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Kuselit Rezensionen

Deutscher AnwaltVerein. Arbeitsgemeinschaft Steuerrecht (Hrsg.) - Steueranwalt International

Titel: Steueranwalt International Cover
Autor: Deutscher AnwaltVerein. Arbeitsgemeinschaft Steuerrecht (Hrsg.)
Verlag: Richard Boorberg Verlag
Ort: Stuttgart
Jahr: 2007
Seiten: 260
Preis: 45,00
ISBN: 978-3-415-03690-1
Internet: http://www.boorberg.de/
Rezensent: Dr. Axel Schwarz, Moritzburg
Quelle: Kuselit Verlag GmbH

Rezension

Deutscher AnwaltVerein. Arbeitsgemeinschaft Steuerrecht (Friedhelm Jacob, Bert Kaminski, Sebastian Korts, Rolf Schwedhelm, Günther Struck, Jürgen Wagner) (Hrsg.),
Steueranwalt International.

Praxisleitfaden Internationales Steuerrecht 2006/2007.

Stuttgart 2007.

ISBN 3-415-03690-1 ISBN13 978-3-415-03690-1

Seit Mitte der 1980er Jahre beschleunigt die Globalisierung die  internationale Arbeitsteilung. Seitdem wachsen die weltwirtschaftlichen Exporte mit jahresdurchschnittlich knapp 9 Prozent wesentlich stärker als die Produktion (etwa 6 Prozent). Zudem haben die Direktinvestitionen seit 1985 Jahr für Jahr im Schnitt um etwa 21 Prozent zugelegt. Die Unternehmen nutzen politische (z.B. EU-Binnenmarkt, Zerfall des Ostblocks) und technische Entwicklungen (neue Informations- und Kommunikationstechnologien), um sich an für den Wettbewerb günstigen Standorten niederzulassen. Das Ganze geht einher mit einer zunehmenden Liberalisierung der Kapitalmärkte, welche die Finanzierung grenzüberschreitender Aktivitäten vereinfacht. Das Volumen der Anleihen, die auf den Finanzmärkten zirkulieren, ist seit 1990 um jährlich 15 Prozent gestiegen.[i] Allein innerhalb der Europäischen Union gibt es beträchtliche Unterschiede der Besteuerung, die zu entsprechenden Kapitalbewegungen führen[ii]: Für 2005 stellte die EU-Kommission fest, dass die Steuersätze der EU 27 im Schnitt um 13 % über denen der USA und Japans lagen. Dabei rangiert innerhalb der EU der Einkommenssteuersatz zwischen 16 und 59 %, mit Deutschland etwas über dem Durchschnitt. Dagegen ist EU-weit die Körperschaftssteuer kontinuierlich von über 35 % in 1995 auf weniger als 25 % gesunken, wobei allerdings Deutschland mit rund 38 % die höchsten Steuern erhebt.

Entsprechend steigt die Bedeutung des internationalen Steuerrechts und der damit verbundene Beratungsdedarf insbesondere zur Anwendung von Doppelbesteuerungsabkommen[iii]. Hier ergibt sich ein schier unbegrenzter Markt für spezialisierte Berufe, zu deren Kreis auch die Fachanwälte für Steuerrecht zu rechnen sind. Zur Zeit gibt es in Deutschland annähernd 150.000 Anwälte, von denen allerdings (grob geschätzt) etwa 1/3 nicht ausschließlich vom Anwaltsberuf lebt und etwa 1/3 noch als Generalist arbeitet, während der Rest der besser verdienenden Anwälte auf Spezialisierung setzt, auch auf Fachgebiete auf mehreren Gebieten[iv], darunter besonders das Steuerrecht.

Vor allem an diese Zielgruppe wendet sich der „Praxisleitfaden Internationales Steuerrecht 2006/2007“ der Arbeitsgemeinschaft Steuerrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV). Es enthält eine Darstellung

I. der Grundlagen und Systematik des internationalen Steuerrechts

-         Grundlagen und Bedeutung der beschränkten Steuerpflicht im Vergleich mit der unbeschränkten Steuerpflicht,

-         Inbound-Fall,

-         Outbound-Fall,

-         Einführung in das Recht der Doppelbesteuerungsabkommen (DBA),

-         Rechtsfragen bei der Bestimmung von Verrechnungspreisen,

-         Funktions-, Unternehmens- und Wohnsitzverlagerung ins Ausland

 

II. Aktuelle Zweifelsfragen des internationalen Steuerrechts in der Anwaltspraxis

-         Personengesellschaften im internationalen Steuerrecht: Qualifikationskonflikte, Einstufung ausländischer Rechtsträger, doppelte Nichtbesteuerung, gewerbliche Prägung durch ausländische Kapitalgesellschaften,

-         Bedeutung des AStG für die DBA-Anwendung, u.a. am Beispiel des DBA Polen und des DBA Singapur,

-         Domizilgesellschaften im Außensteuerrecht und Grenzen der Mitwirkungspflichten nach § 90 Abs. 2 AO,

-         Beratung von Mandanten beim Wegzug in das Ausland,

-         Aktuelle Rechtsprechung des EuGH, BFH und der Finanzgerichte zu internationalen Steuerfragen, u.a. Verlustnutzung, Diskriminierungsverbot, Meistbegünstigung, Körperschaftsteueranrechnung und Wegzugsbesteuerung,

-         Aktuelle Verwaltungsanweisungen zum internationalen Steuerrecht, Verwaltungsgrundsätze, Verfahren, Anwendungs- und Nichtanwendungserlasse.

 

Das Werk beruht auf aktualisierten Fachvorträgen der Herausgeber RA/STB Friedhelm Jacob; Prof. Dr. Bert Kaminski; RA/FAStR Sebastian Korts, MBA, M.I.Tax; RA/FAStR Rolf Schwedhelm und StB Prof. Dr. Günther Struck und ist bearbeitet von RA Jürgen Wagner, LL.M Konstanz, Zürich/ Vaduz:) (Hrsg.) des Deutschen Anwaltvereins (DAV). Es ermöglicht einen schnellen Einstieg in das internationale Steuerrecht und bietet eine Fülle einschlägiger Fundstellen, die eine vertiefte Bearbeitung mit den jeweiligen Fragestellungen wie wissenschaftliches Arbeiten erlauben. Beispiele, Übersichten und Checklisten verdeutlichen die komplexe Materie. Das leider fehlende  Stichwortverzeichnis, das eine gezieltere Fallbearbeitung erlauben würde, wird weitgehend  durch eine detaillierte und übersichtliche Gliederung wettgemacht.

 

Fazit:

Das Werk stellt eine Meisterleistung dar, die einen ständig steigenden Bedarf innerhalb der spezialisierten Anwaltschaft deckt.

 

Dr. Axel Schwarz, Moritzburg

 


[i] Informationen des BMF, http://www.bundesfinanzministerium.de/cln_01/lang_de/nn_3378/DE/Finanz__und__Wirtschaftspolitik/Aufgaben__und__Ziele/node.html__nnn=true

[ii] Eurostat Statisticalbooks: Taxation trends in the European Union. Main results. Verfügbar unter http://ec.europa.eu/taxation_customs/resources/documents/taxation/gen_info/economic_analysis/tax_structures/Structures2007_main_results.pdf

[iii] Alle deutschen Doppelbesteuerungsabkommen unter http://www.lemaitre.de/landstart1.html; OECD-Musterabkommen 2003 zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiet

der Steuern vom Einkommen und vom Vermögen (OECD-MA 2003) unter http://www.lemaitre.de/dba-d/OECD_MA_2003.pdf

[iv] Vgl. Rechtsanwalt Martin W. Huff, Der deutsche Anwaltsmarkt wandelt sich. Verfügbar unter

http://www.schweitzer-online.de/static/content/Downloads/2007/infodienst.2007.02.pdf