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Kuselit Rezensionen

Sybille Meier, Alexandra Neumann - Handbuch Vermögenssorge

Titel: Handbuch Vermögenssorge Cover
Autor: Sybille Meier, Alexandra Neumann
Verlag: Bundesanzeiger Verlag
Ort: Köln
Jahr: 2006
Seiten: 232
Preis: 29,80 €
ISBN: 978-3-89817-478-7
Internet: http://www.bundesanzeiger.de/
Rezensent: Schwarz, Axel
Quelle: Kuselit Verlag GmbH

1. Bedeutung

Es gibt Schätzungen, nach denen um das Jahr 2050 herum jeder 20. Mensch, der älter als 65 Jahre ist, und jeder 5. Mensch, der älter als 80 Jahre ist, an einer Form von Demenz leiden wird. Etwa 2/3 davon werden von Alzheimer betroffen sein.[1] Natürlich stellen diese Menschen nicht die einzige Gruppe dar, die einer Betreuung bedarf. Bereits seit dem Jahr 2004 werden in Deutschland mehr als 1,1 Millionen Menschen rechtlich betreut. Der am häufigsten angeordnete Aufgabenkreis der Betreuung ist dabei die Vermögenssorge, die nicht leicht zu handhaben ist. Hier trifft das Handbuch Vermögenssorge von Meier und Neumann auf einen konkret vorhandenen und ständig steigenden Bedarf der Praxis. Dem Bundesanzeiger Verlag ist mit diesem Handbuch dank Professionalismus und Engagement der Autorinnen ein großer Wurf gelungen. Sybille Meier als Rechtsanwältin und Alexandra Neumann als Dipl.-Rechtspflegerin legen ein Werk vor, an dem niemand, der mit Vermögenssorge zu tun hat, vorbeikommt. Das kommt sowohl der Qualität der Vermögenssorge wie dem eigenen Interesse der Betreuer zugute, die das nicht unbeträchtliche Haftungsrisiko bei der Nutzung dieses Handbuchs praktisch auschließen und den Arbeitsaufwand auf ein vertetbares Maß beschränken können.

2. Inhalt

Die Autorinnen bereiten die schwierige Materie in einer didaktisch geschickten Weise auf. Nehmen wir als Beispiel das erste Kapitel, das sich mit den wichtigsten Rechtsbegriffen befasst, deren Inhalt und Bedeutung in Bezug auf die Vermögenssorge nicht immer und so ohne weiteres klar sind, wie z.B. Geschäfts-, Prozess-, Ehe-, Testier- Delikts-, Schuld- und Einwilligunsfähigkeit und ihr Zusammenhang zu dem natürlichen Wille. Dem Praktiker dürfte die blosse, wenn auch korrekte Definition allein kaum genügen. Wohl aus dieser Erkenntnis heraus arbeiten die Autorinnen mit leicht verständlichen Beispielen und anschaulichen Fallvarianten, Übersichten, Checklisten und Schaubildern, textlich hervorgehoben und angereichert durch relevante Rechtstexte und wohl dimensionierte Gerichtsentscheidungen. Das Ergebnis ist geradezu verblüffend. In wenigen Schritten und auf wenigen Seiten, ohne Zeitvergeudung wird dem Leser verständlich gemacht, um was es bei den verschiedenen Begriffen geht, und zudem in einer Weise, die dem Vergessen des Lernstoffes entgegenwirken.

In den folgenden Kapiteln wird diese erfreuliche Technik beibehalten, die ausserdem mit Praxistipps angereichert werden. Knapp, einprägsam und verständlich werden in dieser Weise behandelt:

- Kapitel 2: „Der Aufgabenkreis der Vermögenssorge“ mit Innen-, Außen- und Bestellungsverhältnis sowie Doppelzuständigkeit,

- Kapitel 3: „Beginn der Betreuung“ mit Darstellung der Pflichten des Betreuers in Verbindung mit dem Haftungsrecht,

- Kapitel 4: „Wunschbefolgungspflicht des Betreuers“ mit einschlägigen Urteilen dazu,

- Kapitel 5: „Der Betreuer als gesetzlicher Vertreter“ mit einer Darstellung der Vertetungsmacht, deren Grenzen, Folgen ihres Fehlens und Fragen der Interessenkollision,

- Kapitel 6: „Einwilligungsvorbehalt“,

- Kapitel 7: „Geschäfte des täglichen Lebens“,

- Kapitel 8: „Vormundschaftsgerichtliche Genehmigung“ mit Innen- und Außengenehmigung,

Ab dem

- Kapitel 9: „Ausübung der Vermögenssorge“, werden Mustertexte eingeführt, die dem Praktiker das Leben erleichtern, und die zudem von der beigefügten CD abrufbar sind. Ermittlung und Verwaltung des Vermögens sowie die Erstellung des Vermögensverzeichnisses und die Rechnungslegung geraten damit selbst für den Anfänger zu einer leichten Übung. Dem erfahrenen Betreuer gereicht die Darstellung zu einer willkommenen Effizienzsteigerung.

Die folgenden Kapiteln sind schwierigen Fragen der Genehmigungspraxis gewidmet:

- Kapitel 10: „Wichtige Genehmigungspflichten im Rahmen der Vermögensverwaltung“, z.B. im Zusammenhang mit mündelsicheren und anderen Formen der Geldanlage, Forderungen und Wertpapieren und anderem mehr,

- Kapitel 11: „Genehmigungspflichten für Immobiliengeschäfte, § 1821 BGB.“, Erwerb, Verkauf und Belastung,

- Kapitel 12: „Genehmigungspflichten nach § 1822 BGB“, unter Einschluss von Fragen des Gesamtvermögens, der angefallenen und künftigen Erbschaft, Erwerbsgeschäften und Gesellschaftsverträgen usw.

- Kapitel 13: „Genehmigungen nach § 1907 BGB“ mit Mietverhältnis und Wohnungsauflösung,

- Kapitel 14: „Schenkungen durch den Betreuer“,

- Kapitel 15: „Der Betreute als Erbe“, und schließlich

- Kapitel 16: „Der Betreute als Arbeitgeber“ mit nützlichen Vertragsmustern, wobei praxisgerecht auf die immer drängender Fragen kostensparender Beschäftigung von Pflege- und Wirtschaftskräften aus dem europäischen Ausland eingegangen wird.

Das Werk wird abgerundet durch ein Verzeichnis der Muster sowie ein praxisgerechtes Literatur- und Stichwortverzeichnis. Alle Muster können – wie bereits erwähnt von der dem Werk beigefügten CD kopiert und dem jeweiligen Bedarf angepasst werden.

3 Bewertung

Das Handbuch Vermögenssorge von Meier und Neumann ist ein Volltreffer. Es gehört auf den Tisch nicht nur eines jeden Betreuers, sondern eines jeden, der beruflich oder privat (z.B. als betroffener Angehöriger) mit Betreuungen zu tun hat. Dem Anfänger bietet es einen sicheren Einstieg in die Praxis und hilft ihm, bestehende Haftungsrisiken zu vermeiden. Der erfahrene Betreuer wird das Werk nutzen, um die Arbeit im wohlverstandenen Interesse der Betreuten zu standardisieren und den eigenen Kostenaufwand in Grenzen zu halten. Darüberhinaus kann das Handbuch aber auch jedem Studierenden des Sozialrechts anempfohlen werden, gerade wegen seiner hervorragenden didaktisch gelungenen Ausrichtung.

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[1] Zahlen aus dem Vereinigten Königreich, news.bbc.co.uk/1/hi/health/6389977.stm