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Kuselit Rezensionen

Marius Breucker - Anwaltsstrategien im Zivilprozess

Titel: Anwaltsstrategien im Zivilprozess Cover
Autor: Marius Breucker
Verlag: Richard Boorberg Verlag
Ort: Stuttgart
Jahr: 2006
Seiten: 196
Preis: 19,80 €
ISBN: 3-415-03780-0
Internet: http://www.boorberg.de/
Rezensent: Nickel, Nicole
Quelle: Kuselit Verlag GmbH
In der Reihe Anwaltsstrategien ist nunmehr der Band „Anwaltsstrategien im Zivilprozess“ erschienen. Ziel des vorliegenden Buches ist es, dem jungen Anwalt, der sich als Berufseinsteiger einer Vielzahl von Fragen gegenüber sieht, schnelle Antworten und praktische Tipps zur Seite zu stellen.

Das Buch stellt die allerwesentlichsten Grundstrukturen des Zivilprozesses und der Mandatsbetreuung dar und folgt dabei im Wesentlichen der zeitlichen Abfolge der Geschehnisse eines Mandatsverhältnisses. So beginnen die Darstellungen zunächst mit der Rolle des Anwalts im Zivilprozess, dem folgen die Abschnitte Sachverhaltserfassung, Prüfung der Rechtslage, Prüfung der Beweissituation etc. Abschließend werden einige Hinweise zu Rechtsmitteln und Rechtsbehelfen gegeben. Besondere Aufmerksamkeit wurde dem Verhalten und den Möglichkeiten in der mündlichen Verhandlung geschenkt (Abschnitt J, S. 138 ff., Rn. 143 ff.). Hier finden sich einige wichtige Hinweise zu Fragen der Zeugenvernehmung und zum Vergleich nach Beweisaufnahme, zudem werden auch einige ganz pragmatische Fragen wie die Terminsverlegung oder die Versendung der Verhandlungsprotokolle behandelt. In einem kurzen Abschnitt werden einige Aspekte des außergerichtlichen Vorgehens besprochen (Abschnitt E, S. 41 ff., Rn. 30 ff.).

Zumeist sind extrem kurze und knappe Informationen zu den wesentlichen Phasen des Zivilprozesses zusammengestellt worden. Dazwischen finden sich zahlreiche „Praxistipps“ und auch einige Formulierungsbeispiele für verschiedene Anträge. Einige sehr kurze Fallbeispiele dienen der Verdeutlichung verschiedener Ausführungen. Mit weitergehenden Literaturhinweisen wurde insgesamt sparsam gearbeitet.

Breucker hat mit dem kleinen Buch ein als Lehrbuch konzipiertes Hilfsmittel auf den Markt gebracht, welches Schwerpunkte und praxisrelevante Aspekte der Anwaltstätigkeit sehr kurz und sehr knapp aufzeigt. Ob der junge Anwalt hiermit lange praktisch arbeiten kann, erscheint angesichts der Kürze der Ausführungen und seines häufig nicht allzu lang zurück liegenden eigenen 2. Staatsexamens etwas fraglich. Hier ist das klassische Formularbuch für den Anwalt sinnvoller, das im Gegensatz zu dem hier vorliegenden Lehrbuch, alle zu beachtenden Anträge in seiner Gesamtheit erfasst. Die eingearbeiteten Praxistipps beschreiben in der Mehrzahl Tatsachen, die entweder selbstverständlich sind oder bereits im Rahmen der Anwaltsstation im Referendariat zumindest besprochen, meist auch praktisch umgesetzt.

Das Buch erscheint hingegen für eine andere Zielgruppe viel passender, nämlich für den Referendar. Dieser kann sich kurz, schnell und prägnant über alle wesentlichen Punkte der Anwaltstätigkeit und der anwaltlichen Taktik informieren. Er hat so ein gutes und probates Hilfsmittel einerseits für die Vorbereitung auf die Anwaltsstation (hier insbesondere auf die Vertretung von Mandanten vor Gericht), andererseits für die Vorbereitung auf das Examen. Hilfreich ist das Buch für die Klausuren im Hinblick auf Formulierungsbeispiele und Fragen der Zweckmäßigkeit anwaltlichen Verhaltens und mehr noch für die mündliche Prüfung insbesondere wegen der zahlreichen Praxistipps und -strategien, welche in der mündlichen Prüfung häufiger abgefragt werden. Insofern dient das Buch gerade angesichts der Tatsache, dass der Schwerpunkt der Referendarausbildung in den Anwaltsbereich verlagert worden ist bzw. verlagert wird, einer guten Vorbereitung auf die Anwaltsstation und den anwaltsbezogenen Teil der mündlichen Prüfung.

Demgegenüber fehlen in dem Buch noch einige Hinweise, die für einen jungen Anwalt von immenser Bedeutung sind. Wünschenswert wären in diesem Zusammenhang sowohl ein Abschnitt zum Thema „Anwaltliche Vergütung“ / Vergütungsstrategien als auch ein weiterer (zusammenfassender, überblicksartiger) Abschnitt zum Thema Gerichts- und Prozesskosten gewesen. Die kurze Erwähnung zum Gerichtskostenvorschuss (Rn. 110, S. 114) und zu der Ersatzfähigkeit von Kopierkosten (Rn. 111) trägt dem Wissensbedarf eines jungen Anwalts nur unzureichend Rechnung. Hier erscheint ein zusammenfassendes Kapitel sinnvoller, es würde dem Anliegen der Herausgeber und des Autors eher entgegenkommen. Zudem sind für einen jungen Anwalt auch Vermeidungsstrategien hinsichtlich einer drohenden Zwangsvollstreckung in aller Regel von großem Interesse, welche in dem Buch leider nur bedingt und jedenfalls nicht in einem eigenen Kapitel angesprochen werden. In diesen Themenbereichen wird der Kompromiss zwischen schneller Information und praktischen Hinweisen sowie tiefer gehender Praxisrelevanz besonders deutlich.

Alles in allem trägt das Buch dem eigenen Anspruch auf kurze und knappe Information hinsichtlich vieler Fragen innerhalb der anwaltlichen Betreuung eines Zivilprozesses Rechnung und kann insofern Berufsanfängern durchaus bei den allerersten Schritten im Berufsleben eine Hilfe sein. Es wäre schön, wenn der ein oder andere Themenkreis doch noch etwas vertiefter behandelt werden würde, um dem Wissensbedarf eines Berufsanfängers hinsichtlich der praktischen Anforderungen der Anwaltstätigkeit gerecht zu werden.

Nicole Nickel, Erfurt