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Kuselit Rezensionen

Constantin Kruse - Alternative Kausalität im Deliktsrecht

Titel: Alternative Kausalität im Deliktsrecht Cover
Autor: Constantin Kruse
Verlag: LIT Verlag
Ort: Münster
Jahr: 2006
Seiten: 288
Preis: 24,90 €
ISBN: 3-8258-9127-5
Internet: http://www.lit-verlag.de/
Rezensent: Schwarz, Axel
Quelle: Kuselit Verlag GmbH

1. Bedeutung

Wir wissen aus der Naturwissenschaft, dass die Welt nicht vollständig determiniert ist, sondern zumindest partiell einem absoluten Zufall unterliegt. Entsprechend uneinheitlich ist der Begriff der Ursache in den verschiedensten Wissenschaftszweigen. Wahrscheinlich stellen die Beziehungen zwischen Ursachen und Wirkungen überhaupt keine objektiven Sachverhalte der Welt dar, über die wahre bzw. unwahre Urteile möglich sind. „Vielmehr geht es um eine Unendlichkeit möglicher Kombination von Ursachen und Wirkungen, die nur extrem selektiv genutzt werden kann, wenn ein Zusammenhang von bestimmten Ursachen mit bestimmten Wirkungen irgendeinen kognitiven oder praktischen Sinn geben soll.“ (Niklas Luhmann, Kausalität im Süden, Soziale Systeme 1, 1995, H.1, S. 7-28).

2. Inhalt

In dieser Situation macht sich Alexander Kruse daran, das Kausalitätskriterium des zivilrechtlichen Schadensersatzrechtes zu untersuchen. Dabei geht er allerdings nicht systematisch-dogmatisch vor. Wie bei seinem Doktorvater Martin Schermaier nicht anders zu erwarten, sucht er die Antworten in einer gleichsam horizontal und vertikal vergleichenden Betrachtung der Rechtsentwicklungen in Deutschland, Österreich, England und den USA. Der Schwerpunkt liegt dabei im ersten Teil auf der „Dogmengeschichte der Haftung bei ungeklärter Verursachung“, wobei sich der Bogen vom vorklassischen und klassischen römischen Recht über die mittelalterliche Rechtswissenschaft, Rezeption und Usus Modernus Pandectarum bis hin zur Naturrechtslehre und den Naturgesetzbüchern spannt. Der zweite Teil des Werkes, der nur etwa ein Viertel des ersten Teiles darstellt, befasst sich dann mit der Pandektistik und dem Bürgerlichen Gesetzbuch und endet mit der Haftung ohne nachgewiesene Kausalität des § 830 I 2 BGB. Mit weniger als einem Drittel des ersten Teils nimmt die Darstellung des englischen und US-amerikanischen Rechts den geringsten Umfang ein. Auf den letzten 20 Seiten des Werkes werden schließlich die Ergebnisse zusammengefasst. Der Autor geht dabei auch auch die Vorschläge für ein europäisches Privatrecht ein, mit denen man versucht, die „conditio sine qua non“-Regel mit Regeln zu Fällen der alternativen und ungewissen Kausalität zu verbinden. Bei seinen Überlegungen zur Weiterentwicklung des deutschen Rechts zitiert der Autor unter anderem den Vorentwurf (1999) von Pierre Widmer und Pierre Wessner für ein schweizerischen Bundesgesetz, die für Grund und Umfang einer Haftung von Wahrscheinlichkeitsüberlegungen ausreichen lassen. Die wichtigstens Ergebnisse schließlich sind am Ende des Wekes noch einmal auf 2 ½ Seiten komprimiert.

3. Bewertung

Der gleichzeitig rechtsgeschichtliche und rechtsvergleichende Ansatz Kruses macht das Werk zu einer hochinteressanten und einsichtsreichen Lektüre. Ob sich allerdings die von dem Autor favorisierte Wahrscheinlichkeitsbetrachtung allein geeignet sein wird, die Haftung bei ungeklärtem Schadensverlauf auf ein allgemeines Prinzip zurückzuführen, muss sich noch zeigen. Ein solcher Paradigmenwechsel wird weiterer Analysen bedürfen, in die andere Wissenschaftszweige ausserhalb des Gegenstandes der Rechtswissenschaft einzubeziehen sind.