. So muss der Unternehmer in vielen Märkten darauf gefasst sein, dass zumindest ein Schriftformerfordernis oder gar eine Registrierungspflicht greift. In den Abschnitten, die sich mit den Pflichten des Handelsvertreters und des Prinzipals beschäftigen, zeigt sich, wie unterschiedlich diese Pflichten in den einzelnen Ländern ausgeprägt sind. Anzuführen sind hier etwa die von Land zu Land variierenden Antworten auf die Frage, ob ein Handelsvertreter für andere Unternehmen tätig werden darf oder wie die Unterstützungspflichten des Prinzipals im Einzelnen konkretisiert werden. Die deutlichsten Unterschiede zwischen den Rechtsordnungen bestehen aber wohl immer noch im Hinblick auf die Frage, wie aus rechtlicher und praktischer Sicht Handelsvertreterverträge beendet werden können. Hier geben die Abshnitte zur Vertragsbeendigung Auskunft..

Neben den soeben angeführten positiven Aspekten des Werks besteht allerdings auch Anlass, einige Verbesserungen für Folgeauflagen anzuregen: Das Verzeichnis der behandelten Staaten enthält bedauerlicherweise einige wichtige Lücken. So wird etwa das Handelsvertreterrecht von Chile, Marokko, Tunesien und Taiwan nicht behandelt. Der Herausgeber weist jedoch im Vorwort ausdrücklich auf diese Lücken hin und verspricht, dass Darstellungen zu diesen und weiteren Staaten mit späteren Auflagen folgen sollen. Mit lediglich 432 Seiten ist das Werk ohnehin noch weit davon entfernt, an seine Kapazitätsgrenzen zu stoßen. Dabei wäre es auch zu begrüßen, wenn die bisherigen Ausführungen in den Länderteilen weiter ausgebaut werden könnten. Hier wäre dann etwa an länderspezifische Checklisten zu denken. Auch andere – vom Leser sicherlich geschätzte – Arbeitshilfen, wie beispielsweise Vertragsmuster, fehlen in der gegenwärigen Auflage noch.. Der Verzicht auf weiterführende Literaturhinweise ist ein vom Herausgeber bewusst unternommener Schritt, auf den auch ausdrücklich hingewiesen wird. Ob dies zu begrüßen ist, erscheint fraglich. Dem mit der jeweiligen Landesspprache vertrauten Leser hätten entsprechende Hinweise unzweifelhaft die Möglichkeit eröffnet, sich bei Bedarf  näher mit dem für ihn im Einzelfall relevanten ausländischen Recht zu befassen. Bei entsprechender Kürze der Literaturangaben wäre dieser Mehrwehrt sicherlich nicht durch ein zu starkes Anwachsen des Buchumfanges erkauft worden.

Fazit:

Das Handbuch gibt insgesamt bei vielen Fragestellungen im Rahmen der Mandatsbearbeitung noch nicht ausreichend Antwort. Teilweise enthalten die Länderkapitel nur wenige Sätze. Bei Relevanz eines fremden Rechts der Handelsvertretung führt an der Hinzuziehung lokaler Anwälte und weiterführender Fachliteratur letzten Endes kein Weg vorbei. Das Buch kann jedoch den Leser hinsichtlich gewisser landesabhängiger Spezifika für Gefahren sensibilisieren. Dem Werk bleibt damit – auch aufgrund seiner gelungenen Einführung, seiner Neuheit und seines Nutzwertes für die Praxis – das Prädikat empfehlenswert erhalten, zumal auch die dem Werk beigefügte CD zur Nutzerfreundlichkeit erheblich beiträgt.

Christian Moritz

Partner der Kanzlei MMlaw Rechtsanwälte und Koordinator des Deutsch-Brasilianischen Rechtsverkehrs bei Felsberg e Associados mit Sitz in São Paulo, Brasilien