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Kuselit Rezensionen

Hans-Joachim Hitschold - Staatskunde

Titel: Staatskunde Cover
Autor: Hans-Joachim Hitschold
Verlag: Richard Boorberg Verlag
Ort: Stuttgart
Jahr: 2007
Seiten: 368
Preis: 26 €
ISBN: 978-3-415-03858-5
Internet: http://www.boorberg.de/
Rezensent: Lottkus, Sebastian
Quelle: Kuselit Verlag GmbH
Aufmachung:

Begonnen wird diese Rezension mit ein paar Äußerlichkeiten und Eigenschaften des Buches, nicht den Inhalt betreffend. Denn die Art und Weise wie ein Buch in der Hand liegt, sich das Schriftbild gestaltet und es im Einzelnen gegliedert ist, ist doch mindestens genauso wichtig, wie der Inhalt selbst. Mehr noch – es sind die Essentialia eines jeden Buches und notwendige Grundbedingung. Ein Buch, dessen Schriftbild stört kann inhaltlich noch so gut sein, es ist schwerer zu lesen und erschwert die Konzentration.

Vorliegendes Werk ist angenehm aufgemacht. Es liegt gut in der Hand und ist für die Dicke von 355 Seiten sehr leicht. Der Buchrücken lässt sich gut knicken, so dass das Buch aufgeschlagen liegen bleibt.

Die Abschnitte sind in kleine Teile untergliedert, was insbesondere dem nicht fachlichen Leser entgegenkommen wird. Das Zurechtfinden in etwas längeren Abschnitten wird durch die Randbemerkungen erheblich erleichtert. Sie ermöglichen es dem Autor im Fließtext zu schreiben, ohne zu viele Unterpunkte optisch hervorheben zu müssen und dennoch für den Leser einen gedanklichen Leitfaden zu präsentieren. Randnummern sind nicht vorhanden, wegen der guten Durchgliederung und der Randbemerkungen aber auch entbehrlich. Wichtige Ergänzungen sind in Fußnoten enthalten. So kann der ambitionierte Leser sich weitere Informationen erschließen und Quellen nachgehen und der „normale“ Leser wird im Text nicht mit belastendem Material behelligt.

Wichtige Begriffe sind in Fettdruck optisch hervorgehoben, ohne hiervon übermäßigen Gebrauch zu machen.

An geeigneten Stellen präsentiert Hitschold Grafiken und Übersichten. Diese sind durchweg selbsterklärend und hilfreich.

Inhalt:

So notwendig die Äußerlichkeiten auch sind, hinreichend für ein gutes Buch sind sie noch lange nicht.

Der Anspruch:

Das nötige Wissen über die Bundesrepublik Deutschland anschaulich und verständlich darstellen.

Bewertung:

Vom behandelten Spektrum und der Sprache kann dieses Buch zunächst dem interessierten Bürger dienen, der sich nicht fachlich mit der Materie auseinander setzen muss. Es kann jedoch genauso gut von Fachhochschul- und Universitätsstudierenden herangezogen werden, um einen ersten Überblick über das Staats- und Verfassungsrecht zu erhalten. Für letztere Zielgruppe wären jedoch ein paar mehr Quellenangaben (insbesondere zu Regelungen aus dem GG) wünschenswert, um dem ambitionierteren Leser die parallele Lektüre des GG zu erleichtern. Besonders bei der Beschreibung des Gesetzgebungsverfahrens fehlen diese. So muss er die Aussagen hinnehmen, ohne nachvollziehen zu können, welche grundgesetzlichen Vorschriften sich dahinter verbergen. Gerade im Umgang mit dem GG ist das jedoch sehr hilfreich, da von der Sprache her selten auf den tatsächlichen Regelungsinhalt geschlossen werden kann und wegen der Kürze der Vorschriften ihre weitreichende Bedeutung leicht verkannt wird.

Ansonsten überzeugt das Werk durch seine einfache und verständliche Sprache mit der auch komplexere Erklärungen anschaulich gelingen. Sehr ausführlich und gut ist der Abschnitt über die politischen Akteure gelungen.

Die Grundrechte und ihre Dogmatik werden gut näher gebracht. Eine kurze Erwähnung der Prüfsystematik von Freiheitsrechten in Form von Schutzbereich, Eingriff und Rechtfertigung hätte aber ebenso wenig geschadet, wie die Erwähnung des Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes.

Besonders positiv fällt auf, dass die geschichtliche Entwicklung einen hohen Stellenwert in der Darstellung erhält. Vielen Themen wird sich über die historische Entwicklung genähert und damit das Verständnis und die Einordnung der heutigen Regelungen erleichtert.

Im Kapitel über die Gesetzgebung fällt auf, dass der Autor noch die Rahmengesetzgebung erklärt, ohne im anschließenden Abschnitt über die Föderalismusreform zu erwähnen, dass diese (für künftige Gesetzgebungsverfahren) abgeschafft wurde. Überhaupt ist die Föderalismusreform, obwohl auf dem Buchrücken angekündigt, nicht umfassend in den Text eingearbeitet. Auch das „Ping-Pong-Verfahren“ nach Art. 72 III GG findet lediglich in einem Satz Erwähnung.

Positiv ist dagegen weiterhin, dass der Autor auch die kommunale Selbstverwaltung und die Wirtschaftsordnung der BRD erläutert und die wichtigsten Staatengemeinschaften (UN, EU, NATO) vorstellt. Die Verortung des Kapitels über die Politischen Parteien im Anschluss ist dagegen nicht geglückt. Das Kapitel wäre besser im Anschluss an die obersten Bundesorgane (Kap. 11) oder das Gesetzgebungsverfahren (Kap. 13) aufgehoben. Auch die sehr begrüßenswerte Synopse der Weimarer Verfassung und des GG wirkt nach dem Kapitel über Massenmedien leicht deplatziert.

Fazit:

Das Werk ist Geschichtsband, Politik- & Rechtslexikon, einfacher Grundgesetzkommentar und Staatsrechtslehrbuch in einem. Dabei übernimmt sich der Autor keinesfalls. Vielmehr sind alle Teile für den Einsteiger und den schnellen Nachschlager in ausreichender Breite erörtert und ergänzen sich gut. Man merkt dem Werk an, dass es in fortgeschrittener Auflage erscheint. Die schon länger bestehenden Teile wirken sehr ausgefeilt. Die neu eingefügten Themen sind dagegen teilweise lückenhaft – insbesondere die Aussagen zur Föderalismusreform. Ein paar weitergehende Quellenangaben wären wünschenswert, um Studierenden ein wissenschaftlicheres Arbeiten mit dem Buch zu ermöglichen.

Das Werk kann trotz der aufgezeigten Schwächen dennoch jedem Staatskundeinteressierten vorbehaltlos empfohlen werden. Studierenden kann nur ein Überblick und eine Einführung geboten werden. Dafür jedoch eine sehr gute und vor allem kurzweilige, da sich das Buch in wenigen Tagen durcharbeiten lässt. Es ist wünschenswert, dass sich dieses Werk in jedem deutschen Bücherregal finden und auch gelesen wird, denn es versorgt jeden mit dem Wichtigsten und Nötigsten, das er über seinen (Wohn-)Staat wissen sollte.

Sebastian Lottkus (Dipl.-VerwW FH, stud.jur), Düsseldorf